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Mittwoch, 03.07.2002

Bashkirian Airlines - bisher immer zuverlässig

Von Ines Lasch, Moskau. Die Bashkirian Airlines (BAL) ist besser als der Ruf der zahlreichen regionalen russischen Airlines, die aus der Konkursmasse der alten Aeroflot entstanden sind. Gegründet wurde sie als Agrarflugstaffel und Frachtfluggesellschaft allerdings schon 1933. Seit Mitte der 90er machten sie sich einen guten Namen im internationalen Chartergeschäft.

Die BAL ist seit 1993 als die offizielle Fluggesellschaft der autonomen Republik Bashkortostan (Baschkirien) am südwestlichen Rand des Urals anerkannt. Bis 1991 fungierte sie als sogenannte "Babyflotte" unter dem Dach des Aeroflot-Verbunds der Sowjetunion. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR trat die Gesellschaft 1991 aus diesem Verbund aus und nannte sich in "Bashkirian Airlines" um. Sie übernahm die Flugzeuge und Flugstrecken von der Aeroflot.

In der Folgezeit brachen aber die langjährigen Linien auf Grund der wirtschaftlichen Misere im Land nahezu völlig weg. Heute hat die BAL sich ihre traditionellen Flugstrecken innerhalb der GUS-Staaten größtenteils zurückerobert und sich mit internationalen Charterflügen in begehrte südliche Urlaubsziele ein einträgliches Geschäftsfeld erschlossen.

Mit Biene am Ruder an den Golf

Die Flieger mit der baschkirischen Biene auf dem Seitenruder bringen ihre Landsleute regelmäßíg in die Türkei, in die Vereinigten Arabischen Emirate, nach Griechenland, Pakistan, Iran, China und Deutschland.

Gute Ausbildungsstandards

Im firmeneigenen Ausbildungs- und Trainingszentrum bildet BAL ihr Flug- und Bodenpersonal nach westeuropäischen Qualitätsstandards aus; viele der Piloten verfügen über ehrjährige internationale Flugerfahrungen. Die Flugzeugführer auf den internationalen Routen erhalten eine spezielle Fremdsprachenausbildung. Außerdem bildet die BAL seit 1999 Hubschrauberpiloten aus Nigeria für den kleineren Mi-34 S aus, denn sie besitzt als einzige russische Fluggesellschaft die Lizenz dafür.

Mit Investitionen in die technische und Sicherheitsausrüstung des Flughafens Ufa sowie des Flugzeugparks will die BAL den internationalen Anschluss und ein stabiles wirtschaftliches Fundament für das Unternehmen schaffen.

Der Flugzeugpark wird heute in zwei modernen Hangars gewartet. Dazu gehören acht neueste Modelle des Passagierflugzeuges Tu-154, des Weiteren des Typs Tu-134 B, die An-24 als Passagier- und Frachtflieger sowie Frachtflugzeuge des Typs An-74.

Gründerjahre der BAL: aus Spenden finanziert

Erstmals erwähnt wird eine baschkirische Fluggesellschaft in russischen Zeitungen während des Bürgerkrieges in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit ist der Flughafen Ufa heiß umkämpft sowohl von den kommunistischen Rotgardisten als auch vom weißen General Koltschak. Die Roten obsiegen, aber die junge Sowjetmacht besitzt kein Geld für den Aufbau einer zivilen Luftfahrt.

Am 1. Juli 1923 gründet sich eigens die "Baschkirische Gesellschaft der Freunde der Luftflotte", die genau dieses Ziel verfolgt. Daraus wird im November 1923 eine kommerzielle Aktiengesellschaft, die sich fortan selber trägt. Flugzeuge und der Aufbau des Flughafens wurden aus Spenden der Zeitungsredaktionen des Oblast, von verschiedneen Organisationen und Privatpersonen finanziert. Die werktätigen Massen der Sowjetrepublik spendeten wie immer freiwillig einen Teil ihres Lohnes für die Entwicklung des Flugwesen.

Das Flugwesen, es entwickelt sich ...

Am 1. November starten in Moskau vom "Trotzkij-Flughafen" Anwesenheit von 100.000 Arbeitern 19 Flugzeuge in Richtung Ufa. Diese Flugzeuge sind ein Geschenk der "Gesellschaft der Freunde der Luftfahrt" in Moskau, eines davon ist aus freiwilligen Lohnabgaben der Werktätigen des Flugzeugwerkes gebaut. 1925 folgt ein Geschwader aus 18 Flugzeugen an die Luftwaffe vor Ort.

Die Sowjetmacht nutzt die erworbenen Prestigeobjekte hauptsächlich zu Rundflügen im Dienste der Agitation. Denn sie will ihren Landsleuten die Vorzüge und Entwicklungsmöglichkeiten der zivilen Luftfahrt vorführen.

In einem Archivdokument findet sich zum Beispiel die Notiz, dass im Oktober 1924 insgesamt 504 Zeitungen, 110 Briefe und Plakate transportiert wurden, ebenso 27 Pelze Staatseigentum für 97 Rubel 38 Kopeken und schließlich zwei zwei Monate alte Ferkel.

Die baschkirische Babyflotte

Bereits seit 1927 hat die Aeroflot ein regionales Direktorat in der baschkirischen Hauptstadt Ufa angesiedelt. Zu Sowjetzeiten entstehen im Verbund der "Aeroflot" in allen autonomen Republiken und Gebieten des Landes sogenannte "Babyflotten", die im Jahre 1991 mit der Auflösung der Sowjetunion ausgegliedert werden.

... im Einsatz gegen den imperialistischen Kartoffelkäfer

Ab den 1930er Jahren bedingt der Einsatz von Flugstaffeln in der Agrarwirtschaft den Aufschwung des Flughafens Ufa. Die Wintersaat wird aus der Luft ausgebracht, es fehlt den Bauern nämlich schlicht an Traktoren und Pferden. Außerdem starten die Flugzeuge 52 Mal zur Bekämpfung von Bränden in den endlosen Weiten der Wälder und des Tscheljabinsker Oblast.

Durch das rasante Entwicklungstempo der Industrie erreichen die baschkirischen Brummer mittlerweile achtzehn landwirtschaftliche Zentren und Industriegebiete landesweit. Dahinter stehen die Passagierflüge weit zurück; es gibt viel zu wenig Flugzeuge. Immerhin 12.000 Passagiere nutzen bis 1939 diese Fortbewegungsmöglichkeit. Aber die Flieger stehen hauptsächlich in den Diensten der Post und transportieren zivile Güter aller Art an Bord.

... und die Malaria

Einen wahren Segen für die Baschkiren bedeuten die Flugzeuge aus Ufa noch in anderer Hinsicht: in den 1920er Jahren wütete eine Malariaepidemie. Aus der Luft werden insgesamt 109.000 Hektar Gewässeroberfläche und Sümpfe gegen die Malariamücke besprüht. Ärzte gelangen unverzüglich in die Katastrofengebiete und Kranke werden von dort ins Spital nach Ufa gebracht.

Babyflotte übererfüllt den Plan auch im Großen Vaterländischen Krieg

Die sozialistische Planwirtschaft gilt auch in der Luftfahrt Im Studienjahr 1939/40 werden im firmeneigenen Aeroklub 20 Flugzeugmechaniker über den Plan und 225 Piloten ausgebildet, 16 mehr als der Plan vorsieht.

Acht Piloten werden nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zur Sondergruppe West an die Front kommandiert. Die Baschkiren fliegen während der Kriegsjahre von Ufa aus viele Sanitätseinsätze und beteiligen sich 1944 aktiv am Kampf gegen die septische Angina in der Region. Die besonderen Verdienste der Mitarbeiter des Flughafens von Ufa würdigt der Oberste Sowjet der Baschkirischen ASSR mit mehreren Urkunden.

1947: Die Baschkiren fliegen immer weiter, höher, besser ...

1947 beträgt die Gesamtlänge der Fluglinien bereits 2.545 Kilometer. Der wesentliche Aufschwung kommt im Frühjahr 1954 mit dem Einsatz der ersten An-2, 1956 folgt die Jak-12. Der erste Hubschrauber Mi-1 wird noch per Eisenbahn zum Flughafen verbracht, andere Modelle folgen kurz darauf. Die Entwicklung der zivilen Infrastruktur verlangt dringend nach der Schaffung einer reinen Cargoflotte. Die Maschine Li-2 erlaubt endlich auch die Landung in unzugänglichen verschneiten und überschwemmten Gebieten. Die Graspisten reichten nicht aus, es müssen befestigte Start- und Landepisten mit modernen Funk- und Lichtsignalanlagen her.

In den fünfziger Jahren entwickelt sich die Industrie expansiv und die Städte wachsen rasch. Das erfordert die Vernetzung des Flughafenbetriebs mit den Allunionslinien der Aeroflot und regelmäßige stabile Flugpläne, um die Verbindung Baschkiriens mit Moskau, den begehrten sowjetischen Ferienorten am Schwarzen Meer und anderen Städten mit entwickelter Kultur und Wirtschaft zu festigen.


1962: Beton statt Graspiste

Schon für den Einsatz der Maschinen des Typs Li-2 und Il-14 werden die Start- und Landebahnen ausgebaut und die Nachtflüge eingeführt. Das ist der Startschuss für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb nahezu über das ganze Jahr. Mit dem Einsatz von Düsenflugzeugen um 1960 droht der städtische Flughafen aus allen Nähten zu platzen; der Bau eines neuen Aerodroms außerhalb der Stadtgrenzen ist die logische Folge. Wenige Tage vor Weihnachten 1962 hebt eine An-10 zum Probeflug ab. Von nun an können auch die Tu-124, An-10 und Il-18 problemlos starten und landen.

Mit der Einführung der Passagiermaschine Tu-134 kann die baschkirische Abteilung der Aeroflot die Zahl der Flüge nach Moskau, Leningrad und in die südlichen Erholungsgebiete des Landes schließlich um ein Vielfaches steigern. Mehr als 100 Städte innerhalb der Sowjetunion werden jetzt regelmäßig angeflogen. Ab 1978 stellt die Tu-154 die Mehrheit im Flugzeugpark.

BAL ist heute eine der größten regionalen Airlines

Heute sorgen mehr als 2.000 Mitarbeiter der BAL für den reibungslosen Ablauf von 45 Linienflügen innerhalb Russlands und in den GUS-Ländern. In der Region werden drei Ziele angesteuert; und es gibt einen Linienflug nach Istanbul. Die Geschäftsfelder der BAL liegen neben den Passagierflügen im Frachttransport sowie in der Organisation von landwirtschaftlichen Arbeiten aus der Luft. Des Weiteren widmet sich die Fluggesellschaft dem An- und Verkauf von Flugtechnik und Inventar sowie der Verpachtung und Pacht von Luftschiffen.

Im Chefsessel: Nikolai Odegow

An der Spitze des Unternehmens steht Nikolai Odegow. Odegow kam 1978 ins Unternehmen, hat sich vom Flugtechniker über den Schichtleiter des Flughafens zum Leiter der Abteilung Außenwirtschaft im Jahre 1988 hochgearbeitet. Seit 1998 ist er der Kommerzielle Direktor des Flughafens Ufa, am 18. Oktober 2000 übernimmt er das Steuer des gesamten Unternehmens.

(rUFO/isla).

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