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Montag, 15.11.2004
Duma sagt Gewalt im Fernsehen den Kampf an
Moskau. Mit einer kuriosen Gesetzesänderung will die russische Staatsduma der Gewaltwelle im Fernsehen Einhalt gewähren. Einstimmig verabschiedeten die Abgeordneten in erster Lesung eine Änderung des Pressegesetzes, die elektronischen Massenmedien verbietet, zwischen sieben und 22 Uhr Gewaltszenen zu senden.
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Andrej Skotsch, Abgeordneter der Kreml-Partei „Einiges Russland“ und Initiator der Gesetzesänderung, begründete die Maßnahme damit, Kinder und Jugendliche schützen zu wollen.
Außer in der späten Nacht sollen „Leichen von Menschen, Tötungs-Szenen und Gewaltanwendungen, die zu schweren, mittelschweren oder leichten Gesundheitsbeeinträchtigungen führen, Vergewaltigungen und andere sexuelle Handlungen mit Gewaltcharakter“ tabu sein. Noch unmittelbar vor der Abstimmung hatten sowohl der zuständige Ausschuss, als auch die Regierung ihre ablehnende Haltung zum Ausdruck gebracht.
Und da heißt es, die Duma sei langweilig
Selbst der Iniator Skotsch musste eingestehen, dass er über das Abstimmungsergebnis “sehr verwundert“ sei. Er selbst hatte an der entscheidenden Sitzung nämlich gar nicht erst teilgenommen. „Und da heißt es, unsere Duma sei langweilig und zu keinen Überraschungen mehr fähig“, schrieb die Moskauer Boulevardzeitung „Moskowski Komsomolez“. Nachrichtensendungen, in denen über Terroranschläge oder Auftragsmorde berichtet wird und selbst sowjetische Spielfilme über die Helden des Großen Vaterländischen Krieges würden aus den Fernsehprogrammen verschwinden, sollte das Gesetz in Kraft treten, so das Blatt.
Nachbesserung angekündigt
Allerdings wird es dazu nicht kommen. „Die Abgeordneten sind nicht derartig große Idioten“, erklärte Duma-Vizechef Oleg Morosow in einem Zeitungsinterview. Vor den kommenden Lesungen werde das Gesetz so nachgebessert, dass es zu keiner „Absolutisierung“ des Gewaltverbots komme, sagte der Politiker. Nach Ansicht des russischen Journalistenverbandes ist dagegen die ganze Initiative unnötig. Bereits heute gebe es im Pressegesetz einen Artikel, der die Verbreitung von Pornografie und übermäßiger Gewalt verbiete.
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Von den Verboten ist allerdings derzeit nicht viel zu spüren. Selbst im Staatsfernsehen wird schon am frühen Nachmittag gemordet, Sendungen, die reißerisch die Verbrechen, Autounfälle und Katastrophen der Woche präsentieren, laufen auf allen Kanälen von früh bis spät.
(epd/kp)
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