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Schabtai Genrichowitsch von Kalmanowitsch - eine der schillerndsten Figuren im russischen "Business" (Foto: TV/.rufo)
Schabtai Genrichowitsch von Kalmanowitsch - eine der schillerndsten Figuren im russischen "Business" (Foto: TV/.rufo)
Dienstag, 03.11.2009
Aktualisiert 03.11.2009 15:44

Mafiakrieg in Moskau? Ex-Spion u. Topmanager erschossen

Moskau. Er war einer der erfolgreichsten Manager in Russland, aber vielleicht war sein Fehler, dass er die falschen Freunde hatte. Schabtai von Kalmanowitsch war schon tot, während sein verwundeter Fahrer noch den Killern nachjagte.

Montagnachmittag, Anbruch der Dunkelheit, Moskau, Stadtmitte. Auf der Uferstrasse Krasnopressnaja Nabereschnaja in der Nähe des Internationalen Handelszentrums durchsiebt ein Kugelhagel die Frontscheibe der Mercedes-Limousine des Milliardärs Schabtai Genrichowitsch von Kalmanowitsch. Später werden 20 Patronenhülsen gefunden.

Kalmanowitsch stirbt, aber sein schwer verwundeter Fahrer jagt den Killern nach, die in ihrem silbergrauen Lada flüchten. Drei, vier Kilometer weiter, in der Nähe des Jungfrauenklosters verlor der Fahrer die Gewalt über das Fahrzeug und rammt einen Pfosten.

Befreundet mit Japontschik und Kobson


Kalmanowitsch war einer der erfolgreichsten und schillernsten Unternehmerfiguren der neurussischen Gründerzeit, befreundet mit dem Unterweltpaten "Japontschik"-Iwankow, der nach einem Attentat vor einem Monat im Krankenhaus starb.

Vor dem Attentat war Japontschik Ehrengast bei der Hochzeit der Kalmanowitsch-Tochter.

Ich hoffe, dass ich noch lange leben werde


Vor kurzem erklärte Kalmanowitsch in einem Interview in der Zeitung "Sport-Express", er sei der "Feind Nummer eins" der korrupten Sportagenten, gegen die er als Manager der erfolgreichen Frauenbasketball-Mannschaft "Spartak" einen ständigen Krieg führe. Er habe es sich zum Ziel gesetzt, die Korruption im Basketballsport zu unterbinden. Er hoffe, sagte Kalmanowitsch, er werde noch lange leben.

Kalmanowitsch wurde 1949 in der Sowjetrepublik Litauen geboren, emigrierte 1971 mit seinen Eltern nach Israel und machte später an der Universität Jerusalem seinen Abschluss als Bauingenieur.

Bei Russland-Aktuell
• Der Tod des Paten - ein Lehrstück aus der Unterwelt (12.10.2009)
• Milizaufgebot u. Prominenz bei Beerdigung des Mafia-Paten (13.10.2009)
• Oleg Deripaska in Spanien unter Geldwäscheverdacht (19.10.2009)
• Fallschirmjäger-Chef wollte Mafia vor Polizei schützen (22.09.2009)
• Erschossener Regionalpolitiker traf sich mit Mafiapaten (12.08.2009)

Reichster Sowjetemigrant in Israel wegen Spionage verurteilt


Kalmanowitsch stürzte sich aber sogleich ins Geschäft, galt nach kurzer Zeit als reichster Sowjetemigrant in Israel, bis er 1988 in Israel wegen Spionage für die UdSSR zu neun Jahren Haft verurteilt wurde. 1993 wurde er freigelassen.

1993 bis 94 organisierte Kalmanowitsch schon in Russland zusammen mit dem Sänger Jossif Kobson (dem russischen Frank Sinatra), der übrigens ebenfalls mit "Japontschik" befreundet war, eine ganze Reihe von Unternehmen. Unter anderem baute Kalmanowitsch eines der ersten modernen Einkaufszentren in Moskau am Tischinski Markt (in der Nähe des Weissrussischen Bahnhofs).

Kalmanowitsch verfügte zu der Zeit praktischerweise über gleich drei Pässe und Staatsbürgerschaften: die russische, israelische und die litauische.


Bei Russland-Aktuell
• Anschlag auf Japontschik: Droht ein Mafiakrieg? (04.08.2009)
• Moskau: Killer schießen auf russische Unterweltgröße (29.07.2009)
• USA verweigern Oligarch Oleg Deripaska das Visum (15.07.2009)
• Russenmafia: Sitzen die Hintermänner beim Geheimdienst? (07.05.2009)

Seine Aligatorenfarm in Südafrika war nur ein Hobby


Ein Hobby war für Kalmanowitsch eine Aligatorenfarm in Südafrika, er organisierte aber auch Konzerttouren von Michail Jackson, Tom Jones, Lisa Minelli und Jose Carreras. Nebenher betätigte er sich als Sponsor und Manager für Basketball-Mannschaften in Moskau, St.Petersburg und Litauen.

1996 wurde Schabtai Genrichowitsch Kalmanowitsch auf Beschluss des litauischen Präsidenten Brasauskas (Brazauskas) geadelt und in den Ritterstand erhoben, weil er eine litauische Basketball-Mannschaft zum Sieg in der Euroliga geführt hatte.

Aber das waren alles Peanuts in dem weitverzweigten Geschäft des Schabtai von Kalmanowitsch. So war er zumindest zeitweise einer der Eigner (oder auch der Eigner) der umsatzstärksten russischen Kosmetikkette "Arbat Prestige". Und zu seinem Imperium gehörte auch die Bergbau- und Metallurgie Gesellschaft Ural (Óðàëüñêàÿ ãîðíî-ìåòàëëóðãè÷åñêàÿ êîìïàíèÿ - ÓÃÌÊ) mit einem Jahresumsatz 2007 von 193 Milliarden Rubel (4,5 MIlliarden Euro).

Kalmanowitsch war drei mal verheiratet, zuletzt 2005 mit der Basketballspielerin Anna Archipowa.

Nach dem Attentat auf "Japontschik"-Iwankow wurde spekuliert, dieser Anschlag sei entweder Teil eines Unterweltkrieges - oder darauf gezielt, einen solchen auszulösen.



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