Abwrackprämie sei Dank: Derartige Immobilien können für ihre Besitzer jetzt plötzlich wieder an Wert gewinnen (Foto: ld/.rufo)
Dienstag, 09.03.2010
Abwrackprämie soll Russlands Automarkt anschieben
Moskau. Anderswo sind diese Antikrisen-Programme schon ausgelaufen, in Russland geht es jetzt erst los: Besitzer von Uralt-Autos können sich dem Kauf eines Neuwagens mit 50.000 Rubel (ca. 1235 Euro) fördern lassen.
Die in den letzten Jahren vom Boom so verwöhnte russische Autobranche musste im Krisenjahr 2009 einen besonders harten Fall hinnehmen: Produktion wie Verkäufe brachen um 50 Prozent ein. Autogigant Avtovaz stürzte daraufhin in seine bisher tiefste Krise, bei Izh und GAZ kam die Pkw-Produktion zum Stillstand.
Bislang förderte der Staat die Lust auf einen Neuwagen nur mit einer teilweisen Subventionierung der Kreditzinsen beim Kauf von Neuwagen bis 600.000 Rubel (14.800 Euro). Nun soll die deutsche Erfindung der Abwrackprämie zusätzlich Schwung in den Automarkt bringen.
Kein Milliarden-Geschenk
Ein antizyklischer Autoboom wie in Deutschland ist dadurch allerdings nicht zu erwarten: Zum einen hat der Staat für das Programm nur 10 Mrd. Rubel bewilligt – also etwa 5 Prozent von dem, was der Bundesregierung vor den Wahlen die Stimulierung der Autoleidenschaft ihrer Bürger wert war. Stattdessen wurde ein Programm zur Investitionsförderung aufgesetzt, dass der heimischen Autoindustrie bis 2020 auf die Beine helfen soll.
Das am Montag gestartete russische Abwrack-Programm reicht demnach für 200.000 Autos – was allenfalls ein Impuls sein kann, um den im vergangenen Jahr auf 1,37 Mio. Verkäufe geschrumpften Markt wieder zu reanimieren. Auch die Zahl der an Straßenrändern verrottenden Mehr-oder-weniger-Autowracks wird sich dadurch kaum spürbar ändern: Nach Aussage von Industrieminister Viktor Christenko soll es in Russland 14 Mio. über zehn Jahre alte Autos geben.
Abwracken geht nur in der Hälfte des Landes
Zudem ist die Abwrackprämie regional eingeschränkt. Nur in 43 der über 80 russischen Regionen gibt es Autoverwerter, die beim Verschrotten eines Altautos das entsprechende Zertifikat ausgeben dürfen.
Und schließlich sind die Anforderungen an das Autowrack wie auch den gewählten Neuwagen strenger: Das verschrottete Auto muss mindestens zehn Jahre alt sein (und wie in Deutschland zuvor ein Jahr in der Hand des letzten Halters gewesen sein).
Der erwählte Neuwagen darf hingegen nur aus russischer Produktion stammen – wobei das Wirtschaftsministerium Wert darauf legt, dass es sich um eine Komplettfertigung und keine „Schraubenziehermontage“ auf russischem Boden handelt.
Subventioniert werden somit alle Fahrzeuge der heimischen Hersteller Avtovaz (Lada), Sollers (UAZ, Fiat, Ssangyong), GAZ, Tagaz (Tagaz und drei Hyundai-Modelle) und Izhavto (zwei Kia-Modelle).
"Made in Russia" sind wenige Weltmarken
Die weitere Auswahl unter den von Weltkonzernen in Russland gefertigten „Inomarki“ (ausländische Marken) ist dann begrenzt: Nissan Teana und X-Trail, Toyota Camry, Volkswagen Tiguan, Chevrolet Niva, Captiva und Cruze, Opel Antara und Astra, Ford Focus und Mondeo, Renault Logan und Sandero, Skoda Fabia und Octavia - sowie einige Lieferwagenmodelle.
Die wenigsten treuen Besitzer eines Uralt-Ladas oder eines Fahrzeugs der schon lange verblichenen Marke Moskwitsch werden sich aber auch mit dem staatlichen Zuschuss ein derartig schickes Fahrzeug leisten können.
Lada hat das passendste Angebot für Abwracker
Eher profitieren wird da schon Avtovaz mit seiner ausschließlich aus günstigen kleineren Autos bestehenden Produktlinie: Das billigste Angebot des selbst tief in der Krise steckenden Konzerns, der reichlich antiquierte klassische Lada 2105, wird dank eines zusätzlichen Werksrabatts mit der Prämie auf den magischen Preis von 99.000 Rubel (ca. 2.450 Euro) gedrückt.
Das so angeschaffte Auto ist dann zwar nicht unbedingt moderner und sparsamer als der verschrottete Vorgänger, hat aber immerhin doch einen Katalysator und erfüllt die Euro-3-Norm.
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)