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Die Registrierung kostet in Zukunft 2 Rubel Stempelfarbgebühr (Foto: ld/.rufo)
Die Registrierung kostet in Zukunft 2 Rubel Stempelfarbgebühr (Foto: ld/.rufo)
Dienstag, 02.02.2010

Registrierung von Ausländern kostet jetzt Geld

St. Petersburg. Die bei Aufenthalten von mehr als drei Tagen nötige Registrierung von Ausländern ist nicht mehr kostenlos. Für jeden Aufenthaltstag müssen jetzt 2 Rubel (ca. 5 Cent) bezahlt werden, maximal 200 Rubel.

Die Visa-Gebühr allein reicht wohl nicht mehr - wer als Ausländer Russland erleben möchte, muss in Zukunft auch noch eine Art "Aufenthalts-Steuer" bezahlen, wenn man sich für Visiten von mehr als drei Tagen nach Ankunft regelkonform anmeldet.

FMS-Webseite prompt nicht ansprechbar


Näheres über die neue Regelung zu erfahren, ist momentan nicht einfach: Die Webseite des Föderalen Migrations-Dienstes FMS (www.fms.gov.ru) ist gegenwärtig nicht erreichbar.

Tatsache ist allerdings, dass diese Neuerung auf dem weiter zugänglichen Online-Forum des FMS diskutiert wird.

Bei Russland-Aktuell
• Gegen Gebühr auch auf der Post: Die Registrierung
• Ratgeber: Visa-Tipps

Ein Extra-Sprint zur Bank und zurück


Wer jetzt bei einem Büro des FMS in Begleitung seines russischen „Gastgebers“ die bislang kostenlose Anmelde-Prozedur erledigen will (und auch brav Kopien von Pass, Migrationskarte und Visum mitgebracht hat), wird erst einmal wieder weggeschickt: Zuerst muss bei der nächsten Sberbank die Gebühr eingezahlt werden – und die Quittung auch noch aufs Amt getragen werden.

So geschah es jedenfalls am Montag bei einer Anmeldung in St. Petersburg. Wenigstens erhielt man aber gleich einen Zettel mit allen nötigen Bank-Koordinaten, so dass die Einzahlung selbst keine weiteren technischen Probleme bereitete.

Auf russki Formular nix lateinisch Schrift!


Die Neuerung beruhe auf einer Änderung des Steuerkodex, die am 29. Januar in Kraft getreten sei, so die dortige FMS-Mitarbeiterin. Außerdem verwies die Beamtin darauf, dass das bislang zulässige Ausfüllen des Anmeldeformulars in lateinischen Buchstaben nicht mehr zulässig ist.

Bei Russland-Aktuell
• Chaos und Korruption lähmen russischen Staatsapparat (21.12.2009)
• Russland will Amtstuben ins Internet verlegen (27.10.2009)
• Standortvorteil Naturromantik, Standortminus Bürokratie (24.03.2009)
• Medwedew fordert politische Reformen vom Staatsrat (22.01.2010)
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Wie dem FMS-Forum zu entnehmen ist, wird jetzt ein neues Formular für die Anmeldung benutzt. Wegen des Ausfalls der FMS-Seite ist dies jedoch auf elektronischem Weg vorab momentan nicht zu erhalten.

Auch die mit großem Tamtam gestartete Webseite gosuslugi.ru, auf der allerlei Formulare abrufbar sein sollen, ist hier keine Hilfe. Sie ist zudem nicht auf dem aktuellen Stand, da die Registrierung von Ausländern hier noch als kostenlose Dienstleistung geführt wird.

Die neue Steuer - ein Groschengrab


Angesichts der offiziell verkündeten Bemühungen, die russische Bürokratie zu entschlacken, erscheint die Neuerung reichlich abstrus - und für den Staat nicht einmal profitabel: Die Masse der Touristen und Russlandreisenden wird durch den Mini-Tarif von 2 Rubel pro Tag (ca. 5 Euro-Cent) den russischen Staatshaushalt selten um mehr als einen ganzen Euro bereichern. Wer länger als 100 Tage bleiben will, zahlt maximal 200 Rubel (ca. 4,80 Euro).

Fazit: Herzlich willkommen in Absurdistan!


Dieser gewaltigen Einnahme stehen auf Seiten der Reisenden jede Menge Rennerei und die Chance, wegen des zusätzlichen Weges die Drei-Tage-Anmeldefrist zu verpassen gegenüber. Und auf Seiten der Bürokratie gibt es zusätzlichen Verwaltungsaufwand, denn schließlich müssen auch die Bankquittungen über die Pfennig-Beträge jedesmal geprüft und sauber abgeheftet werden …

Wie die neue „Aufenthalts-Steuer“ beim Registrierungsverfahren auf den Postämtern sowie durch Hotelbetriebe abgewickelt wird, entzieht sich momentan noch der Kenntnis der Redaktion.

Man kann auch anders: "Propiska" für Russen soll wegfallen


Die Migrationsbehörde FMS glänzt hingegen heute mit der medienwirksamen Ankündigung, die Registrierung für russischen Staatsbürger (vulgo: „Propiska“) in Jahresfrist faktisch abzuschaffen. Eine entsprechende Gesetzesinitiative sei in Arbeit, so ein FMS-Sprecher gegenüber der Zeitung „Wedomosti“.

Anstelle der bisher von den Behörden bei entsprechenden Bedingungen gewährten Anmeldung (sei es zeitweise oder ständig) sollen die Russen das Recht erhalten, ihren neuen Wohn- oder Aufenthaltsort unbürokratisch per Post mitzuteilen.

Personen ohne dauerhafte Registrierung sind in Russland oft noch Menschen zweiter Klasse: Sie haben Schwierigkeiten, medizinische Versicherungsleistungen zu erhalten, ihre Kinder in einen Kindergarten zu schicken, ein Auto anzumelden oder einen Reisepass zu beantragen.

Beim FMS spricht man deshalb von nichts weniger als „einer Revolution“. Doch wie die neue Pfennigfuchser-Regel gegenüber den ausländischen Gästen beweist, schläft auch die Konterrevolution nicht …



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Iwan 02.04.2012 - 18:55

Frist verlängert... aber Absurdistan bleibt

Die Frist wurde ja inzwischen auf 7 Tage erhöht. Die Bürokratie ist aber nicht weniger geworden.
Im Winter vor einem Jahr bezahlte ich auf der Sperbank die Gebühr, die mir auf der Post genannt wurde. Aber Registrierung gab es mit meinem Geschäftsvisum (an privater Adresse) trotzdem nicht! Die Registrierung müsse ich über die einladende Stelle in Moskau machen, bla-bla-bla. Auch auf der Migrationsbehörde führte man mir die Registrierung nicht durch. Für 500 Rubel erledigte dies dann ein Reisebüro...
Nach Erhöhung der Frist im Sommer wurde die Sache allerdings nicht leichter. Post und Migrationsbehörde verweigerten im Jänner dJ erneut die Registrierung, \"nur in Moskau über diese einladende Stelle möglich\" für mein Multivisum \"90 aus 180\". Nur, wie? Blagoweschtschensk liegt fast 8000 km östlich von Moskau....
Nach anfänglicher Weigerung - Hinweis auf Änderungen - führte mir dann doch das Reisebüro vom Vorjahr wieder die Registrierung durch.... Nur, die \"Gebühr\" dafür hat sich auf 1500 Rubel erhöht.... und außerdem wurde ich nicht an der tatsächlichen Adresse registriert, sondern in einem Hotel (Absteige) wo hauptsächlich Chinesen (Gastarbeiter...) absteigen. Weiß nicht, welche Folgen es für mich und den tatsächlichen Quartiergeber hätte, wenn ich mit der Polizei in Kontakt geraten würde und diese meine Daten aufnehmen bzw kontrollieren würden... man muss ja nicht selbst eine Handlung setzen, die dies nach sich zieht, ...man kann auch Opfer eines Unfalles, eines Überfalles werden...oder eventuell auch Zeuge eines Vorfalles.... ich hoffe, das passiert mir nicht irgendwann einmal.... DANK AN ABSURDISTAN!


fromrussia 08.03.2010 - 16:33

Lenin lehrt unsd ja zum Glück zwei Schritte vor, ein Schritt zurück

Wegfall der Propiska, der \"Zuschreibung\" aus hehren Zarenzeiten, na endlich. Aber dann die \"Ausländersteuer\", manchmal kann man einfach nur verzweifeln.


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