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| Bei McDonalds in Tiflis sieht Gluchow nicht wie eine Geisel aus... Foto: newsru.com | |
Mittwoch, 28.01.2009
Soldat Gluchow: Desertiert oder von Georgien entführt?
Moskau/Tiflis. Ein neues Kapitel im „Kalten Krieg“ zwischen Russland und Georgien: Ein russischer Soldat ist übergelaufen und bittet Saakaschwili um politisches Asyl. Russland glaubt dagegen an eine Entführung.
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Der 21jährige Wehrdienstleistende Alexander Gluchow soll in der Nacht auf Dienstag aus seiner Militäreinheit in Südossetien auf die georgische Seite übergelaufen sein. Das georgische Fernsehen zeigte Dienstagabend ein Video, in dem Gluchow Präsident Saakaschwili um die Erlaubnis bittet, in Tiflis zu bleiben.
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Als Grund gibt der Feldwebel die „unerträglichen Bedingungen in der Militäreinheit“ und Rekrutenschinderei an. Er würde von Vorgesetzten schikaniert, die Ernährung sei mangelhaft, seit einem Monat hätte er nicht geduscht.
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Außenministerium: Entführt und „psychologisch bearbeitet“
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Im russischen Außenministerium ist man ganz anderer Meinung: Gluchow sei von Georgien entführt und durch psychologischen Druck zu seiner öffentlichen Aussage gezwungen worden. Russland fordert die sofortige „Freilassung“ des Soldaten.
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Georgien kontert, Gluchow könne sich frei bewegen, gegen ihn würde keinerlei Zwang ausgeübt. Und tatsächlich: Eine Journalistin von Reuters interviewte den jungen Mann in einem McDonalds in Tiflis bei Hamburger und Pommes.
In dem Interview bestätigt Gluchow, er sei desertiert und wolle „hier weiterleben“. Er habe mit seiner Mutter telefoniert und sie beruhigt. Aus dem georgischen Außenministerium verlautet, Gluchow werde nicht an Russland ausgeliefert; seine Einbürgerung sei „in Arbeit“.
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Soldatenmütter: Bedingungen in Südossetien unmenschlich
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Die Menschenrechtsorganisation der Soldatenmütter bestätigt derweil Gluchows Aussage über die unerträglichen Bedingungen, unter denen die Soldaten in Südossetien ihren Wehrdienst leisten.
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Ella Poljakowa, Sekretärin der „Soldatenmütter von Petersburg“, sagte gegenüber dem Internetportal Grani.ru, ihre Organisation bekomme Anrufe von Soldaten, die „schreckliche Dinge erzählen“. „Sie haben lange in Schützengräben gelebt, ohne Wasser und vernünftige Nahrung, und die Jungs müssen das alles ertragen und wissen sich nicht zu wehren“.
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Rekrutenschinderei und unmenschliche Lebensbedingungen in der russischen Armee sind tatsächlich längst kein Geheimnis mehr. Was Gluchow erzählt, kommt der Wahrheit sicher sehr nahe. Fakt ist aber auch, dass Georgien den Vorfall propa- gandistisch voll ausschlachtet, um sich im Nervenkrieg gegen Russland ein paar Pluspunkte zu verdienen. Auf die Fortsetzung dürfen wir gespannt sein.
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