Wieder unter Dampf? Russlands Wirtschaft erholt sich dank höherer Ölpreise vom Schock (Foto: Djatschkow/.rufo)
Mittwoch, 21.10.2009
Beschlossene Sache: Rezession in Russland beendet
Moskau. Die Krise ist vorbei, es geht wieder voran mit der russischen Wirtschaft. Das versprechen Finanz- und Wirtschaftsministerium in seltener Einigkeit. Die Börse reagiert verhalten, hat aber zuletzt schon vorgejubelt.
Statistisch gesehen ist die Rezession vorbei. Im dritten Quartal ist die russische Volkswirtschaft (gemessen am BIP) nach Angaben des Wirtschaftsministeriums um 0,6 Prozent gegenüber dem zweiten Quartal gewachsen. Dabei konnte auch der September gegenüber dem August noch einmal um 0,5 Prozent zulegen.
„Ende der Rezession“
Schon kurz vor dem Bekanntwerden der Zahlen hatte Finanzminister Alexej Kudrin das Ende der Rezession verkündet: „Unabhängig von den Daten bekräftige ich, dass das dritte Quartal ein Wachstumsquartal im Vergleich zum zweiten Quartal sein wird. Wir können vom Ende der Rezession reden“, sagte er.
Im Vergleich zum Vorjahr ist das Minus allerdings immer noch gewaltig. Auch im dritten Quartal ist das BIP weit hinter den Vorjahreskennziffern zurück. Das Minus liegt bei 9,4 Prozent.
Allerdings kann Russland, wenn nichts Gravierendes geschieht, darauf hoffen, im vierten Quartal das Minus gegenüber dem Vorjahr deutlich abzuschwächen. Ende 2008 hatte die russische Volkswirtschaft nämlich eine wahre Vollbremsung hingelegt – ausgelöst durch den niedrigen Ölpreis und die geringe Nachfrage nach Rohstoffen.
Auch das jetzige Wachstum beruht zum Großteil auf äußeren Faktoren. Der Ölpreis hat in dieser Woche erstmals (wenn auch kurzfristig) wieder die 80-Dollar-Marke überschritten. Vom Tiefstand bei 30 Dollar pro Barrel ist der Markt weit entfernt. Die Binnenkonjunktur dagegen ist mau, die hohe Arbeitslosigkeit lässt bei den Russen keine Käuferstimmung aufkommen – einzig der Wodka konnte in diesem Jahr seinen Absatz um fünf Prozent steigern.
Hoffen auf die Zukunft
Der stellvertretende Wirtschaftsminister Andrej Klepatsch hofft, dass das BIP bereits im vierten Quartal noch einmal deutlich anzieht und drei bis vier Prozent über den jetzigen Quartalszahlen liegt.
Anfang nächsten Jahres könne sich das Wachstum allerdings noch einmal eine Auszeit gönnen, warnte Klepatsch. Doch im Jahresverlauf sollte das BIP „mit großer Wahrscheinlichkeit um die zwei Prozent oder sogar darüber liegen“, sagte er.
Aktionäre nehmen Gewinne mit
Die russischen Aktienindizes reagierten auf die Prognosen gar nicht. Der dollarbasierte RTS liegt mit knapp einem Prozent im Minus, die in Rubel handelnde Micex-Börse weist sogar ein Minus von knapp zwei Prozent auf.
Dennoch herrscht bei russischen Anlegern derzeit Goldgräberstimmung. Die Moskauer Börsen haben in diesem Jahr fast 200 Prozent zugelegt, das ist selbst im internationalen Vergleich ein Rekord. Die Börsianer haben die guten Nachrichten aus der Wirtschaft damit schon lange vorweggenommen.
Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)