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Dienstag, 28.07.2009

Warum auf Russlands Strassen pro Jahr 30.000 sterben

Gisbert Mrozek, Moskau. Jahr für Jahr sterben auf Russlands Strassen 30.000 Menschen. Die Bevölkerung einer Kleinstadt wird ausgelöscht, weil das grosse Russland Raumschiffe, aber keine sicheren Strassen und Autos bauen kann.

Nach Angaben des russischen Verbandes der Unfallopfer liegt die Zahl der Verkehrstoten zwischen 30.000 und 35.000.

Natürlich redet man offiziell nicht gerne über solche Zahlen. Wenn Innenminister Raschid Nurgalijew oder der oberste Verkehrspolizist des Landes zum Lagebericht antreten, dass sprechen sie lieber davon, dass wieder einmal die Zahl der Unfälle und Todesfälle im Strassenverkehr abgenommen habe. Dass es da in einem Monat „nur noch“ 1.700 Verkehrstote gegeben habe.

Im Moment ist aber Russland geschockt über eine besonders blutige Serie von Verkehrsunfällen. Der Unterschied ist ausserdem, dass diesmal Präsident Medwedew persönlich Aufklärung und Bekämpfung der Ursachen eingefordert hat.

Und mit grossem Schwung machen sich die Heere der GAI-Verkehrpolizisten wieder einmal daran, für finale Ordnung auf den Strassen zu sorgen – denn daran kann man ja nebenher auch gut in die eigene Tasche verdienen.

Es wird geredet über Disziplin und Gesetzestreue, über unverantwortliche Fahrer, Trunkenheit am Steuer (die aber übrigens weniger als 10 % der Unfallursachen ausmacht), Raserei, Rücksichtslosigkeit und Missachtung der Verkehrsregeln.

Bei Russland-Aktuell
• Serie tödlicher Verkehrsunfälle - diesmal 11 Tote (28.07.2009)
• 20 Tote: Frontalzusammenstoss Reisebus und Benzin-LKW (24.07.2009)
• Polizeibeamter verbrennt in gestohlenem Sportwagen (24.07.2009)
• Bewährung für betrunkenen Kripo-Todesfahrer bestätigt (20.07.2009)
• Oberster Richter als Verkehrssünder unterwegs: 3 Tote (13.07.2009)
Aber über zwei Dinge wird wenig oder gar nicht geredet: Über den beklagenswerten Zustand der Strassen und Autos und über offensichtlich unsinnige und unfallträchtige Verkehrsregelungen an vielen Orten, die nur einem Zwecke dienen: dem privaten Zusatzeinkommen der GAI.

Eine Fahrt auf der Fernstrasse M-1 von Moskau nach St.Petersburg gleicht einem Kampf auf Leben und Tod. Zwar hat die Krise Erleichterung gebracht. Die Masse der Importwaren, die natürlich nicht per Bahn, sondern per LKW in einem nicht endenden Strom nach Moskau geschafft werden, ist weniger geworden. Die Hauptschlagader der Verkehrswirtschaft des Landes ist ein wenig entlastet.

Abgesehen davon, dass es auch auf dieser Strecke seit Jahrzehnten Engpässe gibt, hinter denen sich die LKWs (und PKWs) auf Dutzenden von Kilometern aufstauen – auf etwa der Hälfte der 700 km langen Strecke gibt es keinen Mittelstreifen und keine Leitplanken.

Bei Russland-Aktuell
• Zu elft im Lada Samara: Eine Tote bei Unfall (06.07.2009)
• Zebrastreifen: Höhere Strafen sollen Fußgänger schützen (23.04.2009)
• Lkw rammt Reisebus: Unfall fordert 14 Tote bei Wladimir (26.03.2009)
• 6 Tote – 6 Jahre Haft: Urteil gegen Marschrutka-Fahrer (19.03.2009)
• Autofahrer schießt nach Unfall auf seinen Unfallgegner (11.03.2009)
Die Folge sind entsetzliche Unfälle – über die -bisher zumindest- nie berichtet wurde.

Es gebe vor allem zwei Grundübel in Russland, erzählen viele Russen mit Vergnügen: schlechte Strassen und zu viele Dummköpfe. Und das Schlimmste seien eben zu viele Dummköpfe auf schlechten Strassen. Zumindest für das zweite Grundübel ist der Staat verantwortlich.

Bei Russland-Aktuell
• Von Moskau zum Flughafen Scheremetjewo in 6 Minuten (24.07.2009)
Ganz neu ist diese Einsicht allerdings auch nicht. Inzwischen scheint endlich auch geklärt, wer mit ihr das grosse Geschäft machen kann. Ein neues Gesetz erlaubt Privatinvestitionen im Strassenbau – und die Erhebung von Mautgebühren auf den Privatstrassen.

Bis 2015 soll eine neue Fernstrasse Moskau - St.Petersburg fertiggestellt werden.

Die Probleme auf den anderen Strassen bleiben noch länger. Bis 2015 werden in Russland etwa 150.000 Menschen auf den Strassen zu Tode gekommen sein.



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