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Dmitri Schostakowitsch komponierte unter dem wachsamen Auge der Partei (Foto: www.tvkultura.ru)
Dmitri Schostakowitsch komponierte unter dem wachsamen Auge der Partei (Foto: www.tvkultura.ru)
Mittwoch, 20.09.2006

Dmitri Schostakowitsch: Durcheinander statt Musik

Moskau. Er schrieb dem Regime von Josef Stalin Hymnen und blieb doch immer auf Distanz zum kommunistischen System. Am 25. September wäre einer der genialsten Komponisten des 20. Jahrhunderts 100 Jahre alt geworden.

An seinem ambivalenten Verhältnis zur Staatsmacht wäre Dmitri Schostakowitsch mehrfach beinahe zerbrochen. „Um die Geschichte unseres Landes zwischen 1930 und 1970 nachzuleben, reicht es aus, die Sinfonien von Schostakowitsch zu hören“, schreibt die Wochenzeitung „Moskowskije Nowosti“.

Zeitgeschichte im Spiegel von Streichquartetten


Die Aufbruchsstimmung der 20-er, der Alltag voller Angst und Unsicherheit während des Staatsterrors in den 30-er Jahren, der Todeskampf gegen den Nationalsozialismus – in den Opern, Sinfonien und Streichquartetten des Komponisten spiegelt sich der dramatische Weg der Sowjetunion und der dort lebenden Menschen wider.

Früh entdeckten Eltern und Musiklehrer das musikalische Talent des am 25. September (12. September nach dem damals gebäuchlichen julianischen Kalender) in St. Petersburg geborenen Schostakowitsch. Mit 16 absolvierte er das Petrograder Konservatorium im Fach Klavier, zwei Jahre später auch im Fach Komposition. Bereits seine Diplomarbeit, die „Erste Sinfonie“, brachte ihm internationalen Ruhm. In seiner Arbeit ließ sich Schostakowitsch sowohl von russischen Komponisten des 19. Jahrhunderts wie Modest Mussorgski, als auch von neuen Tendenzen wie der Zwölftonmusik inspirieren.

Zum Wendepunkt in der Lebensgeschichte wurde Schostakowitschs zweite Oper „Lady Macbeth von Mzensk“. Die Aufführungen feierten Triumphe in den Theatern der Sowjetunion, bis sich die Staatsführung eine Moskauer Aufführung ansah. „Durcheinander statt Musik“ titelte zwei Tage später die Parteizeitung „Prawda“. In einem wahrscheinlich von Stalin persönlich initiierten Artikel wurden Schostakowitsch und seine Oper in einer Form verrissen, die in den Jahren der „großen Säuberungen“ bereits einem Todesurteil nahekam.

Gepackter Koffer unter dem Bett


Vom gefeierten Komponisten wurde Schostakowitsch in die Nähe von Volksfeinden gerückt, für seine Werke galt ein Aufführungsverbot. Jahrelang schlief er für den Fall einer nächtlichen Verhaftung durch die Geheimpolizei NKWD mit einem gepackten Koffer unter dem Bett. Die ständige Angst ruinierte wahrscheinlich Schostakowitschs ohnehin schwache Gesundheit.

Bei Russland-Aktuell
• „Schostakowitsch gab mir Partituren“ (09.02.2004)
• „Vielleicht sollte ich besser umkehren“ (25.02.2003)
Das Wohlwollen der Partei konnte er sich erst in den Kriegsjahren wieder zurückgewinnen, als er am Leningrader Konservatorium unterrichtete und sein womöglich bekanntestes Werk, die 7. oder auch „Leningrader“ Sinfonie schrieb. Schostakowitsch musste Schützengräben ausheben, als Mitglied einer Feuerwehrbrigade auf dem Dach des Konservatoriums ausharren, ehe er aus dem Leningrader Blockadering evakuiert wurde.

Zur Uraufführung in Leningrad gelangten die Partituren mit einem Flugzeug über den Belagerungsring der Wehrmacht hinweg zurück in die hungernde Stadt. Stalin war begeistert über das musikalische Denkmal, dass Schostakowitsch dem Widerstandswillen der Eingeschlossenen gesetzt hatte. Der Komponist erhielt einen Stalin-Preis für sein Werk.

Biografie: Schostakowitsch kein Mitläufer


Erst viele Jahre später erklärte Schostakowitsch, die „Leningrader Sinfonie“ sei in Wirklichkeit als ein Requiem sowohl für die Opfer der Blockade als auch die des Stalin-Terrors gedacht gewesen. Viele von Schostakowitschs späteren Werken sehen nur auf den ersten Blick aus wie Auftragsarbeiten zum Lob der kommunistischen Sowjetführung. Dass viele Zeitgenossen den kritischen oder gar spöttischen Unterton in seiner Musik aber nicht wahrnahmen, habe ihn zutiefst enttäuscht, schreibt der Schostakowitsch-Biograf Solomon Wolkow.

Erst in den 1960-er Jahren, als die Allmacht des totalitären Systems während der Tauwetter-Periode für einige Jahre Kunst und Kultur etwas weniger erdrückte, rückte Schostakowitsch wieder dichter an das Regime. Er trat der KPdSU bei, später fand sich seine Unterschrift unter einem offenen Brief, in dem der Dissident und spätere Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow diffamiert wurde. Die letzten Lebensjahre verbrachte der bereits schwer kranke Schostakowitsch zunehmend auf seiner Datsche in der Nähe von Moskau. Nach seinem Tod am 9. August 1975 wurde er auf dem Prominentenfriedhof am Moskauer Neujungfrauen-Kloster beigesetzt.

In diesem Jahr sind in Russland bereits Wochen vor dem 100. Geburtstag des Komponisten die Jubiläumsveranstaltungen angelaufen. Lediglich im nordrussischen Syktywkar wird Schostakowitsch auch nach seinem Tod noch zensiert. Die im regionalen Opernhaus geplanten Aufführungen des Schostakowitsch-Balletts „Vom Popen und seinem Knecht Balda“ wurden nach heftigen Protesten des örtlichen Bistums abgesetzt.

(Karsten Packeiser, epd)


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