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Marx-Straße in Irkutsk (foto: ld/.rufo)
Marx-Straße in Irkutsk (foto: ld/.rufo)

Irkutsk - Vergilbter Glanz der Zarenzeit

Irkutsk das «Paris Sibiriens» zu nennen, wie das die Reise-Industrie tut, ist eine grobe Übertreibung. Doch die Stadt hat zweifellos europäischen Charme und ihr Zentrum zeigt auch heute noch alten Glanz.

Die Dekabristen waren nicht die einzigen, die der 1661 gegründeten sibirischen Provinzstadt in ihrer Geschichte zu einem Entwicklungsschub verholfen haben: Über die Jahrhunderte sind immer wieder geschäftstüchtige Händler und unglückliche Exilanten an die Angara gekommen.
Anreise
Irkutsk liegt an der Transsibirischen Eisenbahn. Von Moskau dauert die Reise etwa 80 Stunden, nach Wladiwostok ungefähr 70 Stunden. Vom stadtnah gelegenen Flughafen gibt es täglich Verbindungen nach Moskau und in viele andere Städte Russlands. Wegen Nebels haben aber oft Flüge von und nach Irkutsk Verspätung oder werden umgeleitet.
In den vergangenen Jahrhunderten haben Händler, Goldsucher, Missionare und die verbannten Teilnehmer des Dekabristenaufstands an der Angara ihre Spuren hinterlassen. Der Hauptgrund für einen ausführlichen Stopp in Irkutsk liegt aber rund 70 Kilometer außerhalb der Stadt: der Baikalsee.

Die Irkutsker Marx-Straße steht wie ein Denkmal für die einstige Pracht des alten Russlands. Mehrere Kilometer zieht sie sich von einem Ende des Zentrums ans andere und ist gesäumt von Zeugen vergangenen Reichtums.

Repräsentable Geschäftshäuser, ein Theater, großzügige Wohnbauten - mitten in Sibirien trifft man auf eine europäische Stadt. Und rund um die nach dem revolutionären Denker benannte Hauptallee stehen viele große Holzhäuser aus einer Zeit, in der sich Marx gerade seine Thesen ausdachte.

In einigen von ihnen haben Dekabristen gewohnt, jene aufmüpfigen Adeligen, die 1825 gegen den Zaren opponierten und zur Strafe nach Sibirien wanderten.

Kreuzerhöhungskirche in Irkutsk (foto:ld/.rufo)
Kreuzerhöhungskirche in Irkutsk (foto:ld/.rufo)
Auch für orthodoxe Missionare gab es viel zu tun in Irkutsk: Neben dem Bau zahlreicher Kirchen musste den einheimischen Burjaten das Christentum beigebracht werden. Um 1800 sorgten Goldfunde für ein rasantes Wachstum, später war die Stadt auch administratives Zentrum: Der sibirische Generalgouverneur regierte von Irkutsk aus den gesamten Osten Russlands und sogar Alaska.

In sowjetischer Zeit wurden andere sibirische Städte massiver ausgebaut als das aristokratische Irkutsk. Dennoch hat sich auch hier die Einwohnerzahl vervielfacht. Heute leben etwa 600.000 Menschen an der Angara.

Neben dem städtischen Flair, der vor allem nach einer langen Zugfahrt eine Wohltat ist, gibt es zahlreiche Kirchen und Museen in der Stadt, die es sich lohnt zu besuchen. Besonders zu empfehlen ist die perfekt restaurierte Holzvilla des Dekabristen Wolkonski, die Mitte des 19. Jahrhunderts Mittelpunkt des kulturellen Lebens der Stadt war.
Kathedrale der Gotteserscheinung (foto: ld/.rufo)
Kathedrale der Gotteserscheinung (foto: ld/.rufo)
Auch die Kathedrale der Gotteserscheinung mit ihren bunten Fresken an den Außenwänden darf man nicht verpassen. Sie steht in krassem Gegensatz zum nahe gelegenen Regierungsgebäude am Kirow-Platz, welches ein hässliches Musterbeispiel von sowjetischer repräsentativer Architektur ist.

Weitere Höhepunkte von Irkutsk sind die Angara-Promenade, die nette Fußgängerzone zwischen der Marx-Straße und dem großen Handelszentrum sowie der Angara-Staudamm etwas flussaufwärts. Er versorgt nicht nur die Stadt sondern auch eine bedeutende Aluminium-Industrie mit Strom.
Übernachtung
Das Hotel Angara ist ein zentral gelegenes Hotel, das Zimmer unterschiedlichen Ausbaustandards bietet. Entsprechend variieren die Preise von mittel bis hoch. Der «Hotelkomplex des Staatlichen Irkutsker Zirkus» ist ebenfalls sehr zentral gelegen und hat mittelteure bis günstige Zimmer.
Selbst wenn die Irkutsker ihr historisches Zentrum noch mehr aufpolieren, als sie das schon in den letzten Jahren getan haben, es wird nie eine so glänzende Sehenswürdigkeit wie der nahe Baikalsee.

Die – um auf einen weitere Wortschöpfung der Tourismusindustrie zurückzukommen – „Perle Sibiriens“ ist rund 70 Kilometer vom See entfernt und Irkutsk eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Baikal-Trips unterschiedlichster Länge:

Von einem Tagesausflug nach Listwjanka über einen Ski- oder Badeurlaub in Baikalsk bis zu einer eher meditativen Reise auf die Schamanen-Insel Olchon.
Zudem fahren vom Irkutsker Stadtteil Solnetschny schnelle Katamarane und Tragflügelboote zu verschiedenen Orten am Baikalsee.

(dan/.rufo)

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