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Dienstag, 21.08.2007

BBC verliert UKW-Frequenz in Russland

London/Moskau. Radio BBC hat seine UKW-Frequenz in Russland verloren. Der Moskauer Sender Bolschoje Radio erklärte, dass er keine BBC-Programme mehr übernehmen werde. In Moskau wird ein politischer Hintergrund dementiert.


Der Eigentümer von Bolschoje Radio - die Finanzgruppe Finam - habe zur Begründung ausgeführt, russische Behörden hätten mit einem Entzug der Lizenz gedroht, wenn die Ausstrahlung der BBC-Programme nicht beendet werde, berichtet BBC World.

BBC auf Druck der Behörden aus dem Programm genommen



In den Mahnschreiben der Regulatoren, die Finam erhalten habe, werde auf eine angebliche Lizenzbedingung Bezug genommen, wonach alle Programme vom Sender selbst produziert werden müssten. Jedoch habe Bolschoje Radio 2006 in seinen Konzeptpapieren klar angegeben, dass Eigenproduktionen nur 60 Prozent des Gesamtprogramms ausmachen würden, so die BBC.

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Auch sei darin festgehalten, dass 18 Prozent aus dem Ausland zugekauft würden. Auf dieser Basis habe der Sender die Lizenz erhalten. Daher werde man an die russische Kultur- und Medienaufsicht appellieren, die Entscheidung zurückzunehmen und das ursprüngliche Konzept des Radiosenders zu akzeptieren.

"Unparteiisches Informationsprogamm"



Die BBC habe viel Energie und Kapazität in die Entwicklung hochwertiger Programme für den Sender gesteckt, erklärte BBC-Global-News-Direktor Richard Sambrook. Man sei sehr enttäuscht, dass die russischen Hörer das „unparteiische und unabhängige Informationsprogramm“ der BBC nicht mehr über UKW hören könnten.
Die russischen Radioprogramme der BBC könnten aber unter der Internetadresse www.bbcrussian.com als Audiostream weiter empfangen werden, teilte die Sendeanstalt mit. Außerdem seien sie über Kurz- und Mittelwelle und über Satellit zu empfangen.

Russland dementiert politische Gründe für Abschaltung



Der Leiter der föderalen russischen Agentur für Medien und Kultur, Boris Bojarskow, dementierte unterdessen einen Zusammenhang zwischen der Abschaltung des russischen Dienstes der BBC und der sogenannten Litwinenko-Affäre.

Nach einem Bericht der Internetseite „Mediacratia.ru“ vom 21. August erklärte Bojarskow: „Das ist ein absolut gewöhnlicher Fall, der überhaupt nicht mit den gespannten Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien zusammenhängt, umso mehr, weil der russische BBC-Dienst kein britisches, sondern ein russisches Medium ist.“

Bojarskow sagte, Bolschoje Radio hätte bei der Vorstellung seines Konzepts gegenüber den Behörden angeben müssen, dass auf den Frequenzen des Senders die Programme von BBC und Stimme Russlands - des russischen Rundfunk-Auslandsdienstes - ausgestrahlt würden. Dies sei nicht geschehen, daher sei der Sender verwarnt worden, teilte der Leiter der Agentur mit.

Damit BBC und Stimme Russlands den Sendebetrieb wieder aufnehmen können, müsse Bolschoje Radio bei der nächsten Konzeptvorstellung darauf hinweisen, dass die entsprechenden Programme dort liefen. „Noch ist kein solcher Vorschlag bei uns eingegangen“, sagte Bojarskow.

Zusammenhang mit der Litwinenko-Affäre?



In britischen Medien war nach der Abschaltung gemutmaßt worden, dass die Maßnahme in Zusammenhang mit den schlechten Beziehungen zwischen Moskau und London stehe. Nach der Ermordung des nach Großbritannien übergelaufenen ehemaligen Geheimagenten Alexander Litwinenko im November 2006 hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Staaten deutlich abgekühlt.

Scotland Yard verdächtigt den russischen Geschäftsmann Andrej Lugowoi des Mordes und fordert Russland zur Auslieferung auf. Moskau weigert sich und beschuldigt seinerseits den in London lebenden Exil-Oligarchen Boris Beresowski des Mordes. Wegen der Litwinenko-Affäre haben beide Länder bereits mehrere Diplomaten der jeweils anderen Seite ausgewiesen.

(ab/rid/epd/.rufo)


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