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Aeroflot verschiebt den Kauf der Airbus-Maschinen (Foto: Archiv)
Aeroflot verschiebt den Kauf der Airbus-Maschinen (Foto: Archiv)
Donnerstag, 22.09.2005

Aeroflot verzögert Bestellung neuer Airbus-Jets

St. Petersburg. Wegen eines Einspruchs von Verkehrsminister Igor Lewitin könnte Aeroflot nicht ganz so schnell zu neuen Airbus A321 kommen wie geplant. Lewitin fürchtet, dass sich die Airline finanziell überhebt.

Die Airline, die zu 51 Prozent in Staatsbesitz ist, hat mit dem europäischen Airbus-Konsortium das Leasing von sieben A321-200 zu einem Gesamtpreis von 354,9 Mio. USD ausgehandelt. Geliefert werden sollten die werksneuen Mittelstreckenmaschinen in den Jahren 2006 und 2007, so eine Vorvereinbarung mit den Flugzeugbauern.

Doch nun ist die Unterzeichung des Kaufvertrages ungewiss: Verkehrsminister Igor Lewitin verweigerte dem Aufsichtsrat der Airline die erwartete Zustimmung zu dem in der Regierung eigentlich schon abgesegneten Geschäft. Das Gremium verständigte sich darauf, die Frage später nochmals zu behandeln, wollte aber nicht prinzipiell auf den Flugzeugkauf verzichten.

Lässt Aeroflot ein Sonderangebot sausen?

Wie der „Kommersant“ berichtet, könnte eine Verzögerung des Airbus-Kaufs die Airline teuer zu stehen kommen: Die A321 sei gegenwärtig stark gefragt, weshalb nicht sicher sei, dass Airbus zu einem späteren Zeitpunkt den ausgehandelten Vorzugspreis von etwa 50 Mio. USD pro Maschine noch halten werde. Der übliche Listenpreis für die Jets betrage 76 bis 80 Mio. USD.

Trotz der günstigen Bedingungen für die dringend nötige Flottenauffrischung hegt der Minister Zweifel, ob Russlands größte Airline in der Lage ist, die finanziellen Verpflichtungen daraus zu tragen. Aeroflot hat einen 150-Millionen-Dollar-Kredit für den Bau des dritten Terminals in Scheremetjewo aufgenommen und soll nach einer schon 1999 geschlossenen Vereinbarung nun auch endlich für 345 Millionen Dollar sechs russische Il-96-Maschinen anschaffen. Deshalb gelte es, so das Verkehrsministerium, zuvor die konkreten Wege der Kreditbeschaffung und die finanziellen Möglichkeiten von Aeroflot einer genaueren Analyse zu unterziehen.

Trotz Flugverbots: Zusage zum Il-96-Ankauf – unter Vorbehalt

Die von Aeroflot zwar seit Jahren zugesagte, aber wegen der zweifelhaften Wirtschaftlichkeit der Maschinen immer herausgezögerte Übernahme der sechs Il-96 wurde dieser Tage zwar von der Aktionärsversammlung genehmigt, doch beschloss man, zusätzliche technische Garantien in den Vertrag einzubauen – was seine reale Umsetzung weiter hinausschieben dürfte.

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Das Problem ist akut, da die bisher bei russischen Fluggesellschaften in Einsatz stehenden 13 Maschinen dieses Typs seit einem Monat Flugverbot haben: Auslöser dafür war ein durch Pfusch bei einem Zulieferwerk verursachter Bremsdefekt – just bei der Präsidentenmaschine von Wladimir Putin.

Die lange Mängelliste der Il-96

Inzwischen wurde die Liste der zu beseitigenden Mängel von den Il-96-Betreibern – darunter Aeroflot mit gegenwärtig sechs und die für den Kreml-VIP-Transport zuständige „Rossija“ mit zwei Il-96 - auf 28 Punkte vergrößert, berichtet die Zeitung „Wedomosti“. Als eklatanter Mangel gilt die Gefahr, dass im Flug die Schubautomatik unbemerkt ausfallen kann. Das sei auch einmal an einer Präsidentenmaschine geschehen - allerdings ohne Putin an Bord. Weitere Vorbehalte betreffen die Akkumulatoren, Vibrationen im Bugfahrwerk und auch die Knöpfe und Schalter der diversen Systeme im Cockpit als solche.

Prinzipiell, so versichern die Betreiber von Aeroflot bis zum Kreml unisono, wollen sie jedoch keineswegs auf die gegroundete großräumige Langstreckenmaschine verzichten. Nur sollten bitteschön die Macken und Kinderkrankheiten des größten russischen Flugzeuges alsbald auskuriert sein. Allerdings macht Aeroflot kein Geheimnis daraus, dass die Langstreckenflotte der Gesellschaft in Zukunft nicht nur aus den fragwürdigen Il-96, sondern auch aus ökonomischer zu betreibenden Boeing 767 bestehen soll.

(ld/rufo)


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