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| Bei der Kundgebung waren mehr Journalisten als Teilnehmer (Foto: de Carli) | |
Dienstag, 04.03.2008
Demo in Moskau – für die Sache oder die Kamera?
Moskau. In mehreren Städten hat das Bündnis „Anderes Russland“ am Tag nach der Wahl zu Protesten aufgerufen. In Moskau kamen außer vielen Journalisten und noch mehr Polizisten nur wenige zur unangemeldeten Demo.
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Entlang des Prospekts, der zum Hauptsitz des russischen Erdölunternehmenes „Lukoil“ führt, sind schon um vier Uhr nachmittags rund drei Dutzend Mannschaftstransporter der Miliz aufgereiht.
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Polizei sperrt alles ab Eine Stunde vor Beginn der von der Gruppe „Anderes Russland“ angekündigten Proteste gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen vom Vortag ist das Gebiet rund um die Metrostation „Tschistije Prudy“ unter totaler Kontrolle der Polizei.
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Hinter jeder Straßenecke haben sich die unterschiedlichsten Truppengattungen formiert. Sie warten, wie es scheint, gelangweilt auf den bevorstehenden Einsatz. Hundestaffeln und Beamte in Zivil durchkämmen das Einsatzgebiet.
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Langsam finden sich erste Medienvertreter ein. Fernsehteams filmen die geparkten Wagenkolonnen und die wartende Miliz. Andere Motive gibt es nicht. Demonstranten sind noch nicht zu sehen. Passanten, Journalisten und Polizisten suchen unter dem überdachten Eingang der Metro gemeinsam Schutz vor dem Wetter. Schneeregen und starker Wind machen das Warten ungemütlich.
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Der Alltag geht ungestört weiter Plötzlich kommt es vor dem Eingang eines Schnellimbisses zu Rangeleien. Behelmte Polizisten und Kameramänner zwängen sich fast zeitgleich durch den schmalen Eingang. Darumherum bildet sich eine erste Menschentraube. Jounalisten wie Schaulustige recken ihre Kameras in die Höhe und versuchen festzuhalten, was im Innern des Lokals geschieht.
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Was sie zu sehen hoffen, ist nicht ersichtlich. Es zwängen sich zwar die ganze Zeit Beamte hinein und hinaus, drinnen gehen die Geschäfte aber normal weiter. Die Kunden stehen scheinbar unbekümmert vor dem Tresen Schlange.
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Auch sonst haben alle Geschäfte rund um das Demonstrationsareal geöffnet. Es ist mittlerweile fünf Uhr geworden. Durch den kleinen Aufruhr neugierig geworden, bleiben immer mehr Passanten rund um den Metroeingang stehen.
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Wer wirklich wegen der Demonstration gekommen ist oder wer nur zufällig da steht, ist nicht auszumachen. Es gibt keine Transparente. Bis auf vereinzelte Schreie wird nichts skandiert. Wäre da nicht die große Zahl Beamter und Journalisten – niemand würde vermuten, dass hier eine Kundgebung stattfindet.
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Medienwirksame Gewalt gegen Demonstranten In Intervallen von einigen Minuten machen einzelne Demonstranten auf sich aufmerksam. Es beginnt ein sonderbares Spiel zwischen ihnen und den Einsatzkräften. Schreit einer der Protestierenden zu laut oder entzündet eine Leuchtpetarde, stürzt sich sofort die Polizei auf ihn.
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Es wird gestoßen und geprügelt. Immer dicht dahinter folgt eine Schar Kameras auf der Suche nach den heißen Bildern, die heute sonst nur schwer zu bekommen sind. Hin und wieder kommt es zu einer kurzen Verfolgungsjagd, die meisten jedoch lassen sich ohne großen Widerstand abführen. Zu ungleich ist das Zahlenverhältnis zwischen Protestierenden und Beamten.
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Nach einer knappen halben Stunde beruhigt sich die Situation. Die Menge steht etwas ratlos herum. Interviews werden geführt. Viele verlassen den Schauplatz. Es bleibt die Frage, wieso die „Kundgebung“ eigentlich stattgefunden hat. Als reines Medienereignins oder als Anstoß für ein Umdenken in der russischen Politik?
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(ldc/.rufo/Moskau)
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