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Stanislaw Markelow, Menschenrechtsanwalt (Foto: Archiv)
Stanislaw Markelow, Menschenrechtsanwalt (Foto: Archiv)
Dienstag, 20.01.2009

Menschenrechtsanwalt Markelow: ein Leben für das Recht

Moskau. Stanislaw Markelow war ein mutiger Mann. Er hat an die Hoheit des Rechts geglaubt und dafür gekämpft. Nun ist er tot, erschossen von einem Killer mitten in Moskau. Doch die Gewalt darf nicht die Oberhand behalten.

Markelow war erst 34 Jahre alt und doch hat als Anwalt schon einige spektakuläre Fälle – in Russland „gromkije dela“ genannt – geführt. Vertreten hat er dabei stets die Schwachen. Zu seinen Klienten zählten unabhängige Medien, Öko-Aktivisten oder einfache Zivilisten, die Opfer behördlicher Willkür und Gewalt wurden.

Vor allem in der Bürgerkriegsrepublik Tschetschenien war der Anwalt aktiv. Unter anderem verteidigte er die Interessen der Familie Kungajew, deren 18-jährige Tochter Elsa im zweiten Tschetschenienkrieg von Juri Budanow, einem Oberst der russischen Armee, brutal misshandelt und ermordet worden war.

Bei Russland-Aktuell
• Budanow muss für zehn Jahre ins Gefängnis (25.07.2003)
• Staatsanwalt: Berufung gegen Budanow-Freispruch (13.01.2003)
• „Das wahre Gesicht dieser Armee offenbart“ (02.01.2003)
• Budanow muss in psychiatrische Anstalt (31.12.2002)

Erster ranghoher Offizier wegen Kriegsverbrechen verurteilt


Am Ende eines langwierigen und Aufsehen erregenden Prozesses wurde Budanow zu zehn Jahren Haft verurteilt – es war das erste Mal, dass ein ranghoher russischer Offizier für Kriegsverbrechen in Tschetschenien belangt wurde. Erst vor ein paar Tagen wurde Budanow vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Markelow wollte gegen diese Entlassung vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte klagen.

Bei Russland-Aktuell
• Journalist fast totgeschlagen, der Autobahnbau störte (21.11.2008)
• Ex-Milizionär schlägt Journalist Beketow halbtot (24.11.2008)
• Russland morgen: Bürgerkammer stützt Journalisten (24.11.2008)
Natürlich liegt der Verdacht nahe, dass Budanow hinter dem Anschlag steckt. Doch nicht nur Markelows Weggefährte, der Anwalt Wassili Sysganow, glaubt, dass diese Spur „zu offensichtlich“ ist.

Mutiger Öko-Journalist zusammengeschlagen


Markelow hatte zum Beispiel auch den Moskauer Journalisten Michail Beketow vertreten, der im Herbst vergangenen Jahres fast totgechlagen wurde - vermutlich, weil er mutig gegen die Zerstörung einer Grünen Lunge durch einen Autobahnbau ankämpfte.

Beketow hatte sich die Feindschaft der Stadtadministration des Vorortes Moskau-Chimki zugezogen.

Gegen die Täter in Uniform


Markelow hatte sich mit seinem mutigen Kampf gegen die „Täter in Uniform“ viele Feinde in Russland gemacht. In Tschetschenien, aber auch in Baschkirien, wo ich Markelow vor einigen Jahren kennen lernte, als er die Opfer eines Polizei-Pogroms (insgesamt fast 350 Personen) vertrat, oder in anderen russischen Regionen und sogar in Weißrussland.

Mit seiner Eloquenz zwang er die frech das Gesetz übertretenden Bürokraten und Sicherheitsorgane mehr als einmal in die Schranken des Rechtsstaats.

Dabei übte er offen Kritik an der allgegenwärtigen Korruption in Russland: „Solange es nur die Vertikale der Macht gibt, Beamte nur gegenüber Vorgesetzten rechenschaftspflichtig sind und unabhängige Medien fehlen, wird es keinen echten Fortschritt bei der Korruptionsbekämpfung geben", sagte er mir vor ein paar Monaten.

Journalistin der "Nowaja Gaseta" auch erschossen


Zusammen mit Markelow wurde nun die Journalistin Anastasia Baburowa, Mitarbeiterin der "Nowaja Gaseta" auf offener Strasse erschossen. Sie war erst 25 Jahre alt und studierte noch an einer Journalismus Fakultät in Moskau.

Der Täter war von hinten an den Anwalt herangetreten und hatte ihn mit einem Pistolenschuss in den Hinterkopf getötet. Dann feuerte er auf die junge Frau.
Markelow war trotz allem Optimist. „Institut für die Hoheit des Rechts“ heißt die NGO, die Markelow 2006 ins Leben rief und bis zu seinem Tod als Präsident führte. Die NGO wird weiter bestehen und auch der Kampf für die Hoheit des Rechts in Russland wird weiter gehen. Er ist notwendiger, denn je.

André Ballin, Moskau



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