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| Nicht nur in Moskau hält das Angebot an Lagerfläche nicht mit der rasanten Entwicklung der Güterströme mit (Foto: Deeg/.rufo) | |
Dienstag, 21.03.2006
Russlands Finanzmagnaten entdecken Logistikbranche
Moskau. Ein erst unlängst gegründetes Unternehmen will den Markt für hochwertige Lagerflächen in Russland neu ordnen. Die „Multinational Logistics Partnership (MLP)“ hat den Bau mehrerer großer Terminals angekündigt.
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Dabei geht es um Investitionen von mehreren hundert Millionen Euro. Die russische Presse rätselt derweil noch über die tatsächlichen Eigentümer des Unternehmens.
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1,2 Millionen Quadratmeter Lagerfläche
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„MLP plant den Bau eines Netzes von Logistik-Parks in Russland und der Ukraine“, so die Firmensprecherin Anna Jakubowa auf Anfrage. „Konkret handelt es sich derzeit um zwei Gelände bei Moskau an der Leningrader und der Simferopoler Chaussee, außerdem um St. Petersburg, Kiew, Jekaterinburg, Nowosibirsk und Rostow am Don.“ Die Projekte befänden sich in verschiedenen Entwicklungsstadien, heißt es bei MLP. Fünf Grundstücke an verschiedenen Standorten wurden bereits aufgekauft. Insgesamt geht es um Lagerflächen im Umfang von 1,2 Millionen Quadratmetern.
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Die Bauarbeiten am ersten Großkomplex „Leningradski Terminal“ begannen bereits im vergangenen Jahr in einer Siedlung mit dem kuriosen Namen Tschornaja Grjas (zu deutsch „Schwarzer Dreck“). 13 Kilometer nordwestlich der Moskauer Ringautobahn entstehen an der Trasse Moskau – St. Petersburg auf einem 42 Hektar großen Grundstück derzeit
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Das Angebot richtet sich in erster Linie an international tätige Unternehmen, ein Teil des noch unfertigen Gebäudekomplexes soll bereits vermietet sein. Die Namen der Mieter werden allerdings noch vertraulich behandelt. Voraussichtlich werden durch die Eröffnung des Terminals 2.000 neue Arbeitsplätze geschaffen.
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In Podolsk südlich von Moskau sowie am Stadtrand von St. Petersburg sollen die Arbeiten im Frühjahr beginnen. Die Baukosten werden allein mit 120 Millionen USD für den „Leningradski Terminal“ und 135 Millionen USD für den Lager-Komplex im Leningrader Gebiet veranschlagt, der auf einer Fläche von 40 Hektar errichtet werden soll. Teilweise werden die Terminals mit einem 150-Millionen-Dollar-Kredit der „Hypo Real Estate International“ finanziert.
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Keine Auskunft über Aktionäre Unbekannt ist bislang dagegen, wem das erst 2004 gegründete Unternehmen eigentlich gehört, das offiziell von dem russischstämmigen Franzosen und ehemaligen Osteuropa-Direktor bei „Jones Lang LaSalle“, Michel Pascalis, sowie dem früheren Partner bei „Renaissance Capital“, Bruce Gardner, geleitet wird. „Wir geben keine Auskunft über unsere Aktionäre, denn das gehört nicht zu unseren Aufgaben“, heißt es in der Moskauer MLP-Zentrale lapidar.
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Die Moskauer Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ berichtete freilich Anfang Februar, an dem Unternehmen seien die russischen Milliardäre Viktor Wechselberg und Alexander Mamut, sowie der ukrainische Geschäftsmann und Miteigentümer der „Privatbank“ Igor Kolomoiski beteiligt. Dabei sei Mamut, der während der Amtszeit von Boris Jelzin zu dem Schattenkabinett zählte, das anstelle des kranken Kreml-Chefs die wahre Macht in Russland besaß, als erster der Magnaten in das Logistik-Geschäft eingestiegen.
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Landesweites Defizit an A-Klasse-Lagern
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Die beiden anderen Partner hätten ihre Anteile erst im vergangenen Jahr erworben, so das Blatt unter Berufung auf eine namentlich nicht genannte Quelle. In jedem Fall scheint nicht zuletzt auch wegen der großen Investitionssummen klar zu sein, dass sich die großen Finanzstrukturen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion nicht mehr allein auf die Rohstoffbranche zu beschränken und entdecken Logistik-Dienstleistungen als lukratives Geschäftsfeld.
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Schätzungen zufolge fehlen allein im Moskauer Umland derzeit noch qualitativ hochwertige Lagerkapazitäten im Umfang von 2 Millionen Quadratmetern. Ein ähnliches Defizit herrscht auch in der zweitgrößten russischen Stadt St. Petersburg. Weniger als die Hälfte der vorhandenen Flächen entspricht internationalen Standards, oftmals wurden die Hallen stillgelegter Fabriken und Betriebe zu Lagern umfunktioniert, in vielen Fällen sind die Eigentumsverhältnisse der Immobilien bis heute ungeklärt.
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Der bislang unterentwickelte Markt für Lager der so genannten A-Klasse (verkehrsgünstige Lage an einer Haupt-Transportader, Ausstattung mit Sicherheits- und Ventilationsanlagen und Steuerungssystem) kommt allerdings zurzeit auf breiter Front in Bewegung. Schließlich können Developer nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Profil“ im Logistik- und Lagerbereich mit Gewinnspannen von 20% rechnen – und damit deutlich besser verdienen als bei Büro- (13%) oder Einzelhandels-Immobilien (14%).
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Logistik-Zentrum statt Geflügelfarm
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Zwar gibt es in Moskau selbst wegen der horrenden Grundstückspreise kaum größere Projekte. Im Moskauer Umland soll jedoch im laufenden Jahr eine ganze Reihe von Großeinrichtungen eingeweiht werden. Die Tendenz geht dabei dahin, dass die bereitgestellten Flächen immer größer werden. Neben dem „Leningradski Terminal“ von MLP sind das in erster Linie das Logistikterminal „Krekschino“ der „National Logistic Company“ 24 Kilometer südwestlich von Moskau mit 120.000 Quadratmetern Fläche.
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Noch größer soll mit 600.000 qm der Lagerkomplex „Tomilino“ werden, der südöstlich der russischen Hauptstadt auf dem Gelände einer ehemaligen Geflügelfarm entsteht. Die Übergabe des ersten Bauabschnitts, der über einen eigenen Eisenbahnanschluss verfügen wird, ist ebenfalls für 2006 geplant. Komplett sollen die Bauarbeiten in Tomilino im Jahr 2008 abgeschlossen sein. Potentielle Kunden der neuen Lager-Komplexe erwarten bereits Preiskriege zwischen den Anbietern.
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Allerdings scheinen in allen Fällen die von den Eigentümern genannten Fristen allenfalls Annäherungswerte zu sein. Wann sich die angespannte Lage auf dem Markt für Lagerkapazitäten also spürbar entspannt, ist vorerst noch nicht wirklich klar. So sollte ein in der Moskauer Fachpresse viel beachteter Logistikpark in Puschkino nordöstlich der Hauptstadt teilweise bereits im vergangenen Sommer in Betrieb genommen werden. Bislang ist ein Ende der Bauarbeiten dort jedoch noch nicht abzusehen.
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(Karsten Packeiser/ kp/.rufo)
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