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Der Rubel verliert heftig an Wert: Diese Münze ist nur noch weniger als 20 Cent wert (Foto: vesti.ru)
Der Rubel verliert heftig an Wert: Diese Münze ist nur noch weniger als 20 Cent wert (Foto: vesti.ru)
Dienstag, 14.10.2014

Der Rubel rollt – immer schneller abwärts

Moskau. Wirtschaftssanktionen, die Ukraine-Krise, fallende Ölpreise und eine stagnierende Wirtschaft – Russlands ökonomische Wetterlage zieht den Rubelkurs massiv nach unten. Euro und Dollar sind so teuer wie noch nie.

An der Moskauer Devisenbörse purzeln dieser Tage die Rekorde: Am Montag überstieg der Euro seinen bisherigen historischen Höchststand von 51,20 Rubel, der im März – auf dem Höhepunkt der Krim-Krise – aufgestellt worden war. Am Dienstag wurde die EU-Devise nochmals teurer - die Zentralbank legte den amtlichen Kurs für den nächsten Tag auf 51,51 Rubel fest.

Der Dollarkurs klettert an russischen Wechselstuben schon seit längerer Zeit von einem Höchstwert zum nächsten –und durchbrach Anfang Oktober die Schallmauer von 40 Rubel: Aktuell ist der Greenback in Russland 40,53 Rubel wert – 18 Prozent mehr als vor drei Monaten. Der Euro stieg in der gleichen Zeit um 10,5 Prozent.

Wann der Kursrutsch zum Ende kommen wird, ist bislang völlig offen. Sicher scheint nur, dass die russische Zentralbank nichts Entscheidendes mehr unternimmt, um den Kurs aufzufangen. Die Währungshüter haben schon vor einiger Zeit angekündigt, zum Jahreswechsel die russische Devise dem freien Spiel der Kräfte zu überlassen.

Die Zentralbank zieht sich vom Devisenmarkt zurück


Der bisher geltende zulässige Schwankungskorridor zu einem Korb aus Dollar und Euro soll dann abgeschafft werden. Allerdings war die Zentralbank in letzter Zeit manchmal täglich gezwungen, die Grenzen des Korridors nach oben anzuheben. Gleichzeitig verkaufte die Zentralbank allein seit Anfang Oktober 6 Milliarden Dollar, um den Rubelkurs zu stützen, erklärte Zentralbank-Chefin Elvira Nabiullina am Montag.

Derartige Kursinterventionen sollen ab nächstem Jahr nur noch in Ausnahmefällen „zum Erhalt der finanziellen Stabilität“ erfolgen, einen Automatismus bei der Annährung an die Korridorgrenzen wird es dann nicht mehr geben.

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• Wirtschaftsminister stellt Russen auf längere Flaute ein (19.09.2013)
• Russland rätselt: Rezession oder Stagnation? (12.08.2013)
• Regierung dementiert bevorstehende Abwertung des Rubels (21.06.2013)
Diesen Kurs unterstützt auch die Regierung: Finanzminister Anton Siluanow erklärte Ende letzter Woche, diese Politik sei angesichts der fallenden Ölpreise und des spürbaren Kapitalabflusses aus Russland richtig. „Unter den gegenwärtigen Bedingungen muss man mehr Kursflexibilität zulassen, damit die Zentralbank ihre Gold- und Devisenreserven nicht verbraucht“, erklärte er in einem Fernsehinterview und erinnerte an die Finanzkrise 2008-2009, als Russlands Staatsbank einen großen Teil ihrer Reserven für Kursinterventionen verbrauchte – aber letztlich dennoch abwarten musste, bis der Markt ein neues Gleichgewicht für den Rubel gefunden hatte.

Siluanow verbreitet allerdings auch die Hoffnung, dass der neue stabile Boden für den Rubelkurs bereits „abgetastet“ sei. Viele russische Exporteure würden gegenwärtig ihre Deviseneinnahmen zurückhalten, was den Rubelkurs weiter unter Druck setze. Wenn sie mit ihren Öldollars (darum handelt es sich in erster Linie) jedoch auf den Markt zurückkehren, dürfte der Rubel sogar wieder etwas kräftiger werden und sich stabilisieren, so der Minister.

Radikale Forderung: Rubelkurs einfrieren


Doch vorerst verbreitet der Rubelkurs in Russland mulmige Stimmung: Während die staatlich gelenkten Fernsehanstalten weiterhin hauptsächlich Nachrichten nach dem Muster „In Russland ist alles gut, aber in der Ukraine geht es drunter und drüber“ verbreiten, sind die leuchtenden Kurstafeln an den Bankfilialen zusammen mit den stetig wachsenden Preisen für Lebensmittel ein für jedermann gut sichtbarer Indikator, dass so manches faul ist im Lande.

Putins Berater Sergej Glasjew, einer der maßgeblichen „Falken“ in der Ukraine-Strategie Moskaus, forderte bereits eine Fixierung des Rubel-Kurses auf einem „vernünftigen Niveau“. Zentralbank-Chefin Nabiullina bezeichnete diesen Vorschlag dezent als „kontraproduktiv“.

Der frühere Finanzminister Alexej Kudrin, der trotz seiner offen vertretenen demokratisch-liberalen Ansichten als ein enger persönlicher Vertrauter Putins gilt, erklärte, die Konsequenz aus einem solchen Schritt sei nichts weniger als das Erscheinen eines Devisen-Schwarzmarkts – also eines Phänomens, das Russland seit dem Ende der Sowjetzeit nicht mehr kennt.

Russland steckt in der Stagnation


Ein Revival der verhassten „Spekulanten“ ist aber wohl das allerletzte, was die russische Führung ihrem Volk jetzt noch zusätzlich zumuten möchte. Der frei gebildete Rubel-Kurs wird also wohl auch weiter als Indikator für die kritische Lage der russischen Wirtschaft fungieren.

Und die erwartet momentan bestenfalls eine Stagnationsphase: Prognosen der Weltbank gehen für 2014 von einem russischen Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent aus, im nächsten Jahr erwartet man 0,3 Prozent. Das sind ganz andere Werte, als sie die Russen noch aus den ersten beiden Amtszeiten Putins als Präsident kennen: Damals boomte Russland über Jahre mit einem Durchschnittsplus von 7 Prozent.

Als Unsicherheitsfaktor bei jeder aktuellen Prognose bleibt die Frage, wie sich die westlichen Wirtschaftssanktionen wegen der Krim-Einverleibung und des Ostukraine-Konflikts weiter entwickeln werden. Momentan erschweren sie zahlreichen russischen Banken die Kapitalbeschaffung auf dem Weltmarkt und schränken Russlands Zugang zu Rohstoffförderungs-Technologien ein.

Und es ist nicht abzusehen, ob die Sanktionen in diesem und im nächsten Jahr nun bleiben, abgeschwächt oder noch verstärkt werden.



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