Sotschi-2014: Ski-Weltcup als erste Bewährungsprobe
Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Ukraine: Präsidentschafts-Kandidat Janukowitsch (rechts) drängt seine Konkurrentin Timoschenko in die Ecke (Foto: Unian/.rufo)
Ukraine: Präsidentschafts-Kandidat Janukowitsch (rechts) drängt seine Konkurrentin Timoschenko in die Ecke (Foto: Unian/.rufo)
Donnerstag, 04.02.2010

Ukraine: Timoschenko verliert Schlacht vor der Wahl

Kiew. Vier Tage vor den Präsidentenwahlen in der Ukraine verlor Premierministerin Julia Timoschenko im Parlament eine wichtige Abstimmung – und eine Saalschlacht. Denn Juschtschenkos Partei hat die Seite gewechselt.

Die Stichwahl am Sonntag zwischen Viktor Janukowitsch und Julia Timoschenko droht in einem großen Durcheinander zu enden.

Die Rada, das ukrainische Parlament, verabschiedete am Mittwoch mit heftigen Turbulenzen auf Betreiben von Janukowitschs „Partei der Regionen“ noch eine Blitz-Änderung des Wahlgesetzes: Die Regelung, dass in den einzelnen Wahlkommissionen das jeweilige lokale oder regionale Wahlergebnis mit einem Quorum aus zwei Dritteln der Kommissionsmitglieder bestätigt werden muss, wurde kurzerhand abgeschafft.

Julia Timoschenko erklärte daraufhin, dies sei „ein Todesurteil für die Demokratie und die freien Wahlen in der Ukraine“. Bislang waren die Aufsichtsgremien paritätisch besetzt, doch nun würden Timoschenko-Vertreter hinausgedrängt. Nach ihrer Ansicht fällt damit einer der wichtigsten Sicherheitsmechanismen zur Verhinderung grober Wahlfälschungen.

Timoschenko droht mit einem neuem "Maidan"


Nun kündigte Timoschenko Demonstrationen wie weiland im Herbst 2004 an, sollte der scheidende Präsident Viktor Juschtschenko das neue Gesetz vor der Wahl noch unterschreiben und damit in Kraft setzen.

Tut er dies, so wäre offensichtlich, was sich zum Schrecken Timoschenkos schon in der Rada abzeichnete: Dort stimmten 29 Abgeordnete der Juschtschenko-Partei „Unsere Ukraine“ zusammen mit der Janukowitsch-Fraktion für die Wahlrechts-Änderung. Damit zeichnet sich im Parlament eine neue Mehrheit ab, die nach dem wahrscheinlichen Wahlsieg Janukowitschs dessen Widersacherin auch gleich vom Posten der Regierungs-Chefin stürzen könnte.

Alte orange Koalition zerbrochen


Bislang konnte sich die west-orientierte Politikerin auf eine zwar heillos zerstrittene, aber in der Front gegen den Russland-freundlicheren Janukowitsch einige Koalition mit den Leuten Juschtschenkos stützen. Schließlich hatte das Duo Juschtschenko-Timoschenko und Janukowitsch während der – ebenfalls durch Wahlmanipulationen ausgelösten – orangen Revolution im Herbst 2004 unversöhnlich auf verschiedenen Seiten der Barrikaden gestanden.

Seitens der jetzt wieder siegesgewissen Janukowitsch-Partei war befürchtet worden, dass die Vertreter Timoschenkos in den Wahlkommissionen angesichts ihrer drohenden Niederlage einfach am Sonntag blau machen könnten – wodurch das Wahlergebnis legal nicht fixiert werden könnte.

Janukowitsch mit Zehn-Prozent-Vorsprung


Im ersten Wahlgang im Dezember hatte Janukowitsch 35 Prozent der Stimmen und Timoschenko 25 Prozent erhalten. Amtsinhaber Juschtschenko landete mit nur 5,5 Prozent auf den fünften Platz. Aktuelle Umfragen dürften in der Ukraine nicht mehr veröffentlicht werden, doch gilt es als wahrscheinlich, dass Janukowitsch seinen Vorsprung halten kann.

Bei Russland-Aktuell
• Ukraine: Schlammschlacht vor dem zweiten Wahlgang (01.02.2010)
• Ukraine: Tigipko schlägt sich auf Timoschenkos Seite (26.01.2010)
• Europarlament: Wahlen in der Ukraine waren transparent (20.01.2010)
• Ukraine: Experten befürchten neue orange Revolution (19.01.2010)
• Ukraine: Janukowitsch vorn, aber noch nicht durch (18.01.2010)
In den letzten Tagen vor der Wahl deckten sich die beiden Bewerber um die Staatsspitze noch heftig mit gegenseitigen Vorwürfen ein: Wahlfälschung, Bedrohungen, das Aufbieten von Schlägertrupps oder gar ausländischen Interventen unter dem Deckmantel von Wahlbeobachtern.

Eine sachliche Diskussion wird nicht mehr geführt – obwohl die Ukraine diese angesichts ihrer desolaten Wirtschafts-und Finanzlage dringend nötig hätte. Der eher spröde Janukowitsch verzichtete sogar auf die TV-Debatte mit seiner aparten Gegnerin.

Nachtwache und Rempeleien im Parlament


Auch die Abstimmung im Parlament glich mehr einer Saalschlacht als einem demokratischen Akt: Timoschenko-Abgeordnete wollten sie eigentlich verhindern, in dem sie über 200 weitere und weitgehend sinnfreie Änderungsanträge einbrachten. Außerdem versuchten einige von ihnen, schon gegen halb sechs am Morgen im Parlamentssaal Schlüsselpositionen wie das Rednerpult und die Schaltzentrale für Licht und Anzeigentafel zu besetzen.

Allerdings hatten Janukowitschs Deputierte davon Wind bekommen und bereits ab Mitternacht im Plenarsaal Stellung bezogen. So kam es dann zu üblen Rempeleien und Beschimpfungen – wobei die Abgeordneten einige Fachkenntnis in der Disziplin Saalschlacht bewiesen: Viele legten gleich ihre Krawatten ab, um dem Gegner keine Würgeschlinge zu bieten.

Auch erhob niemand vor den laufenden Fernsehkameras telegen die Fäuste. Man schlug sich im dichten Gedränge akkurat gegenseitig in die Nieren und trat sich an die Beine, beobachtete der Korrespondent des Moskauer „Kommersant“. „Im ukrainischen Parlament arbeiten Profis“, so sein Fazit.

Es braucht eine neue Streitkultur


Egal ob am Sonntag Janukowitsch oder doch Timoschenko gewinnt – das ebenso wankelmütige wie streitbare Parlament bleibt für beide ein Unsicherheitsfaktor und Bremsklotz beim dringend nötigen Neustart des flächenmäßig zweitgrößten Staates Europas.

Denn damit die Ukraine nach der Wahl wieder zur politischen Geschäftsfähigkeit zurückkehren kann, müssen sich die konträren Kräfte dort zusammenraufen – und nicht miteinander raufen.



Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Donnerstag, 04.02.2010
Zurück zur Hauptseite








... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)




Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>


Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal
Thema der Woche
Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa
Kopf der Woche
Nach Überfall - Siegerin bei Präsidentenwahlen im Koma
Moskau
Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent
Kaliningrad
Moskaus Ex-Bürgermeister macht jetzt Mist in Ostpreußen
Kommentar
Russische Lehren aus dem Arabischen Frühling
Der Russland-Aktuell
Nachrichten-Monitor
Freitag, 10. Februar
18:47 

Offizielle Umfragewerte: Putin im 1. Wahlgang durch

18:13 

9. Russlandlounge: Russland und der deutsche Markt

17:09 

Viel Wind um nichts: 25 Euro Strafe für Putin-Demo

16:14 

Medwedew feuert Petersburger Polizeichef nach Skandal

15:22 

Sotschi-2014: Ski-Weltcup als erste Bewährungsprobe

13:45 

Der potomkinsche Express-Bus - langsam und unbequem

12:48 

Politischer Karneval und Menschenkette um den Kreml

12:15 

Chodorkowski gewinnt Gerichtsverfahren gegen Lagerchef

11:01 

Gemeinsam frieren: Dauer-Eiszeit in Russland und Europa

09:12 

Nach Überfall - Siegerin bei Präsidentenwahlen im Koma

01:01 

Russland Geschichte: Pasternak geboren

Donnerstag, 9. Februar
18:45 

KHL: Hockeyclubs fliegen nur noch mit Airbus und Boeing

18:17 

Putin will freie Januartage auf Anfang Mai verschieben

17:24 

Gorbatschow möchte Wählerliga anführen, soll aber nicht

16:37 

Putin plant patriotisches Meeting mit 200.000 Menschen

15:55 

Skepsis gegen schweizer Riesenpaar Glencore-Xtrata

15:18 

Fußball: Spalletti verlängert Vertrag bei Zenit SPb.

14:01 

Super-Flugzeugträger: Kosmos- und Unterwasser-Einsatz

11:40 

Präsidentenwahl: für Putin 28, für Sjuganow 22 Prozent

10:26 

Neue Atom-U-Boote und Atomraketen für Russland in 2012

09:02 

Noch ein Moskauer Jugendlicher springt in den Tod

01:01 

Russland Geschichte: Dostojewski gestorben

Mittwoch, 8. Februar
18:47 

Russische Forscher erreichen Antarktis-See unter Eis

18:25 

Nächste Pro-und Anti-Putin-Demos nicht mehr weit

17:53 

Deutsche Wirtschaft begrüßt Abkommen mit Kasachstan

15:21 

Petersburger Schwulen-Gesetz in 2. Lesung angenommen

13:42 

Es wird knackig kalt: Minus 35 Grad im Gebiet Moskau

12:56 

Neuer VIP-Unfall: Gouverneurswagen crasht in Fiat

11:40 

Syrien-Streit: Russland dementiert Drohungen an Katar

10:40 

Dmitri Medwedew will sich mit Protestbewegung treffen

09:00 

Moskauer Kinobesucher in Stalingrads Schützengräben

01:01 

Russland Geschichte: Zar Peter, Fürst Kropotkin gestorben

Dienstag, 7. Februar
18:27 

Putin: Rückkehr zur Winterzeit in Ruhe entscheiden

17:23 

Lawrow unterstützt Assad bei Treffen in Syrien

16:38 

Tumult in der Staatsduma – Schirinowski flippt aus

Unseren kompletten
aktuellen News-Uberblick
finden Sie bei
russland-news.RU

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com