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Saß selbst vor Gericht im Glaskasten, wirft aber dennoch verbal mit Steinen: Michail Chodorkowski zeigt sich aus Erfahrung solidarisch mit Pussy Riot (Foto: newsru.com)
Saß selbst vor Gericht im Glaskasten, wirft aber dennoch verbal mit Steinen: Michail Chodorkowski zeigt sich aus Erfahrung solidarisch mit Pussy Riot (Foto: newsru.com)
Montag, 06.08.2012

Chodorkowski: Pussy Riot-Prozess Blamage für Russland

Moskau. Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski zeigt Größe im Fremdschämen: Selbst Betroffener in einem fragwürdigen Prozess, bedauert er per Brief aus der Haft den Umgang mit den Angeklagten im Pussy-Riot-Prozess.


„Ich schäme mich und mir tut das weh“, schreibt Michail Chodorkowski auf seiner Internetseite zu dem Prozess gegen die drei Mitglieder der Punkrockband Pussy Riot in Moskau. Er vergleicht die Verhandlungen und die Haftbedingungen mit „mittelalterlicher Inquisition“.

Michail Chodorkowski, dessen Prozess 2010 im selben Saal ablief wie die Verhandlungen gegen Pussy Riot, gibt Einblick in die Begleitumstände des weltweit Aufsehen erregenden Gerichtsspektakels. Die wegen Rowdytums in der orthodoxen Hauptkirche Russlands angeklagten jungen Frauen stehen bereits die zweite Woche vor Gericht.

Glaskäfig für Angeklagte ist ein Schwitzkasten


Laut Chodorkowski wurde der Glaskasten, in dem die Angeklagten sitzen, auf seine Initiative eingerichtet; vorher gab es einen Metallkäfig, der vom Straßburger Menschenrechtsgerichtshof aber als „menschenunwürdig“ eingestuft wurde. Der wegen Veruntreuung zu 16 Jahren Gefängnis verurteilte Ex-Großunternehmer ist allerdings der Meinung, das jetzige „Aquarium“ sei besonders im Sommer ebenso verwerflich.

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• Präsident Putin zu Pussy Riot: kein hartes Urteil (03.08.2012)
• Pussy Riot: Gericht wegen Bombendrohung geräumt (02.08.2012)
• Pussy Riot: Notarztwagen und weitere Zeugen (02.08.2012)
• Pussy Riot klagt über „Folter“ während des Prozesses (31.07.2012)
• Pussy-Riot: „Moralischer Fehler“, aber keine Schuld (30.07.2012)
Die drei Frauen hatten in der letzten Woche über zu wenig Essen und Schlaf und unmögliche Transportbedingungen geklagt und diese als Folter eingestuft. Chodorkowski gibt ihnen Recht.

Lausiges Essen und stundenlange Wartezeiten für Angeklagte


„Sechs Stunden Schikane“ konstatiert er allein vor dem alltäglichen Prozessbeginn – man werde „sehr früh geweckt und dann sehr lange in einem sehr engen Raum festgehalten“. Dann folgten zwei unangenehme Leibesvisitationen, danach die endlos lange Fahrt durch die Moskauer Staus.

Was das Essen betrifft, würden die Angeklagten in der U-Haft wegen des Tagesablaufs kein Frühstück und auch kein Abendbrot bekommen und müssten sich mit einem Lunchpaket begnügen, dessen Qualität sehr zu wünschen übrig lasse. „Wer Probleme mit den Nieren hat, für den ist so eine Ernährung so gut wie Mord“, so Chodorkowski. Er bescheinigt den Mädchen „einen Arbeitstag von 20 Stunden – wie halten die das nur durch?“

Laut Chodorkowski sprechen die zum Teil sehr langen Prozesstage (bis zu elf Stunden am Tag) für „eine Ansage von oben, die Verhandlungen vor dem Ende der Olympischen Spiele abzuschließen“.

Solange die Medien der Welt abgelenkt seien, „klingt unsere Schande nicht so laut“. Das Verfahren sei "die Schande eines großen Landes mit weltberühmten Humanisten und Gelehrten, das sich im Eiltempo in eine rückständige asiatische Provinz verwandelt“.



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jich 07.08.2012 - 20:58

Chodorkowski: Pussy Riot-Prozess Blamage für Russland

´Chodorkowski-Urteil laut europäischem Gericht nicht politisch motiviert´

http://www.epochtimes.de/chodorkowski-urteil-laut-europaeischem-gericht-nicht-politisch-motiviert-721463.html

In anderen Worten: Post-sowjetischer Dieb, Gauner, Mörder, Milliardär und ein sehr koscher ´Russe´ ist auf der Seite der ´Künstler´ Pissy Riots und so ziemlich jede Medienanstalt zitiert seine Kritik als hätte gerade der Papst gesprochen!

Ich wiederhole mich ungern, schließlich bin ich nicht Royaler oder Stoll, aber hier nochmal ein Rückblick auf die vergangene hochmoderne Kunst-Aktion der Pissy Riots und der Band, bei der sie angeblich wegen Talentmangels rausgeflogen sind:


http://dan-1974.livejournal.com/76046.html (+18)
Sehen Sie da! Die hoch talentierte Pissy Riots Künstlerin Nadeschda Tolokonnikowa protestiert 2008 in einem Museum gegen die Präsidentschaft von Medwedew in einem Museum... indem sie eine Orgie im 9. Monat Schwangerschaft feiert und sich dabei fotografieren lässt. Das nenne ich mal Kunst, die Leute wie Stoll, Cello oder Royaler bestimmt gerne auch in deutschen Museen sehen würden! Hauptsache gegen Diktatorin Merkel und so!!!


Jenna 07.08.2012 - 11:28

Die Größe und die Stärke eines Staates...

sind erkennbar am Umgang mit demokratischen Grundwerten. Mag es einen faden Beigeschmack haben, dass die Mädels in einer Kirche aufgetreten sind. Aber der Umgang mit ihnen, der Prozeß, der Glaskasten, das Gezetere der orth. Kirche, die Strafforderung und die Kriminalisierung einer regierungskritischen Meinung sind ein Paradebeispiel für die Schwäche dieses ansonsten doch großartigen Landes. Hat Russland das nötig? So einen Wirbel um eine Mädchenkapelle? Russland blamiert sich gerade bis auf die Knochen. Weltweit. Niemand wird je vergessen wie Russland gezittert hat, als ein paar Mädchen in einer Kirche kritische Lieder gesungen haben. Russland ist schwach.

Der Prozess ist das beste Beispiel.


Stoll 06.08.2012 - 23:25

35 namhafte russische Anwälte unterzeichneten bereits eine Resolution, in der sie den Prozess als Justizskandal bezeichneten, der die Rechtsgrundlagen des Staates zerstören könne.


Baumfreundin 06.08.2012 - 22:57

Für eine Diktatur .

sprechen die Damen aber mutig!?


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