Geldwäscheverdacht: Kein US-Visum für Vizeminister
Binnenwasserwege für ausländische Yachten jetzt frei
Russland-Aktuell zur Startseite machen


Kein Kuckuck an diesem Vogel: Die neue Tupolew 204-300 erregte Sedelmayers Interesse als potentielles Faustpfand gegen den Kreml (foto: ld/rufo)
Kein Kuckuck an diesem Vogel: Die neue Tupolew 204-300 erregte Sedelmayers Interesse als potentielles Faustpfand gegen den Kreml (foto: ld/rufo)
Freitag, 19.05.2006

Russischer Raumfahrt-Stand auf der ILA gepfändet

St. Petersburg/Berlin. Der bayerische Unternehmer Franz Sedelmayer hat Russlands Auftritt auf der ILA verdorben: Trotz Hausverbots gelang ihm die gerichtliche Pfändung des Messestandes der Raumfahrtagentur Roskosmos.

Sedelmayer verfolgt den russischen Staat seit Jahren mit Millionenforderungen, über die er in Deutschland und Schweden rechtsgültige Vollstreckungstitel besitzt. Der bayerische Unternehmer versucht auf diese Weise hartnäckig, Investitionen zurückzuholen, die er Anfang der 90er Jahre beim Platzen eines Joint-Ventures mit der Petersburger Polizeibehörde verlor. Nach seinen Aussagen hat er Ansprüche über etwa 4 Millionen Euro offen.

Nachdem Sedelmayer im Frühjahr in Köln einen Russland gehörenden Gebäudekomplex mit Beschlag belegen konnte, richtete er jetzt sein Augenmerk auf die Internationale Luftfahrtausstellung ILA in Berlin-Schönefeld.

Kein Kuckuck an russischen Flugzeugen


Offenbar wollte Sedelmayer zunächst ein Flugzeug pfänden lassen – und zwar jene Tupolew 204-300, mit der eine offizielle russische Delegation zur ILA eingeflogen war. Jedenfalls schlugen, so schreibt die Zeitung „Kommersant“ heute, Tupolew-Mitarbeiter am Mittwoch Alarm, als sie bemerkten, dass Messebesucher sich Fahrwerksnummern und Kennzeichen der ausgestellten russischen Flugzeuge notierten.

Bei Russland-Aktuell
• Kaliningrader Eigentum wird in Litauen gepfändet (10.03.2006)
• Russische Noga-Schulden in die USA weiterverkauft (09.03.2006)
• Russland will Berufungsprozess gegen Sedelmayer (07.03.2006)
• Deutscher Unternehmer beschlagnahmt Kreml-Gebäude (07.03.2006)
Die sonstigen russischen Flugzeuge (zwei Il-76-Transporter, ein Be-200-Amphibium und ein MiG-29-Jäger) in Berlin sind entweder in Privatbesitz oder durch ein seit 1937 gültiges Gesetz geschützt, dass die Beschlagnahme ausländischen Fluggeräts verbietet, wenn es militärischen, medizinischen oder Feuerwehrzwecken dient.

Doch auch die 30 Millionen Dollar teure Tupolew erwies sich nicht als geeignetes Faustpfand: Die Maschine gehört der Leasinggesellschaft „Ilyushin Finance Co.“ und wurde an die Fluggesellschaft Vladivostok Avia verleast.

Angeblich bedrohte Tupolew wieder in Moskau


Am Freitag verließ das Passagierflugzeug auch ungeschoren Berlin und kehrte nach Moskau zurück – allerdings hielt sich hartnäckig das Gerücht, dass die russische Delegation ihre Abreise um einige Stunden vorverlegt habe, um eventuelle Unannehmlichkeiten auszuschließen.

Die ILA-Organisatoren versicherten heute nochmals, dass den ausgestellten russischen Flugzeugen keine Gefahr durch zivilrechtliche Forderungen drohe, berichtet Ria-Novosti.

Polizei hielt Sedelmayer von der ILA fern


Unannehmlichkeiten hatte allerdings auch Sedelmayer selbst: Polizeibeamte verboten ihm am Mittwoch, sich dem ILA-Gelände auch nur zu nähern. In seinem Umfeld wundert man sich jetzt, wie es sein kann, dass sich die brandenburgische Polizei - als ginge es um die Abwehr von Terroristen - in zivilrechtlichen Angelegenheiten zum Handlanger der Messegesellschaft und einzelner Aussteller machen ließ.

Pfändungen auf Messen – nicht gut fürs Geschäft und den Ruf


Offenbar waren die Veranstalter ebenso wie die russischen Aussteller gewarnt und versuchten, einen internationalen Skandal um eine Beschlagnahme von Exponaten zu verhindern. Auf der letzten ILA 2004 waren gar keine russischen Flugzeuge ausgestellt worden, da man derartige „Attacken“ vor allem seitens der Schweizer Firma Noga befürchtete. 2001 hatte Noga versucht, auf der Luftfahrtmesse in Le Bourget russische Düsenjäger pfänden zu lassen – sie entwischten dem französischen Gerichtsvollzieher faktisch in letzter Minute.

Vor einem Jahr hatte sich Sedelmayer auch auf der Hannover Messe bemüht, russische Exponate beschlagnahmen zu lassen. Nach seiner Darstellung war er jedoch von den deutschen Behörden solange von Pontius zu Pilatus geschickt worden, bis die Messe vorüber war.

Satelliten- und Raketenmodelle vom Gerichtsvollzieher beschlagnahmt


Doch in Berlin verzeichnete er jetzt wieder einen Sieg nach Punkten: Die Aufregung um die Tupolew war möglicherweise nur ein Ablenkungsmanöver – denn in der Zwischenzeit belegten Gerichtsvollzieher in Sedelmayers Auftrag den Messestand der staatlichen russischen Raumfahrtagentur Roskosmos mit Beschlag.

Zu Beginn der ILA hatte der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos dem Stand noch einen Besuch abgestattet. Die Exposition von Roskosmos umfasst neben dem Modell der Startanlage für die Trägerrakete Sojus/ST auch Modelle des Navigationssatelliten Glonass-K, der Kommunikationssatelliten Express-AT und Express-AK sowie Modelle der Trägerraketen Sojus-2 und Sojus-3, ein Modell der Internationalen Weltraumstation ISS, das Modell eines Satelliten zur Fernerkundung der Erde, eine verkleinerte Kopie des Satelliten Resurs-DK1 und das Raketentriebwerk RD-180 im Maßstab 1:4. Laut „Kommersant“ beträgt der Wert dieser Exponate etwa eine Million Euro.

Franz Sedelmayer bestätigte am Freitag gegenüber russland-aktuell die erfolgte Beschlagnahme: „Ein Spediteur kommt heute Abend, um die gepfändeten Gegenstände von der ILA abzuholen und ins Gewahrsam zu nehmen.“ Er könne jedoch noch nicht sagen, was genau gepfändet wurde und ob sich „auch Flugzeuge unter diesen Gegenständen“ befinden.

Die ILA auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld läuft noch bis Sonntag.

(-ld/.rufo)


Artikel versenden Druckversion

Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.

Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare


Überblick aller Leserkommentare zu allen Artikeln >>>



E-Mail (Zur Registrierung. Wird nicht veröffentlich)

Kennwort

Schnelle Neuanmeldung zum Schutz vor Spam
Klicken Sie hier, wenn Sie sich bisher noch nicht für Kommentare registriert haben.




nach oben
Alle Berichte aus dieser Rubrik
Alle Artikel vom Freitag, 19.05.2006
Zurück zur Hauptseite








Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)


Mail an die Redaktion schreiben >>>






Die populärsten Artikel der letzten drei Tage


Mail an die Redaktion schreiben >>>



Der Russland-Aktuell
und RIA Nowosti
Wirtschaft-Monitor

28.05.2012Norwegisches Unternehmen Kvaerner will Vertretung in Russland eröffnen
28.05.2012Fridman verlässt Chefposten bei Ölkonzern TNK-BP
27.05.2012Hague reist nach Moskau: Syrien und Iran sowie bilaterale Beziehungen im Mittelpunkt
26.05.2012Experte: Daimler wird Anteil an Kamaz bis Jahresende kaum aufstocken
25.05.2012Gazprom will Gaspipeline South Stream nicht nach Österreich bauen (Zusammenfassung)

Als Chef vom Dienst ist für Sie
im Moment im aktuellen Einsatz
André Ballin, Moskau

Schnell gefunden
Russland Veranstaltungen und Kultur-Events in D+A+CH

Die Top-Themen
St.Petersburg
Nach dem Schwulengesetz: „Wir wollen uns mehr zeigen!“
Kopf der Woche
Deripaska setzt auf Ex-Stasi-Agent und Putin-Spezi
Kommentar
G-8 u ASEAN: russische-amerikanische Beziehungsprobleme
Moskau
Protest-Lager: Barrikadnaja statt Saubere Teiche
Thema der Woche
Ämtertausch vollendet: Medwedew ist Premierminister
Kaliningrad
AirBerlin nimmt Kaliningrad wieder in Flugplan auf

Alle Berichte bei Russland-Aktuell ab 2000 finden Sie in unserem Archiv
Weitere Nutzung im Internet oder Veröffentlichung auch auszugsweise nur mit
ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion (Chefredakteur: Gisbert Mrozek) und mit Quellenangabe www.aktuell.ru
E-mail genügt
www.Russland-Aktuell.ru (www.aktuell.ru) ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.


Basis-Information aus Russland, der Provinz und der GUS auf deutschen Internetseiten:
www.kasachstan.ru, www.russlanddeutsche.ru, www.georgien.ru, www.abchasien.ru, www.ossetien.ru, www.waldikawkas.ru, www.grosny.ru, www.sibirien.ru, www.wolga.ru, www.baikalsee.ru, www.kaukasus.ru, www.sotschi.ru, www.baltikum.ru, www.nowgorod.ru, www.nischni-nowgorod.ru, www.nowosibirsk.ru, www.rubel.ru, www.kultur.ru, www.puschkin.ru, www.wladiwostok.ru, www.sotschi.ru ... und noch einige andere mehr!
Russia-Now - the English short version of Russland-Aktuell








google.com
yahoo.com