Die Peruanerin Vika Pelaes will nicht gewusst haben, dass ihr Mann Russe ist. (Foto: RIA Novosti)
Freitag, 09.07.2010
Beim Agententausch steht es 10:4 für Russland
Moskau. Die zehn in den USA hochgenommenen russischen Spione sitzen im Flugzeug nach Wien. Russland liefert nur vier mutmaßliche Agenten aus. Der spektakuläre Austausch soll heute über die Bühne gehen.
In einem Schnellverfahren wurden die am 27. Juni in den USA verhafteten russischen Agenten zur Deportation nach Russland verurteilt und sofort danach zum New Yorker Flughafen gebracht. Eine von der US-Regierung zur Verfügung gestellte Sondermaschine fliegt sie nach Wien.
Russland hat seinerseits vier mutmaßliche US-Spione, die seit Jahren in Russland einsitzen, begnadigt. Sie sollen in Wien gegen die Deportierten ausgetauscht werden. Dabei handelt es sich um den Wissenschaftler Igor Sutjagin, den ehemaligen Mitarbeiter des russischen Auslandsgeheimdiensts SWR Alexander Saporoschski, den Ex-Geheimdienstler Sergej Skripal und den einstigen Major des KGB Gennadi Wassilenko.
Alle Namen offengelegt
Alle Beteiligten an der spektakulärsten Austauschaktion nach Ende des Kalten Krieges haben vor Gericht ihre Schuld gestanden. Dies war die Bedingung für die Begnadigung. Igor Sutjagin, der Prominenteste unter den russischen Figuranten, hält sich allerdings weiterhin für unschuldig und bekennt, er habe „für sich keine andere Chance gesehen“.
Die zehn Deportierten haben inzwischen ihre tatsächlichen Namen offengelegt. Es handelt sich um Wladimir und Lidija Gurjewa, Michail Kuzik, Natalja Perewersewa, Andrej Besrukow, Jelena Wawilowa und Michail Wassenkow. Vika Pelaes, Anna Chapman und Michail Semenko lebten unter ihren echten Namen in den USA.
Sie alle haben auf Lebenszeit Einreiseverbot in die USA. Ausnahmen sind nur unter Genehmigung des US-Generalstaatsanwalts möglich. Ein Vertreter der US-Administration sagte laut AP am Donnerstagabend, er könne sich „keine Situation vorstellen, in der ihnen eine Rückkehr gestattet werden könnte“.
Peruanerin fährt nach Hause
Die einzige Nichtrussin unter den Betroffenen ist die 55-jährige Vika Pelaes. Sie besitzt die amerikanische und die peruanische Staatsbürgerschaft. Laut dem peruanischen Radiosender RPP will sie sich eine Woche in Russland aufhalten und dann nach Peru zurückkehren.
Russland habe ihr eine Wohnung, kostenlose Flugtickets für ihre Kinder und eine lebenslange Rente von 2.000 Dollar pro Monat in Aussicht gestellt. Sie hatte den US-Behörden gestanden, ihr Mann, der 66-jährige Michail Wassenkow, hätte sie zum „Geldtransfer für Spionagetätigkeit aus Peru in die USA genötigt“.
Ihr Anwalt gibt übrigens an, Pelaes habe nicht gewusst, dass ihr Mann, mit dem sie 30 Jahre verheiratet ist, Russe ist. Er hatte sich als Uruguayer ausgegeben und den Namen Juan Lasaro getragen.
Was wird mit den Kindern?
Die USA erlaubt den Kindern der Deportierten die freie Ausreise. Dies wurde am Donnerstag bei einer Telefonkonferenz für Journalisten erklärt. „Die Kinder können ausreisen, wann sie wollen“, sagte dort ein offizieller US-Vertreter. Dies aber nur „mit Genehmigung ihrer Eltern und unter Beachtung der amerikanischen Gesetze“.
Der 17-jährige Sohn von Vika Pelaes und Michail Wassenkow bleibt in den USA, erklärte der Anwalt der peruanischen Journalistin. Er wird dort bei seinem Halbbruder leben. Michael Zottoli und Patricia Mills, die in Wahrheit Michail Kuzik und Natalja Perewersewa heißen, wollen ihre Kinder nachkommen lassen.
Leser-Kommentare zu diesem Artikel (und Kommentare zu Kommentaren): ↓
Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar, nachdem Sie sich hier unten für Kommentare neu registriert haben. Sie können hier oder im Forum (www.forum.aktuell.ru) mitdiskutieren.
Bisher gibt es zu diesem Artikel noch keine Leserkommentare
Sicherheitsabstand sieht anders aus. Aber wenn an der Peter-Pauls-Festung in St. Petersburg der Rundflug-Helikopter startet und landet, sind Zuschauer immer ganz nah dabei. Sobald sie allerdings der Rotorwind samt Staubwolke erfasst, haben die Neugierigen wieder etwas Nützliches fürs Leben gelernt. (Topfoto: Deeg/.rufo)