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Diese ATR 72-Flieger sollen wieder zwischen Warschau und Kaliningrad kursieren wie schon 2002-2008. (Foto: LOT)
Diese ATR 72-Flieger sollen wieder zwischen Warschau und Kaliningrad kursieren wie schon 2002-2008. (Foto: LOT)
Dienstag, 13.10.2009

Kaliningrad: Polens Airline LOT nimmt Linienbetrieb auf

Kaliningrad. Die polnische Fluggesellschaft LOT kehrt nach Kaliningrad zurück. Geplant sind neben einer täglich bedienten Linie Warschau-Kaliningrad künftig auch Direktflüge zwischen der russischen Exklave und Westeuropa.

Wie es auf der Website von LOT heißt, fiel die Entscheidung nach dem Insolvenzantrag der Kaliningrader Airline KD Avia.

Deren offensive Strategie, russische und westeuropäische Ballungsräume zu verbinden, hatte im vorigen Jahr zum Rückzug der Polen aus Kaliningrad geführt - die 2002 eröffnete Warschau-Linie war im Schatten der russisch-deutschen Direktverbindungen unrentabel geworden.

Jetzt steigt LOT wieder ein - und will offenbar auch Teile jenes Konzeptes aufgreifen, mit dem KD Avia gerade eine Bruchlandung hingelegt hat: Direktflüge von Kaliningrad nach Deutschland und Westeuropa.

Vorerst bleibt es aber noch bei der Linie Kaliningrad-Warschau, die ab 16. November täglich mit Turboprop-Maschinen vom Typ ATR 72 und 42 bedient werden soll. Die Abflugzeiten in Warschau schwanken je nach Wochentag zwischen 11.10 und 13.50 Uhr, retour aus Kaliningrad zwischen 14.10 und 16.50 Uhr Ortszeit.

Der Ticketverkauf hat bereits begonnen. Der Preis liegt nach LOT-Angaben bei umgerechnet 180 Euro für Hin und Zurück.

Das Hauptproblem bei KD-Avia war nie der Markt, sondern das Management (Foto: Plath/.rufo)
Das Hauptproblem bei KD-Avia war nie der Markt, sondern das Management (Foto: Plath/.rufo)
"Die Situation auf dem Passagierflugmarkt ändert sich sehr schnell", sagt LOT-Präsident Sebastian Mikosz zum "Relaunch" des polnischen Kaliningrad-Geschäfts.

"Ebenso flexibel muss man darauf reagieren, wenn man seine Position behaupten will. Als wir erfuhren, dass KD Avia seine Tätigkeit eingestellt hat, haben wir uns schnell entschieden, Kaliningrad wieder in unseren Flugplan aufzunehmen. Und wir können über Warschau Verbindungen in alle großen europäischen Städte anbieten."

Auch Lufhansa zeigt Interesse


Nach der befürchteten Flaute auf dem Kaliningrader Flughafen Chrabrowo im Strudel der Pleite von KD Avia sieht es derzeit nicht gerade aus.

Auch die Lufthansa ist jetzt offenbar an der Aufnahme von Linienflügen zwischen deutschen Airports und Kaliningrad interessiert. Erste Gespräche darüber sollen im russischen Transportministerium bereits geführt worden sein.

Stärker engagieren will sich in den internationalen Kaliningrad-Verbindungen auch Air Baltic. Die lettische Fluggesellschaft bedient aktuell bereits mehrere Linien zwischen der russischen Exklave, Deutschland und dem Baltikum.

In das Inlandsgeschäft ist seit einigen Wochen der russische Billigflieger S7 eingestiegen. Die Airline (ehemals Sibir) bedient mit ihren grünweißen Airbus A 319 vorerst die "Hauptstraße" Kaliningrad-Moskau, weitere Linien sind in Planung.

Bei Russland-Aktuell
• Fluggesellschaft KD Avia stellt den Ticketverkauf ein (02.09.2009)
• Kaliningrad: KD-Avia-Mitarbeiter beenden Proteststreik (27.07.2009)
• Kaliningrad: KD Avia erst zerstückeln, dann übernehmen (26.01.2009)
• Boeing fliegt mit zersplittertem Pilotenfenster (17.01.2009)
• Finanzkrise bedroht Kaliningrads Wirtschaftswunder (19.11.2008)

"Gute Idee, stümperhafte Umsetzung"


Unterdessen gehen die Verhandlungen um die Insolvenz der hochverschuldeten Kaliningrader Airline vor dem Gebietsschiedsgericht weiter.

Gouverneur Georgi Boos goss in in dieser Woche in der Debatte noch einmal kräftig Öl ins Feuer. Die Situation von KD Avia sei "das Resultat einer guten Idee und ihrer stümperhaften Umsetzung", sagte er vor der örtlichen Presse.

Zugleich warf Boos Vorwürfe aus dem KD Avia Managment zurück, die Gebietsregierung habe die Fluggesellschaft nicht ausreichend unterstützt. "Wir haben Hilfe geleistet, immer wieder. Zum Beispiel, als wir im Frühjahr eine Staatsgarantie von 500 Millionen Rubel gewährten und einen Kreditgeber fanden, der dem Unternehmen Geld lieh."

Und weiter wundert sich Boos: "Doch was passierte dann? Der Kredit wurde nicht zurückgezahlt, wir müssen die Bürgschaft nun aus dem Gebietshaushalt begleichen."



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