Russland hat Glück bei der Euro-2012-Auslosung. (Foto: newsru.com)
Montag, 08.02.2010
Fußball-Euro-2012: Russland vor lösbarer Aufgabe
Warschau. In der Qualifikation zur EM-2012 in Polen und der Ukraine hat Russland die „Lebensgruppe“ B gezogen. Ernsthafte Gegner sind die Slowakei und Irland. Experten warnen schon jetzt vor übertriebener Selbstsicherheit.
Am Sonntag wurden in Warschau die Gruppen für die Qualifikation zur Europameisterschaft 2012 ausgelost. Russland trifft in Gruppe B auf die Slowakei, Irland, Makedonien, Armenien und Andorra. Eine machbare Sache, aber…
Ein Geschenk Stalins
Allein der Ort, wo die feierliche Zeremonie stattfand, hat einen direkten Bezug zu Russland. Warschaus Kulturpalast im ausgereiften „Zuckerbäckerstil“ ist ein Geschenk Stalins an „das sozialistische Polen“ und fast eine Kopie des Hauptgebäudes der Moskauer Universität – beide stammen aus der Feder des bekannten sowjetischen Architekten Leonid Rudnew.
Im mit 237 Metern höchsten Gebäude der polnischen Hauptstadt hatte Russland dann auch ziemliches Glück – das Los bescherte der Nationalmannschaft eine Gruppe, die sogleich den Namen „Lebensgruppe“ bekam – im Unterschied zur „Todesgruppe“ getauften Gruppe A mit Deutschland und der Türkei.
Vorsicht vor den Kleinen…
Guus Hiddink, dessen Zukunft als russischer Nationaltrainer immer noch unklar ist, zeigte sich erfreut nach der Auslosung. „Wir haben eine gute Gruppe bekommen“, sagte er gegenüber „Sowetski sport“. „Aber wenn wir als Favoriten gelten, und das tun wir ohne Frage, dann müssen wir uns auch wie solche verhalten!“
Hiddink spricht das an, was viele russische Fußballexperten bewegt. So gibt Juri Sewidow, einstiger sowjetischer Fußballstar, zu bedenken: Gerade die Slowaken waren es, die Russland in der Qualifikation zur WM 2006 in Deutschland draußen vor der Tür ließen.
„Es ist zu früh, Sekt zu trinken!“, meint auch Juri Sjomin, Cheftrainer von Loko Moskau. Gerade gegen die vermeintlich „Kleinen“ stellt sich die Sbornaja nämlich oft höchst hilflos an. Nach dem letzten Beispiel muss niemand lange suchen: Slowenien machte im November Russlands Hoffnungen auf eine Teilnahme bei der WM in Südafrika zunichte.
Die Motivation muss also stimmen. Aber wer wird sie den Jungs „einbläuen“? Ob Guus Hiddink seinen Vertrag, der nach der WM ausläuft, verlängert, steht in den Sternen. Wie der neue Präsident des Russischen Fußballverbandes Sergej Furssenko zu einer Weiterarbeit mit dem Holländer steht, ist schwer auszumachen.
Beide halten sich bedeckt. Für Vertragsgespräche sei “später Zeit“, sagt Hiddink. Das hört sich eher so an, als würde die Vorbereitung auf die EM in Polen und der Ukraine ein anderer übernehmen.
Hiddink wird indes verstärkt mit der Zukunft der türkischen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Da würde er dann auf den deutschen Coach Joachim Löw treffen – vorausgesetzt, der wird sich mit seinem eigenen Verband einig. Wie sich die Probleme doch gleichen.