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Anerkannt und doch kaum bekannt: die Psychiaterin Sabina Spielrein, gespielt von Graziella Rossi. (Bild: Presse/.rufo)
Anerkannt und doch kaum bekannt: die Psychiaterin Sabina Spielrein, gespielt von Graziella Rossi. (Bild: Presse/.rufo)
Montag, 10.09.2007

Das vergessene Schicksal der Sabina Spielrein

St. Petersburg. Das Schweizer Theater-Ensemble "Rossi Russius & das Saxophon" führt das Stück "Sabina Spielrein" auf. Es erzählt das Leben der Psychiaterin Sabina Spielrein, einer der ersten Ärztinnen Russlands.

Die Produktion des Zürcher Stadelhofen-Theaters mit Graziella Rossi (Schauspielerin) und Raphael Camenisch (Saxophon) beleuchtet ein Stück russisch-jüdischer Geschichte, dessen Spuren bis in die Schweiz, nach Österreich und Deutschland führen:

Sabina Spielrein (1885-1942) wurde im südrussischen Rostow am Don als Tochter eines Kaufmanns und einer Zahnmedizinerin geboren. 1904 erkrankte sie an "Hysterie" und kam in die Zürcher Anstalt "Burghölzli", wo sie von C.G. Jung behandelt wurde.

Erst Patientin, dann selbst Psychiaterin



Sie wurde geheilt, studierte an der Uni Zürich Medizin und promovierte 1911 mit einer Dissertation "Über den psychologischen Inhalt eines Falles von Schizophrenie". Sie beschäftigte sich außerdem als Psychoanalytikerin mit der Seelenwelt der Kinder.

Wo das Stück gezeigt wird
Aufführungen am 10. und 11. September jeweils um 19 Uhr im Theater der Generationen, Naryschkin Bastion der Peter-Pauls-Festung, Tel. 8-911-810-04-08.
Während eines Aufenthalts in Wien kam sie in Kontakt mit Siegmund Freud und wurde als erste Frau in die "Psychoanalytische Vereinigung aufgenommen. 1923 kehrte sie ins sowjetische Russland zurück und begann als führende Spezialistin auf ihrem Gebiet am Psychoanalytischen Institut in Moskau zu arbeiten.

1936: Verbot der Psychoanalyse



Mit der zunehmenden Repression des kommunistischen Regimes geriet in den 30er Jahren auch die Wissenschaft unter Druck, und 1936 wurde die Psychoanalyse verboten.

Spielrein, die schon 1924 nach Rostow am Don zurückgekehrt war, arbeitete fortan als Ärztin und Pädagogin, veröffentlichte aber weiterhin Texte zur Psychoanalyse im Westen. 1942 wurde sie zusammen mit einem Großteil der jüdischen Bevölkerung Rostows und ihren beiden Töchtern von den deutschen Besatzern ermordet.

Spielrein wurde von Freud und Jung anerkannt



Jung und Freud, die Spielrein persönlich sehr gut kannte, erkannten sie als Spezialistin an und übernahmen ihre Theorien. Trotz allem erlangte die Russin niemals den Bekanntheitsgrad ihrer beiden Kollegen. Erst durch den Dokumentarfilm "Ich heiße Sabina Spielrein" (2002/2003) wurde sie von einem breiten Publikum entdeckt.

Mit zwei Aufführungen stellt der Regisseur Klaus Henner Russius mit seiner Produktion nach dem biografischen Roman "Sabina" von Karsten Alnaes und Musik von Asgeir Skrove und Raphael Camenisch nun diese interessante Persönlichkeit dem Petersburger Publikum vor.

(eva/rufo/St. Petersburg)

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