Stand im Mittelpunkt der Affäre: Kampfhubschrauber Tiger von Eurocopter (Foto: Eurocopter)
Donnerstag, 21.06.2007
Österreich lässt Russen trotz Spionageverdachts frei
Wien. Die österreichischen Behörden haben den vor einer Woche wegen Spionageverdachts festgenommenen russischen Diplomaten freigelassen. Der Mann sammelte wohl Informationen über den Eurocopter „Tiger“.
Am 11. Juni war Wladimir Woschschow, Mitarbeiter der russischen Raumfahrtagentur Roskosmos, in Salzburg zusammen mit einem Vize-Leutnant der österreichischen Armee festgenommen worden. Woschschow hatte einen Umschlag mit einer größeren Summe Geldes bei sich.
Informationen über deutsch-französischen Kampfhubschrauber von Interesse
Angeblich soll er damit versucht haben, Informationen über den neuen Kampfhubschrauber von Eurocopter, „Tiger“, zu erkaufen. Unklar ist bislang, was das größte Interesse erregte. Russische Medien berichteten zuletzt, Woschschow sei möglicherweise hinter einer Skizze des Helikopters her gewesen, zuvor hatte es geheißen, dass elektronische Daten übergeben worden seien.
Nach Angaben der österreichischen Presse hatte der deutsche Verfassungsschutz, der die Tätigkeiten des Duos schon monatelang aufmerksam beobachtete, Woschschow nach Salzburg zu dem Treffen gelotst, um ihn dort festnehmen zu lassen.
Die Festnahme schlug hohe Wellen. Die russische Botschaft in Wien protestierte heftig gegen das Vorgehen der Behörden. Die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos drückte ihr „Unverständnis“ über den Vorfall aus. Der Festgenommene sei als korrekter Mitarbeiter bekannt. Schließlich schaltete sich sogar der russische Außenminister Sergej Lawrow ein. Gestern forderte er die sofortige Freilassung Woschschows.
Russischer Diplomat ist immun gegen Spionagevorwürfe
Daraufhin ging alles ganz schnell. Woschschow, der diplomatischen Status besitzt, wurde trotz der Verdachtsmomente freigelassen und befindet sich bereits in der russischen Botschaft in Wien. In Kürze soll er nach Russland zurückgeflogen werden.
Zwar sind sich die Wiener Behörden inzwischen relativ sicher, dass die Bekanntschaft zwischen dem russischen Diplomaten und dem Motorsportliebhaber und Vize-Leutnant aus Österreich bereits, über zehn Jahre andauert, in denen der Offizier bereits einige Informationen geliefert haben könnte. Als Beweis für die These, dass Woschschow beim russischen Armee-Aufklärungsdienst (GRU) gegen Österreich spionierte, ist dies allerdings nicht genug.
Russland sieht bei Österreich Lernbedarf im Bereich Diplomatie
Das russische Außenministerium zeigte sich mit der jüngsten Entwicklung der Ereignisse dann auch befriedigt. „Wir sind zufrieden, dass der unter erfundenen Vorwürfen am 11. Juni in Österreich festgenommene russische Staatsbürger, der Mitglied einer offiziellen Delegation an einer Sitzung des UN-Weltraumausschusses ist, heute freigelassen wurde“, heißt es in einer offiziellen Stellungnahme.
Gleichzeitig wird die Handlungsweise Österreichs, das die Immunität der UN verletzt habe, als „unfreundlich“ kritisiert. „Wir rechnen damit, dass die österreichische Seite aus dem Geschehen die notwendigen Schlussfolgerungen zieht“, teilte das russische Außenministerium weiter mit.
(ab/.rufo/Moskau)
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