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Plötzlich werden Straßen zu reißenden Strömen. Autos fahren nicht mehr, sondern schwimmen (Foto: Ballin/.rufo)
Plötzlich werden Straßen zu reißenden Strömen. Autos fahren nicht mehr, sondern schwimmen (Foto: Ballin/.rufo)
Montag, 28.07.2008

Mindestens 22 Tote bei schweren Unwettern in Osteuropa

Moskau/Kiew.(aktualisiert 15:00) Schwere Unwetter haben große Teile Osteuropas verwüstet. Bei Überschwemmungen in der Ukraine sind mindestens 22 Menschen ums Leben gekommen. Auch Südrussland kämpft mit den Fluten.

Am schwersten betroffen von den Unwettern ist die Ukraine. In den westlichen Regionen Lwow/Lwiw (Lemberg), Iwano-Frankiwsk/Iwano-Fankowsk und Tscherniwzi (Czernowitz) sorgten Sturm und starke Regenfälle für heftige Überschwemmungen. Innerhalb von zwei Tagen fiel die Monatsnorm an Niederschlägen. Die Flüsse Dnjestr und Pruth traten daraufhin über die Ufer.

Schwerste Hochwasserkatastrophe der letzten 100 Jahre


Nikolai Palitschuk, Gouverneur der stark getroffenen Region Iwano-Frankiwsk, nannte das Unglück die größte Umweltkatastrophe der „letzten Jahrzehnte“. Nach Angaben der ukrainischen Regierung ist es sogar die schwerste Hochwasserkatastrophe der letzten 100 Jahre.

Bei Russland-Aktuell
• Schwere Unwetter: In Moskau kippen Bäume um (18.07.2008)
• Hagel beschädigt 15.000 Häuser in Südrussland (10.09.2007)
• Moskau erholt sich von den Unwetterfolgen (17.08.2006)
• Opferzahl bei Umweltkatastrophe in der Ukraine steigt (20.07.2007)
• Phosphor-Brand: Umweltkatastrophe in der Ukraine (18.07.2007)
Nach neuesten Angaben stehen 40.000 Wohnhäuser unter Wasser, über 8.000 Menschen mussten evakuiert werden. Während zunächst von 13 Toten die Rede war, ist die Opferzahl inzwischen auf 22 angestiegen.

Die meisten Opfer (15) stammen aus der Region Iwano-Frankiwsk. Weitere sieben Menschen kamen in der Region Tscherniwzi ums Leben. Unter den Toten sind auch sechs Kinder.

Millionenschäden für Landwirtschaft und Infrastruktur


Auch die wirtschaftlichen Schäden des Unglücks sind enorm. Hunderte Kilometer von Straßen sind unterspült, Brücken und landwirtschaftliche Nutzbauten beschädigt. 300 Ortschaften sind nach wie vor von der Stromversorgung abgeschnitten. Knapp 200 Mio. Euro soll der Schaden betragen.

Befürchtet wird zudem, dass das Hochwasser Lager mit Pestiziden und Chemikalien unterspült. Sollten diese alle ins Grundwasser gelangen, droht eine schwere Umweltkatastrophe, die auch Folgen für die Ostsee haben kann. Schließlich wird das Gebiet durch die Weichsel entwässert und die fließt bis in Ostsee.

Regierung will Hilfeleistungen geben


Präsident Viktor Juschtschenko und Premier Julia Timoschenko sind bereits ins Unglücksgebiet geflogen, um sich ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe zu machen. Juschtschenko erklärte die Westukraine zum Notstandsgebiet.

Timoschenko forderte eine außerordentliche Parlamentssitzung, um über Hilfeleistungen zu beraten. In der Vergangenheit hatten sich Regierung und Opposition in der Rada gegenseitig blockiert. Sollte sich das politische Hick-Hack in Kiew unter den gegebenen Umständen fortsetzen, hätte dies fatale Folgen für die Opfer der Flutkatastrophe.

Schäden in ganz Osteuropa


Neben der Ukraine traf es auch weitere osteuropäische Staaten. In Rumänien kamen fünf Menschen bei den sintflutartigen Unwettern ums Leben.

Aus Moldawien und der abtrünnigen Teilrepublik Transnistrien kamen bislang zwar noch keine Opferzahlen, doch auch dort richtete das Hochwasser schwere Schäden an. In mehreren Orten wird die Bevölkerung evakuiert, auch weil die Meteorologen weitere Regenfälle voraus gesagt haben.

Hagel und Überschwemmungen in Südrussland


Im südrussischen Gebiet Krasnodar (Kuban) richteten Hagelschauer schwere Schäden an. „Der Hagel dauerte ungefähr eine Stunde. Elektroleitungen und die Dächer von etwa 100 Häusern wurden beschädigt“, teilte ein Sprecher des Katastrophenschutzes mit.

Für das Gebiet wurde eine Sturmwarnung herausgegeben. Nach den schweren Niederschlägen sind zudem auch hier viele kleine Flüsschen zu reißenden Strömen angeschwollen und über die Ufer getreten. Mit einem Rückgang der Überschwemmungen wird nicht vor Mitte der Woche gerechnet.



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