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Ex-Finanzminister Alexej Kudrin sucht eine neue berufliche Zukunft. (Foto: newsru.com)
Ex-Finanzminister Alexej Kudrin sucht eine neue berufliche Zukunft. (Foto: newsru.com)
Dienstag, 27.09.2011

Nach dem Finanzminister-Rauswurf: Quo vadis, Kudrin?

Moskau. Nach dem spektakulären Rauswurf von Finanzminister Kudrin wird dessen Amtszimmer im Weißen Haus im Eiltempo ausgeräumt. Manche sehen den von Medwedew Geschassten als Zentralbank-Chef oder Führer der „Rechten Sache“.

Der Aufsehen erregende Abgang des Altministers – Alexej Kudrin war mit einer Amtszeit von elf Jahren mit Abstand der Dienstälteste im russischen Kabinett – ist am heutigen Montag DAS Thema in der russischen Presse. Es wird ebenso über die Gründe für den Rauswurf spekuliert wie über Kudrins berufliche Zukunft.

Profane Dinge


Doch zunächst ein paar profane Dinge: Kaum war Kudrin weg, begann man im Weißen Haus, dem russischen Regierungssitz, sein Kabinett auszuräumen – in Abwesenheit des Ex-Finanzressortchefs. Mehrere Arbeiter waren damit beschäftigt, Kudrins Habseligkeiten in große Pappkartons zu packen und die an einer Wand aufzustapeln.

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• Medwedew will Rücktritt von Finanzminister Kudrin (26.09.2011)
• Finanzminister Kudrin kündigt seinem künftigen Chef (26.09.2011)
Ein Mitarbeiter der Verwaltung des Regierungshauses erinnerte gegenüber Interfax auch daran, dass Kudrin seine vom Staat verliehene Datscha wieder zurückgeben muss. „Solch eine Datscha bekommt nicht eine konkrete Person, sondern der jeweilige Amtsträger. Deshalb muss Kudrin (…) sie räumen.“ Die Frist beläuft sich auf einen Monat.

Dienst quittieren und woanders arbeiten


Kudrins Äußerung, er wolle unter einem Premier Medwedew nicht mehr weiter in der Regierungsriege bleiben, scheint den Kreml-Chef persönlich tief getroffen (und beleidigt) zu haben - insbesondere, weil Kudrin ausgerechnet von New York aus Medwedew wegen zu hoher Ausgaben für den Verteidigungshaushalt kritisierte.

Nachdem Medwedew schon gestern Kudrin mit nicht gerade diplomatischen Worten zum Rücktritt aufgefordert hatte, legte er heute noch ein paar schwere Geschütze nach.

Bei einem Treffen mit Teilnehmern am gerade zu Ende gegangenen Manöver „Zentrum-2011“ bei Tscheljabinsk im Ural wetterte Medewdew, alle, die mit der Politik des Präsidenten und der Regierung nicht einverstanden seien, sollten „den Staatsdienst quittieren und woanders arbeiten“.

“Keine Bananenrepublik!“


Medwedew rechtfertigte die hohen Militärausgaben, für die Kudrin ihn unter anderem kritisiert hatte: Russland sei „nicht irgendeine Banenenrepublik“ und brauche als UN-Sicherheitsmitglied und Atomwaffenmacht eine starke Armee.

„Wie traurig es auch für unseren Haushalt sein mag“, so der russische Präsident, Russland werde immer viel Geld für die Verteidigung ausgeben müssen, um sich als Staatlichkeit erhalten zu können. Das Interessante an seiner emotionsgeladenen Rede ist allerdings, dass der Name Kudrin darin nicht ein einziges Mal vorkommt.

“Seine eigene Entscheidung“


Der Interims-Vorsitzende der liberalen Partei „Rechte Sache“ Andrej Dunajew würde den arbeitslosen Kudrin gern an der Spitze seiner Bewegung sehen – aber erst nach den Duma-Wahlen. Er müsse sich nur offen zu den „Rechten“ bekennen. Kudrin hatte schon im Juni eine Einladung erhalten, die „Rechte Sache“ anzuführen, aber abgelehnt.

Andrej Kostin, Präsident der einflussreichen Bank WTB, ist derweil der Meinung, Kudrin hätte schon lange als Finanzminister aufhören und etwas anderes machen wollen: „Er wollte Veränderungen im Leben“, „die Entscheidung zum Rücktritt war seine eigene“, und „nun geht es ihm sehr gut“

Laut Kostin könnte Kudrin Vorsitzender von Russlands größtem Geldinstitut, der Zentralbank, werden: „Ich denke, das ist durchaus möglich“, so Kostin. Allerdings müsste Medwedew, mit dem sich der Ex-Finanzminister überworfen hat, ihn der Staatsduma für diesen Posten vorschlagen. Ob das realistisch ist nach dieser Seifenoper-ähnlichen Trennung, ist zumindest eine Frage wert.

“An der Schwelle sehr bedeutsamer Ereignisse“


Michail Prochorow, der selbst unlängst sehr unsanft aus dem Vorsitzenden-Sessel bei der „Rechten Sache“ gehoben worden war, sieht hinter Kudrins Rückzug eine epochale Entwicklung. Nicht der persönliche Konflikt zwischen ihm und dem Präsidenten stehe dahinter, sondern ein „Konflikt der Ideologien, der Standpunkte zur künftigen Entwicklung des Landes“, schreibt Prochorow in seinem Blog.

Dabei ginge es um ein Gegeneinander von „Konservativen „ und „Modernisierern“, wobei es schwer sei zu definieren, wer die einen und wer die anderen sind. „Wir stehen an der Schwelle zu sehr wichtigen, vielleicht sogar tektonischen Verschiebungen im Bewusstsein der Elite, auch der Machteliten“, meint der Oligarch:

„Mit ihrer Polarisierung werden neue Ideologien, neue Entwicklungs-konzepte und neue Personen an die Oberfläche treten, die sich nicht in die bekannten Koordinaten-systeme einpassen werden.“

Wir dürfen gespannt sein, wo Kudrin (und auch Prochorow) sich in Zukunft einpassen werden.



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Tristaana 27.09.2011 - 19:57

Und Prochorov hat recht

Prochorov hat recht mit seinem Kommentar, isbesondere nachdem er nicht gelassen hat, sich selbst von Surkov den grauen Eminenz von Kremlin zu manipulieren. Kydrin hat eine richige Entscheidung getroffen. Stimme zu die Wörter von Prochorov,„...neue Entwicklungskonzepte und neue Personen an die Oberfläche treten, die sich nicht in die bekannten Koordinatensysteme einpassen werden\\\\\\\". Vile Leute sind überzeugt dass solche Selbteadliche Leute sich gut in Zukunft einpassen werden.


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