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| Manche TV-Programme sind nicht besser, als das Rauschen nach Sendeschluss (Foto: Schdanow/.rufo) | |
Dienstag, 21.12.2004
Regierung: Das Fernsehen macht Bürger zu Idioten
Moskau. Eine Sitzung der russischen Regierung zum Thema Kulturpolitik endete mit massiver Medienschelte und heftiger Kritik an dem zuständigen Minister Alexander Sokolow. Verteidigungsminister Sergej Iwanow warf dem Fernsehen vor, die Bevölkerung zu Idioten zu machen.
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Iwanow nannte dabei namentlich die vulgäre Comedy-Show "Anschlag" des Staatssender "Rossia". Dem Kulturministerium warf Iwanow vor, nichts gegen diese "Debilisierung der Zuschauer" zu unternehmen. Immerhin, so der Verteidigungsminister, gebe es in letzter Zeit wieder mehr Filme über die Armee mit patriotischer Grundeinstellung.
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Der russische Regierungschef Michail Fradkow bemängelte, dass das Fernsehen und auch die Presse von Schwarzmalerei dominiert seien. "Wir müssen die Ursachen dafür analysieren, warum Negativberichte den Bildschirm überschwemmen", so Fradkow. Womöglich handele es sich um eine "Provokation", sagte der Premierminister, "oder um eine Geringschätzung unserer Gegenwart oder unserer Zukunft, was noch schlimmer wäre".
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Werbegelder bestimmen das Programm
Der wegen seines angeblich mangelnden Einsatzes öffentlich kritisierte Sokolow rechtfertigte sich damit, seine Behörde habe weder das Geld noch die Macht, um die Lage wirklich zu beeinflussen. Solange große Werbegelder in Sendungen wie die "Anschlag"-Show flössen, müsse man sie wohl oder übel weiter ertragen. "Wir können den Medien nicht vorschreiben: tut dies und lasst jenes", so Sokolow, dessen Behörde seit einer Regierungsreform im Frühjahr auch für Medienfragen zuständig ist.
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Die Moskauer Presse reagierte mit gemischten Gefühlen auf den nahezu zweistündigen öffentlichen Schlagabtausch im Kabinett. Womöglich sei das Ganze nur ein Manöver, um von dem Skandal um die teilweise Zwangsversteigerung des Ölkonzerns Yukos und das eingebrochene Wirtschaftswachstum abzulenken, spekulierte die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta".
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Seit dem Machtantritt von Präsident Putin befinden sich alle größeren Fernsehsender Russlands wieder unter weitgehender Kontrolle des Staates.
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Während in der politischen Berichterstattung Kritik an der Führung kaum noch vorkommt und viele Themen mit einem Tabu belegt sind, hat es bei Unterhaltungssendungen in den letzten Jahren kaum Änderungen gegeben. Selbst im Programm der Staatssender gibt es oft schon tagsüber Filme mit extremen Gewaltszenen und diverse "Kriminalnachrichten"-Sendungen. An Feiertagen senden alle Kanäle manchmal gleichzeitig Popkonzerte mit weitgehend denselben Interpreten.
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(epd/kp)
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