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Ex-Bundestrainer Wolfgang Steiert hat mit Russlands Skispringern großen Erfolg. (Foto: eurosport.ru)
Ex-Bundestrainer Wolfgang Steiert hat mit Russlands Skispringern großen Erfolg. (Foto: eurosport.ru)
Montag, 16.02.2009

Russische Skispringer mit Aufwind zu Olympia-2014

Moskau. Die Erfolge der russischen Ski-Adler finden Anerkennung, und mit Aufwind fliegt das Team, vom ehemaligen deutschen Nationaltrainer Wolfgang Steiert betreut, in Richtung Olympische Spiele 2014 in Sotschi.

Steierts "Abenteuer", wie er sein Engagement selbst einmal nannte, scheint sich spätestens seit diesem Winter zu lohnen. Die russischen Skispringer gehören wieder zur erweiterten Weltspitze und mit Dmitri Wassiljew (englische Schreibeweise: Dimitry Vassiliev) gibt es einen absoluten Weltklasseathleten in ihren Reihen, der auch jeder Zeit ein Skispringen gewinnen kann.

Bei der erst kürzlich zu Ende gegangenen Vier-Schanzen-Tournee belegte Wassiljew einen hervorragenden fünften Platz, in der Gesamtwertung. Nur knapp hinter dem deutschen Spitzenspringer und ehemaligen Weltmeister Martin Schmitt und noch vor dem besten Finnen (Harri Olli) und dem besten Norweger (Anders Jacobsen).

Bei den beiden Etappen der Vier-Schanzen-Tournee in Oberstdorf und in Bischofshofen wurde Wassiljew sogar jeweils Dritter. Und am vergangenen Wochenende schaffte es die russische Mannschaft bei der erstmals ausgetragenen Team-Tour auf Platz zwei hinter Norwegen. Steiert: "Es läuft überragend für uns."

Steiert auch als Manager und Organisator

Dabei hat Steiert zurzeit noch ganz andere Probleme. Ein Trainingslager für 20 russische Skispringer und deren Vereinstrainer in Deutschland oder Finnland zu organisieren, ist schwierig. Weil russische Skispringer ohne Visum nicht nach Europa reisen dürfen. Und um ein Visum zu bekommen, brauchen sie eine Einladung.

Wegen mangelnder Trainingsmöglichkeiten im eigenen Land geht es aber nicht ohne ausgedehnte Trainingsaufenthalte im Ausland. Wolfgang Steiert muss also auch noch improvisieren können – und er tut es.

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So bat er zum Beispiel den Hinterzartener Skiclub, eine Einladung auszusprechen; der Skiclub tat es, und die 20 Springer samt Trainer durften einreisen. Wolfgang Steierts Job als Cheftrainer der russischen Nationalmannschaft ist also mehr, als nur mit den besten Athleten des Landes an deren Form zu feilen, er ist auch Manager und Organisator.

Weiterhin werden seit Jahren in Russland moderne Schanzenbauten versprochen. Über das Planungsstadium ist man bisher jedoch nicht groß hinausgekommen. Wenn erst einmal die Olympia-Sprunganlage in Sotschi fertig sind, wird es für alle Beteiligten leichter.

Trainergespann gegen antiquierte Trainingsmethoden

Steiert trainiert das russische Team gemeinsam mit dem Schweizer Bernie Schödler, der einst Simon Ammann bei dessen Olympiasiegen 2002 und dessen WM-Titel 2007 unter seinen Fittichen hatte. Vor allem um den Nachwuchs soll Schödler sich kümmern, damit die Erfolge russischer Skispringer von Dauer sind.

Steiert hält die Zügel fest in der Hand. Über Weihnachten ließ er seine Springer nicht nach Hause fliegen, zu stressig wären die mehrtägigen Reisen gewesen. „Für das Skispringen gibt es in Russland kaum Infrastruktur.

Die Schanzen sind veraltet, das Material oft nicht wettbewerbsfähig und viele Trainer hängen noch einer antiquierten Schule an – sie glauben, viel trainieren hilft viel." „Dabei brauche es längst eine andere Trainingsmethodik. Doch die lässt sich nicht allein in Besprechungen vermitteln. Man muss Erfolge vorweisen können.

„Dabei brauche es längst eine andere Trainingsmethodik. Doch die lässt sich nicht allein in Besprechungen vermitteln. Man muss Erfolge vorweisen können. Wenn wir nur um Platz 30 mitspringen würden, fehlt das Vertrauen" so Wolfgang Steiert.

Der russische Verbandspräsident Wladimir Slawski sagte über Steiert: "Wir sind vollkommen zufrieden mit ihm. Er ist nicht nur ein guter Trainer, sondern auch ein hervorragender Organisator. Deshalb haben wir seinen Vertrag bis Olympia 2010 verlängert".

In Russland zählen nur Medaillen

Wolfgang Steiert wird von dem Ziel getrieben, Russland nach Wladimir Beloussow (1968 in Grenoble) wieder Olympiagold zu bescheren. „Das wäre schon toll, das als erster Trainer zu schaffen. Dann käme sicher auch Wladimir Putin vorbei", sagt Steiert.

Aber er weiß auch, dass mit Blick auf Sotschi ein Masterplan mit Namen "Resultat" existiert, der Russland zur Wintersportmacht Nummer 1 machen soll. Steiert: "Dass ich noch einen Vertrag habe, gibt mir zwar Sicherheit, aber am Ende helfen nur Medaillen. Vielleicht gibt es ja irgendwann auch eine andere Funktion für mich. Natürlich würde ich auch gern nach Deutschland zurückkehren."

Mannschaft mit modernstem Sportmaterial ausgestattet

Zu Steierts Arbeit gehört aber auch, Kontakte zu Sponsoren und Materiallieferanten zu halten. Was das Material anbetrifft, sind die russischen Skispringer absolut konkurrenzfähig. Eine Schweizer Firma produziert exklusiv Sprunganzüge, nur für das Schweizer Team und für die russischen Skispringer.

Russland ist für Skifirmen ein attraktiver Markt, auch deshalb werden die russischen Skispringer mit modernen Sprungmateriel ausgestattet. Ein Pharmaunternehmen aus der Oberpfalz, ein Sportartikelhersteller und die deutsche Niederlassung des Energiekonzerns Gazprom stehen dem Team zur Seite.

Und es gehört auch dazu, dass der Mannschaftsbus des Fußball-Bundesligisten FC Schalke 04, der ebenfalls von Gazprom gesponsert wird, bei der Vier-Schanzen-Tournee zu Gast war und die russischen Springer umherfuhr.

Das russische Skisprung-Team hat sich unter schwierigen Trainings- und Wettkampf- bedingungen unter den Besten im Weltcup etabliert. Auch deshalb wurde der russische A-Kader im Skispringen auf sechs Athleten aufgestockt. Dies entschied der russische Verbandspräsident für Skispringen, Vladimir Slavsky.



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