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Ex-Minister Schwydkoi ist beleidigt (Foto: Schitenjow/.rufo)
Ex-Minister Schwydkoi ist beleidigt (Foto: Schitenjow/.rufo)
Mittwoch, 29.06.2005

Ex-Kulturminister klagt gegen Minister

Moskau. Ein schwelender Konflikt in der russischen Regierung ist offen ausgebrochen. Der Chef der Film- und Kulturbehörde Schwydkoi will seinen Vorgesetzten, Kulturinister Sokolow, vor Gericht bringen.

Am Samstag hatte Sokolow seinem Untergebenen Schwydkoi, dem Leiter der Föderalen Agentur für Kultur und Filmkunst in einer Fernsehsendung „blühende Korruption auf allen Etagen“ seiner Behörde vorgeworfen. Er werde den Minister wegen Verleumdung verklagen, konterte Schwydkoi. Dieser wolle der Agentur nur die Verfügungsgewalt über Haushaltmittel wegnehmen. Nach Wladimir Putins Verwaltungsreform ist das Kultur-Ministerium für Politik und Strategie zuständig. Die Finanzierung der einzelnen Bereiche obliegt dagegen Schwydkois Agentur.

Späte Rache des kleinen Mannes?

Bei Russland-Aktuell
• Piotrowski: Beutekunstdiskussion kontraproduktiv (01.03.2005)
• Beutekunst, kleine Münze der großen Politik (28.02.2005)
Vor Putins Verwaltungsreform war Sokolow Rektor des Moskauer Konservatoriums und Schwydkoi Kulturminister, das heißt dessen Vorgesetzter gewesen. Schwydkoi ist ein „Westler“, der unter anderem für die Rückführung der „Beutekunst“ nach Deutschland eintritt. Sokolow ist strikt dagegen. Sokolow ist ein zugeknöpfter professoraler Typ, während Schwydkoi mit einem Rollkragenpullover bekleidet zwei beliebte Kultursendungen im Fernsehen moderiert.

Eigentlich war Schwydkoi ein guter Minister, und es gab keinerlei Grund für seine faktische Degradierung. Der Musikprofessor Sokolow ist dagegen gesichts- und profillos. Als er sein Programm für das nächste Jahr in einer Regierungssitzung vortrug, unterbrach der Minister für Katastrophenschutz Sergej Schoigu ihn mit der Frage, was aus der russischen Kultur werden solle. Er werde aus dem Vortrag des Kollegen nicht schlau.

Nackter Generalstaatsanwalt als Leiche im Keller

Auf den Gängen des Ministeriums wird indes gemunkelt, Schwydkoi sei Recht geschehen. Er selbst war nämlich unter merkwürdigen Umständen Minister geworden. Vor seiner Ernennung ins Kabinett war der damalige Chef der staatlichen Rundkfunk- und Fernsehgesellschaft WGTRK Ende 1999 als einziger bereit gewesen, Aufnahmen des nackten Generalstaatsanwalts Skuratow in Gesellschaft leichter Mädchen zu zeigen, die der Geheimdienst FSB in einem illegalen Bordell aufgenommen hatte. Skuratow galt als gefährlicher Gegner des scheidenden Präsidenten Boris Jelzin.

Es wird keine Sieger geben

Es werde auf beiden Seiten keine Sieger geben, meinte Schwydkois Stellvertreter, Wladimir Malyschew, zu dem bevorstehenden Rechtsstreit. Es habe zwar keinen Sinn, den Minister zu bekriegen, aber schlucken könne man solche Vorwürfe auch nicht. „Ich würde mich an Sokolows Stelle entschuldigen, und wir würden die Entschuldigung akzeptieren“, sagte Malyschew.

(adu/.rufo)


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