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Das neue Kraftwerk könnte Sajano-Schuschenskoje entlasten, aber hätte fatale Folgen für Menschen und Umwelt. (Foto: TV)
Das neue Kraftwerk könnte Sajano-Schuschenskoje entlasten, aber hätte fatale Folgen für Menschen und Umwelt. (Foto: TV)
Montag, 01.03.2010

Weltweiter Protest gegen Wasserkraftwerk in Sibirien

Krasnojarsk. Nach Bürgerinitiativen und Greenpeace schlägt jetzt auch die Gesellschaft für bedrohte Völker Alarm: Ein geplantes Riesenwasserkraftwerk in Sibirien bedroht die Existenz der Ewenken und die einzigartige Natur.

Das Turuchansker Kraftwerk am unteren Tunguska-Fluss im mittelsibirischen Bergland könnte das größte der Welt werden, ginge es nach den Plänen des russischen Staatsunternehmens RusHydro. Das Werk mit einer geplanten Spitzenleistung von 20 Gigawatt würde etwa 13 Milliarden US-Dollar an Investitionen verschlingen.

Bei Russland-Aktuell
• Vor 100 Jahren: Der Weltuntergang an der Tunguska (28.06.2008)
• Putin: Energie für Sibirien, Kritik an Stromversorgern (24.02.2010)
• Kraftwerksunglück: "An allem ist Tschubais schuld" (05.10.2009)
• Russland will ein Viertel des Weltmarktes f Atomenergie (23.07.2009)

Altes Sowjetprojekt


Das Projekt stammt noch aus Sowjetzeiten, als am Reißbrett konzipierte Industriegiganten an der Tagesordnung waren und man sich nicht sonderlich um die Folgen für Umwelt und Menschen kümmerte.

Doch schon damals (Ende der 1980er Jahre) hatten Wissenschaftler, Ökologen und die Öffentlichkeit sich eindeutig dagegen ausgesprochen, und die Sowjetregierung hatte es letztendlich verworfen – wohl auch wegen der bereits katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Situation, die wenige Jahre später zum Ende des Sowjetstaates führte.

Bedrohter Lebensraum der Ureinwohner


Nun will RusHydro das Vorhaben entmotten und umsetzen. Spätestens 2020 soll der Gigant über eine 3.000 Kilometer lange Leitung Strom nach Zentralrussland liefern. Nach dem Unfall im Wasserkraftwerk von Sajano-Schuschenskoje im letzten Jahr würde das neue Werk die Stromversorgung dezentralisieren und weiter absichern.

Für die dort ansässigen Ewenken würde der Bau allerdings den Verlust ihres Lebensraumes bedeuten. In dem 9.400 Quadratkilometer großen Stausee würden fünf Ewenkensiedlungen untergehen, darunter die ehemalige Hauptstadt des 2007 aufgelösten Autonomen Gebiets dieser Ureinwohner Nordsibiriens.

Nukleare Altlasten


Doch nicht nur das – eine Million Hektar unberührter Lärchenwald ist in Gefahr; würde er geflutet, würde das gesamte Ökosystem der Region ins Wanken geraten. Noch weit schlimmere Folgen könnten durch nukleare Altlasten aus Sowjetzeiten ausgelöst werden, heißt es in einem Presseschreiben der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Im Internet
• Online-Appell der Gesellschaft für bedrohte Völker

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Im Flutungsgebiet der Unteren Tunguska befinden sich nämlich nach Nuklearsprengungen aus den 1970er Jahren drei radioaktiv verseuchte Kammern in Salzeinlagen. Durch die Wasserstauung könnten diese aufbrechen. Die Folgen wären unabsehbar.

Vehementer Protest


Die ewenkische Vereinigung „Arun“ hat sich jetzt mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. Die Ewenken fürchten um ihren Lebensraum und rufen zum Protest gegen den Bau des gigantischen Kraftwerks auf.

Unterstützt werden sie von der russischen Abteilung von Greenpeace. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat jetzt einen Online-Appell an den potentiellen Betreiber RusHydro ins Netz gestellt, in dem „eine öffentliche Revision des Bauvorhaben bis 2020“ sowie „die Einbeziehung von Repräsentanten der Ewenken in die Beratungen“ gefordert wird.



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