Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Geschichte: Demonstranten auf dem Maidan 2004 (Foto: Ballin/.rufo)
Geschichte: Demonstranten auf dem Maidan 2004 (Foto: Ballin/.rufo)
Mittwoch, 19.07.2006

Revolution in der Ukraine beendet: Orange gibt auf

Moskau. Vor zwei Jahren waren sie noch die strahlenden Sieger vom Maidan. Nun hat die orangene Koalition im erneuten Kampf um die Macht ihre Niederlage eingestanden. Vorläufig wird es keine weitere „Revolution“ geben.

Es klingt ein bisschen wie die unendliche Geschichte. Vier Monate ist es inzwischen her, seit das Parlament in der Ukraine gewählt wurde, doch noch immer hat das Land keine Regierung. Als sich endlich, vor knapp einem Monat eine neue Koalition aus der einstigen orangenen Bewegung zusammengerauft zu haben schien, blockierte die Opposition das Parlament.

Blockade sprengt die orangene Koalition


Die gleichzeitige Wahl von Premier (vorgesehen für den Posten war Ex-Premier Julia Timoschenko) und Parlamentschef (hier kandidierte Timoschenkos Intimfeind Pjotr Poroschenko) sei verfassungswidrig begründeten die „Aufständischen“ ihre Barrikade. Tatsächlich versuchten die orangenen Kräfte mit dieser geplanten Doppelwahl das eigene zerstrittene Lager zur Disziplin zu zwingen.

Bei Russland-Aktuell
• Koalition zerfallen: Ukraine weiter ohne Regierung (07.07.2006)
• Ukraine soll Atomraketen an Iran verkauft haben (30.06.2006)
• Timoschenko startet Gasattacke auf Russland (23.06.2006)
• Neue Koalition soll Ukraine aus der Krise fÝhren (22.06.2006)
• Ukraine: Neue Koalition gebildet, Tumult in der Rada (11.07.2006)
Wie tief die Gräben in der geplanten Dreier-Koalition waren, wurde während des Konflikts deutlich. Nach einigen Tagen Totalblockade, in denen sich im Parlament nichts bewegte, lief der Chef der kleinsten Partei unangekündigt zum „Feind“ über. Sozialistenchef Alexander Moros, der 2004 noch auf dem Maidan hinter Timoschenko und dem Präsidentschaftskandidat Juschtschenko stand, ließ sich nun mit den Stimmen der Kommunisten und der oppositionellen „Partei der Regionen“ quasi im Handstreich zum neuen Parlamentschef wählen.

Neue Koalition stellt Janukowitsch auf


Danach erklärten diese drei Fraktionen die Bildung einer „Anti-Krisen-Koalition“ und stellten Juschtschenkos Erzfeind Viktor Janukowitsch als Kandidaten für den Premierministerposten auf. Juschtschenko lehnte ab, weil die Sozialisten beim Seitenwechsel ihre ehemaligen Koalitionäre nicht gewarnt hatten. Nach ukrainischem Recht hätten sie mindestens zehn Tage vorher Bescheid geben müssen.

Nun versuchten sich die orangenen Kräfte in der Barrikade-Haltung. Es gab tagelang Demonstrationen vor dem Parlament. Anhänger der Timoschenko-Partei BJUT und der Bewegung „Pora“ versuchten gar die Türen der Rada zu blockieren. Mit Matratzen legten sie sich vor die Eingänge. Die Miliz behauptet sogar, einen versuchten Staatsstreich aufgedeckt zu haben.

Orange zuckt zurück, Timoschenko verschiebt die Revolution


Doch eine neue „Revolution“ wird es vorerst nicht geben. Timoschenko rief ihre Anhänger zurück. Ein neuer Maidan werde „vorerst“ nicht veranstaltet, sagte die Politikerin. Der Rückzug ist nicht so sehr ein Ausdruck neuer Kompromissbereitschaft der „Eisernen Lady“ sondern eher ihres Pragmatismus. Die Aussichten auf eine Wiederholung des Erfolgs vom Winter 2004 sind verschwindend gering.

Ein Eingeständnis der Niederlage ist auch die Beteiligung der beiden verbliebenen orangenen Parteien an der Wahl der Komiteevorsitzenden im Parlament. Timoschenkos Partei wurde dafür mit immerhin sieben Posten entlohnt, die propräsidiale Fraktion „Unsere Ukraine“ bekam fünf Ämter. Die meisten Komiteevorsitzenden stellt Janukowitschs „Partei der Regionen“ (acht), Kommunisten und Sozialisten wurden mit je drei Posten abgespeist.

Danach präsentierte die „Anti-Krisen-Koalition“ erneut Janukowitsch als Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten. Präsident Juschtschenko schweigt bislang, doch die zehn Tage sind inzwischen um, so dass sich schwerlich ein juristischer Grund für eine erneute Zurückweisung finden lässt. Und nach dem K.O.-Eingeständnis der einstigen Maidan-Revolutionäre scheint einer Wiederkehr Janukowitschs auf den Posten, den er bereits unter Altpräsident Leonid Kutschma innehatte, nichts mehr im Wege zu stehen.

(ab/.rufo)


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Mittwoch, 19.07.2006
Zurück zur Hauptseite








Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Montag, 28. Mai
10:22 

Orenburg wirft ausländische Studenten aus Wohnheim

08:51 

Opposition beantragt neuen Protestmarsch am 12. Juni

01:03 

Geschichte Russland: Rust landet auf dem Roten Platz

Sonntag, 27. Mai
01:03 

Russland Geschichte: St. Petersburg und Tsuschima

Samstag, 26. Mai
01:03 

Geschichte Russland: Nikolaus II. wird gekrönt

Freitag, 25. Mai
20:02 

CH-Staatsanwälte legen Deripaska-Klagen zu den Akten

18:27 

Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister

18:03 

Baku: Missklänge beim Grand Prix – vorrangig politisch

17:09 

26-facher Mumienmacher muss in psychiatrische Klinik

16:26 

Medwedew will „Einiges Russland“ intern demokratisieren

14:37 

Russische Motorradfahrer im Irak freigelassen

13:28 

Fünf Tote: Familientragödie unter Russen in den USA

12:47 

Schlägerei bei Sprach-Debatte im ukrainischen Parlament

11:09 

Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei

09:27 

Ferien! Heute letzter Schultag für Russlands Schüler

01:03 

Russland Geschichte: Aus finstersten Tiefen

Donnerstag, 24. Mai
18:22 

ESC: udmurtische Äffin sagt Sieg der Babuschki voraus

17:57 

Russland verliert Raketen-Radarstation in Aserbaidschan

17:22 

Trotz Timoschenko: Polen und Ukraine erwarten gute EM

16:14 

Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns zeigen!“

15:04 

Alu-Zar Deripaska verliert Petersburger Großprojekt?

13:58 

Minister verspricht Abschleppdienst per Helikopter

12:42 

Irak: Vier russische Biker sitzen in Militär-Gefängnis

12:13 

Vergewaltigtes Kind im Müllschlucker: 22,5 Jahre Haft

10:53 

Kremlwache kauft Atomschlag-sichere Kinder-Wiegen

09:23 

Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß

01:03 

Geschichte Russland: Die „Aurora“ läuft vom Stapel

Mittwoch, 23. Mai
18:23 

Moskauer sollen eigene Speakers Corners bestimmen

17:53 

Ukraine lehnt Behandlung von Häftlingen im Ausland ab

17:13 

Verletzte bei Bruchlandung von Militärflugzeug

16:24 

Vor der EM: Sportjournalist pöbelt über Nationalspieler

15:11 

Tschetschenische Saurier-Eier sind profane Steine

13:51 

Kapitalflucht aus Russland kann auf 100 Mrd. USD steigen

12:35 

Anti-Alkoholkampagne: Wodka in Jakutien nur nachmittags

12:04 

Rosneft-Boss Setschin – der Mann, der Yukos beerbte

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com