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| Repins Nonne ist auch in der Tretjakow-Galerie zu bewundern (Foto: Archiv) | |
Donnerstag, 01.06.2006
Tretjakow-Galerie feiert runden Geburtstag
Moskau. Die Staatliche Tretjakow-Galerie feiert seit dem 22. Mai ihren „runden“ Geburtstag. An diesem Tag hatte der Gründer Pawel Tretjakow vor 150 Jahren sein erstes Bild für 450 Rubel erstanden.
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Ausstellungen, die man sonst nur selten oder gar nicht zu sehen bekommt, lösen sich derzeit in Moskau ab. Ein Besuch im alten Haus mit der „Marzipanfassade“ hinter der Moskwa lohnt sich immer.
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Meisterwerke aus der Provinz
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Die Jubiläumsausstellung im Neubau gegenüber dem Haupteingang zum Gorkipark darf man aber auf keinen Fall verpassen. Dort wurde jetzt die Creme de la creme aus russischen Provinzmuseen zusammengetragen, Bilder der berühmten Realisten Schischkin, Lewitan, Sawrassow und Repin. Die Großen der russischen Avantgarde wie Maschkow, Malewitsch und Jawlenski wurden zu Sowjetzeiten als „formalistische“ Kunst in den Hauptstädten vernichtet oder gestohlen und blieben oft nur in der Provinz erhalten.
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Ursprünglich entstammten viele der ausgestellten Gemälde Pawel Tretjakows Sammlung. Auf Beschluss von „Partei und Regierung“ wurden sie später „als Grundstock für nationale Museen“ in die Randgebiete des Sowjetimperiums geschickt. Einige - wie die Sammlung der Gemäldegalerie in Grosny - verschwanden im Chaos der postsowjetischen Zeit auf Nimmerwiedersehen. Andere kehrten nun für zwei bis drei kurze Sommermonate nach Moskau zurück.
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Feinschmeckerkost aus Vorratsbeständen
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In der Kleinen Manege hinter der Staatsduma ist bis 8. Juni noch eine Ausstellung aus eigenen Vorratsbeständen der Galerie zu sehen. In der ständigen, allgemein zugänglichen Exposition werden nur fünf Prozent der seit Jahrzehnten angehäuften Schätze ausgestellt. Die Jubiläumsausstellung bietet die seltene Gelegenheit, einen Blick auf 120 Gemälde zu werfen, die man sonst nur aus Bildbänden oder vom Hörensagen kennt.
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Man findet darunter russische Klassiker, „sozialistische Realisten“ und Avantgardisten wie Petrow-Wodkin. Die Moskauer Stadtregierung steuerte 15 Werke der sowjetischen Alternativen Malerei der 1960er und 70er Jahre aus der Sammlung des bekannten Nonkonformisten Wladimir Nemuchin bei.
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Tretjakow feiert erst 110., jetzt 150. und bald 90. Geburtstag
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Mit den Geburtstagen der Tretjakow-Galerie ist es kompliziert. Erst vor drei Jahren hatte Moskau den 110. Jahrestag der nationalen Gemäldegalerie gefeiert. Nun begeht sie bereits den 150. Jahrestag. Für den seltsamen Zeitsprung gibt es eine einfache Erklärung. Tretjakow hatte seine Sammlung 1892 der Stadt Moskau geschenkt. Zwar geht auch diese Rechnung noch nicht ganz auf, aber auch das hat seinen Grund. Allgemein zugänglich wurde die Galerie erst ein Jahr später.
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In zwei Jahren wird die Staatsgalerie dann 90 Jahre alt. Am 8. Juni 1918 unterschrieb Wladimir Lenin ein Dekret über deren Nationalisierung. Die Jubiläen bestätigen den alten Spottspruch, Russland habe eine unberechenbare Vergangenheit.
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Die Russen feiern gern, und für Kustoden ist jeder Gründungstag, egal nach welcher „Zeitrechnung“, ein willkommener Anlass, der Staatsführung etwas Geld für das Museum abzuluchsen.
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Schocktherapie unterbrach die Renovierung
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1993 fiel der 100. Geburtstag der Tretjakow-Galerie weitgehend ins Wasser. Sie war damals seit 1986 für Besucher geschlossen. Die längst fällige Renovierung wurde während der Gorbatschowschen Perestroika begonnen, als nach einem Schlag mit dem Hammer gegen die Wand im ersten Obergeschoss Wasser aus dem morschen Mauerwerk quoll.
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Als erstes wurde die Lagerhalle gebaut, wo die ganze Sammlung für die Zeit des Umbaus Platz finden sollte. Dann kamen die „Schocktherapie“ und die galoppierende Inflation, und das Geld war plötzlich alle.
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Der Moskauer Oberbürgermeister Juri Luschkow gab zu verstehen, dass er bereit wäre, den Umbau abzuschließen, denn Pawel Tretjakow hatte seine Sammlung ja der Stadt geschenkt. Nur müsste die russische Zentralregierung auf ihren aus Lenins „illegalem“ Nationalisierungsdekret abgeleiteten Besitzanspruch verzichten. Das wollte aber der Kreml nicht.
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Was der Galeriegründer einst der Stadt geschenkt hatte, war in der Folgezeit nicht zuletzt durch Enteignungen privater Sammler auf das ...zigtausendfache des ursprünglichen Bestandes angewachsen. Das störte übrigens niemanden. Die größten Museen der Welt seien aus geraubten Schätzen entstanden, hieß es.
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Jelzin und Heilige Jungfrau halfen aus der Patsche
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Jahrelang gelangte man nur „durch Beziehung“ ins Lager. Die zierliche Hauptkustodin Lydia Romaschkowa zog riesige, auf leichtgängigen Rollen gelagerte Rahmen mit weltbekannten Bildern mit nur einer Hand aus dem Regal. Das machte auf VIP-Besucher enormen Eindruck, half aber nicht weiter, bis es endlich gelang, den damaligen Präsidenten Boris Jelzin zu dem bereits erwähnten 100. Gründungstag in die Galerie zu locken. Vor der berühmten Ikone der Heiligen Gottesmutter von Wladimir sitzend unterschrieb er publikumswirksam die Geldanweisung.
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Der Umbau wurde abgeschlossen. Siemens lieferte auf die Bedürfnisse der Galerie zugeschnittene Klimaanlagen. Verwinkelte alte Gänge wurden begradigt. Der Innenhof bekam ein Glasdach. Eigentlich wurde hinter der berühmten alten Märchenfassade möglichst schonend eine völlig neue Galerie erbaut. Bemerkenswerte Geschichten, die sich dabei ereigneten, können Museumsmitarbeiter heute noch tagelang erzählen.
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(adu/.rufo)
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