Viktor Janukowitsch führt nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen deutlich (Foto: TV)
Montag, 18.01.2010
Ukraine: Janukowitsch vorn, aber noch nicht durch
Kiew. Die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine gehen in die zweite Runde. Der russlandnahe Oppositionskandidat Viktor Janukowitsch liegt vorn, doch zum Sieg reicht es nicht. Damit beginnt das große Taktieren.
Die exit-polls deuteteten auf ein spannendes Rennen hin. Direkt nach Verlassen des Wahllokales hatten sich 31,3 Prozent der befragten Ukrainer dazu bekannt, Viktor Janukowitsch gewählt zu haben, 27,1 Prozent erklärten, sie hätten für Julia Timoschenko gestimmt.
Janukowitsch führt deutlich
Nachdem gut 60 Prozent der Stimmzettel ausgezählt sind, hat Janukowitsch jedoch einen deutlichen Vorsprung: Er kommt auf knapp 36,4 Prozent und führt damit fast zwölf Prozentpunkte vor der zweitplatzierten Timoschenko, die gut 24,4 Prozent der Wähler hinter sich vereint.
Drittbester Kandidat ist, wie auch in den Umfragen vor der Wahl, Sergej Tigipko. Der Bankier erzielt mit rund 13,2 Prozent der Stimmen ein beachtliches Ergebnis.
Orange Koalition ist zerstreut
Ex-Parlamentschef Arseni Jazenjuk (6,8 Prozent) und Präsident Viktor Juschtschenko(knapp fünf Prozent), die beide wie Timoschenko eindeutig zum „orangen“ Lager zählen, bleiben unterhalb der Zehn-Prozent-Marke. Timoschenko hofft daher, trotz der persönlichen Animositäten der Kandidaten untereinander, die eine Wahlempfehlung Juschtschenkos oder Jazenjuks zugunsten der Ministerpräsidentin unwahrscheinlich machen, auf die Mehrheit dieser Stimmen in der zweiten Runde.
Janukowitsch kann dagegen hoffen, dass die Stimmen des Kommunistenführers Pjotr Simonenko (3,6 Prozent) in der Stichwahl ihm zufallen. Milliardär Renat Achmetow, einer der bekanntesten Unterstützer Janukowitschs gab sich vor den Fernsehkameras optimistisch, dass Janukowitsch dann gewinnen werde.
Nein zur NATO, gute Beziehungen zu Moskau
Auch Janukowitsch selbst zeigte sich bereits in der Wahlnacht in Siegerpose. Unter ihm als neuen Präsidenten werde die Ukraine niemals der NATO beitreten. Das Verhältnis zu Russland werde er wieder auf eine freundschaftliche Basis stellen, versprach er.
Doch noch hat Janukowitsch den Sieg nicht in der Tasche, auch wenn ihm Soziologen in der Stichwahl, festgesetzt auf den 7. Februar, die besseren Chancen zusprechen.
Umschmeicheln von Tigipko
Bis dahin wird es noch ein heftiges Taktieren um die Stimmen der Wahlverlierer geben. Vor allem Kandidat Tigipko dürfte heiß umworben sein. Rein rechnerisch kann Timoschenko mit seinem Beistand den Rückstand zu Janukowitsch aufholen.
Zwar bekräftigte der Milliardär unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Hochrechnungen sein vor der Wahl gegebenes „NEIN!“ zu Koalitionsgesprächen. Allerdings klang die Absage bereits nicht mehr so klar.
Er habe immer noch kein festes Programm der beiden gesehen, wie die Krise zu überwinden sei. Daher könne er keine Wahlempfehlung aussprechen, sagte er. Damit ließ er sich eine Hintertür offen. Das „gute“ Wahlprogramm des künftigen Präsidenten der Ukraine könnte nämlich beinhalten, Tigipko zum Premier zu küren und ihm die wirtschaftliche Sanierung des Landes zu übertragen.
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... und in der Ferne glänzen die goldenen Kreml-Kuppeln vor dem Winterpanorama der Stadt Moskau. Das historische Moskau, das "Goldköpfige" genannt, hatte 40x40 goldene Kirchenkuppeln. ( Topfoto: mig/.rufo)