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| Guus Hiddink ist riesig stolz auf den russischen Fußball. (Foto: newsru.com) | |
Freitag, 09.10.2009
Hiddink: Wir wollen die Tradition seit Bismarck brechen
Moskau. Russlands Nationaltrainer Guus Hiddink hat Sinn für Humor. Er genießt den verrückten Wirbel vor dem Spiel am Samstag und möchte den Deutschen, die „seit Bismarck bei jedem Turnier dabei waren“, einen Streich spielen.
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Schon eine Woche vor dem Spiel traute Hiddink sich nicht mehr aus seinem Moskauer Hotel: „Jetzt auf die Straße zu gehen, wäre unklug – das Land dreht völlig durch vor dem Qualifikationsspiel zwischen Russland und Deutschland“, schreibt er in seiner regelmäßigen Kolumne im holländischen „De Telegraaf“.
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Er freut sich unheimlich, dass im Luschniki-Stadion alle Plätze ausverkauft sind und die Arena, wäre sie fünf Mal so groß, auch voll bis unters Dach gewesen wäre: „So ein Run ist der Wahnsinn! Nach mehreren Jahren gewissenhafter Arbeit mit der Sbornaja ist einfach geil, was jetzt abläuft!
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Aber wenn ich jetzt den Kopf aus dem Hotel stecke, zerreißen mich die Fans in Stücke, das darf ich nicht vergessen“, ist der Coach sich bewusst. Deshalb bleibt er lieber drin und grämt sich darüber, dass die Moskauer Läden und Restaurants eine Woche ohne ihn auskommen müssen.
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8.000 Milizionäre gegen Krawallbereite Inzwischen verbleibt nur ein einziger Tag bis zum Anpfiff, die deutsche Mannschaft ist eingetroffen und trainiert auf dem Kunstrasen im Olympiastadion in Luschniki, vor dem ganz Deutschland die helle Panik hat.
Warum eigentlich? Einige russische Mannschaften trainieren und spielen dort das ganze Jahr, so wie etwa Spartak und ZSKA – beide hindert der Rasen nicht daran, sich auch in Europa einen Namen gemacht zu haben. Wovor haben die Deutschen so eine Angst, fragt man sich in Russland; das Rasenthema ist doch nichts mehr als Haarspalterei!
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Kein Grund zur Angst Ein weiterer Grund, mit einem mulmigen Gefühl nach Moskau zu reisen, ist die immense Milizpräsenz. Allein im Stadion sollen 4.000 Ordnungshüter anwesend sein, weitere 4.000 auf den Straßen der Stadt für Ruhe und Disziplin sorgen.
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Natürlich ist das nicht wenig, aber Polizeipräsenz in Russland gehört (leider) zum Alltag, beim Moskauer Lokalderby zwischen ZSKA und Spartak geht es nicht viel anders zu. Dass die russische Miliz keinen Randalierer mit Samthandschuhen anfassen wird, sollte jedem klar sein, der mit bösen Gedanken im Gepäck anreist.
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Andererseits haben „normale“ Fans nichts zu befürchten – weder die Milizionäre noch die Moskauer Bürger werden irgendwem ein Haar krümmen. Wie sich das Miteinander am Samstag in der Stadt gestaltet, hängt auch vom Gast ab: Wer sich an die Regeln hält und sich normal benimmt, kann mit Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft rechnen.
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Auch beim Public Viewing in einer Moskauer Bar braucht keiner Angst zu haben – da wird eher ordentlich zusammen gefeiert als geprügelt. Ein ganz anderes Problem ist: Es gibt so gut wie keine Plätze mehr vor den öffentlichen Bildschirmen. Inzwischen nimmt so manche Bar für die letzten freien Sitze ein Eintrittsgeld von bis zu 40 Euro…
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„Wir wollen durch die Vordertür nach Südafrika!“ Aber nochmals zu Hiddink und seinem Humor. Tatsache ist: Deutschland hat noch kein ernsthaftes Turnier verpasst, weder EM noch WM. Von 72 Qualifikationsspielen zu Weltmeisterschaften hat das Bundesteam nur zwei verloren, sagt die Statistik. „Seit den Zeiten Otto von Bismarcks eben“, kommentiert der russische Nationaltrainer diese Tatsache mit einem Augenzwinkern.
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Das fußballerisch erstarkte Russland möchte gern als Gruppenerster zur WM nach Südafrika reisen, oder, wie Hiddink es formuliert, „durch die Vordertür“: „Wir haben auch die Hintertür offen, aber wir würden gerne durch die Vordertür gehen.“
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Dazu verpflichtet der große Stolz, den das ganze Land für seine Sbornaja empfindet. Vorbei sind die zähen Zeiten, als das Spiel der russischen Kicker nur ein müdes Gähnen auslöste. Heute ist das fußballerische Nationalbewusstsein so erstarkt, dass nicht mal das „Fußballmonster“ Deutschland unbesiegbar erscheint.
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Das Schöne an dem Spiel morgen ist aber auch: Egal, wer verliert, beide Nationen haben reelle Chancen, das Ticket zur WM-2010 noch zu lösen, denn auch die jeweils Gruppenzweiten können durch die Relagation noch auf den Zug aufspringen – oder eben durch die bereits erwähnte Hintertür schlüpfen.
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