Putin schickt den FSB in die Höhlen der tschetschenischen Kämpfer (Foto: www.newsru.com)
Mittwoch, 08.02.2006
Putin: Aufstöbern und wie die Ratten vernichten
Moskau. Die Explosion in der Miliz-Kaserne in Tschetschenien, die gestern Abend bis zu 23 Menschen tötete, richtete sich deutlich gegen Putin, der erst gestern in Moskau den FSB für seine Erfolge im Nordkaukasus gelobt hatte.
Insbesondere im Nordkaukasus, so hatte Wladimir Putin in seiner Rede vor FSB-Offizieren an der Lubjanka gesagt, seien spürbare Erfolge im Kampf gegen den Terrorismus erzielt worden. Eine ganze Reihe von „Anführern der Banditen“ seien neutralisiert worden. Viele Nachschubwege für Waffen, Geld und Informationen seien geschlossen worden.
Aufstöbern und wie die Ratten vernichten
Man müsse die Terroristen „in ihren Höhlen aufspüren und wie die Ratten vernichten“, wünschte sich Putin von seinen Geheimdienstlern. Erst vor einer Woche hatte Putin auf seiner Jahrespressekonferenz erklärt, die Lage in Tschetschenien habe sich stabilisiert. Besonders wichtig, so Putin, seien dafür die tschetschenischen Abteilungen der Sicherheitsbehörden, die gegen den terroristischen Untergrund in Tschetschenien sehr effektiv vorgehen.
Während noch die Abendnachrichten des Fernsehens Putin bei seiner Rede an der Lubljanka zeigten, brachte eine Explosion im Keller einer Milizkaserne im tschetschenischen Dorf Kurtschaloi das ganze Gebäude zum Einsturz. Sie richtete sich gegen die wichtigste Säule der Politik der Tschetschenisierung: das hier stationierte Sonderbatallion „Wostok“ ist die Hausmacht des tschetschenischen Vizepremiers Ramsan Kadyrow.
„Wostok“ ist eine rein tschetschenische Einheit, die zum Teil aus ehemaligen Kampfgruppenmitgliedern besteht. „Wostok“ machte sich das Know-how der Kampfgruppen zu eigen und tat sich auf der Jagd nach Untergrundkämpfern und bei zahlreichen, teils brutalen Sondereinsätzen hervor. Ihr Nimbus ist jetzt gründlich zerstört.
Egal ob Gasflaschen oder Sprengsätze: die Explosion erschüttert den Nordkaukasus
Die Explosion im Kasernenkeller dürfte eine ähnliche erschütternde Wirkung haben, wie in den letzten Jahren die Sprengstoffanschläge auf das Regierungsgebäude in Grosny, das FSB-Hauptquartier in Nasran oder eine Miliz-Kaserne in Argun. Dabei ist es schon fast unerheblich, ob die Explosion tatsächlich ein Anschlag oder nur Schlamperei im Umgang mit zwei Gasflaschen war, wie tschetschenische Sprecher anfangs behaupteten.
Stabilität ist in Tschetschenien nicht in Sicht. Feldkommandeur Schamil Bassajew, den Putin schon vor fünf Jahren „notfalls im Pissoir umlegen“ wollte, ist immer noch auf freiem Fuß. Aber offensichtlich haben die russischen Sicherheitsbehörden im Nordkaukasus mehr Erfolge vorzuweisen, als bisher. Insgesamt, so lobte Putin seine Geheimdienstler in seiner Rede an der Lubjanka, hätten die Abteilungen des FSB im vergangenen Jahr ihre Aufgaben gelöst, schnell und professionell operiert.
Wehrhafte und souveräne Demokratie a la Putin
Das Wichtigste an Putins Rede bei seinem alljährlichen Treffen mit der FSB-Führung scheint allerdings zu sein, dass Putin erstmals die Aufgaben des Geheimdienstes in einer Art beschrieb, die öffentlich Anklang finden soll.
Aufgabe des Inlandsgeheimdienstes FSB sei es, so Putin, die nationalen Interessen und die demokratischen Rechte und Freiheiten zu verteidigen. Dabei seien die nichtkommerziellen und nichtstaatlichen Organisationen (NGO) ein „wichtiges Instrument der Zivilgesellschaft“– deren Arbeit und Finanzierung „maximal transparent“ sein müsse. Es sei Aufgabe des FSB, auch sie vor dem Einfluss ausländischer Geheimdienste zu schützen.
(gim/.rufo)
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)