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Sobtschak und Putin im Mai 1994. (Foto: newsru.com)
Sobtschak und Putin im Mai 1994. (Foto: newsru.com)
Mittwoch, 13.06.2012

Ist Putins Karriere ein „Fehler“ seines Ziehvaters?

Moskau. Andrej Illarionow, einst Berater von Wladimir Putin und heute dessen Gegner, schildert im Blog seine Version von Putins Karrierebeginn – der habe sich als Chauffeur bei Petersburgs Bürgermeister eingeschmeichelt.

Illarionow war von 2000 bis 2005 Putins Wirtschaftsberater, brach dann aber mit ihm und zählt heute zu dessen entschiedensten Gegnern. In seinem Blog erzählt er jetzt seine Version des Karriere-Auftakts des einstigen KGB-Manns Anfang der 1990er Jahre in Leningrad.

“Ich habe kein Geld, aber ein Auto“


Galina Starowoitowa, die bekannte Petersburger Politikerin, die 1998 im Eingang ihres Hauses erschossen worden war, soll Illiarionow diese Story erzählt haben. Danach habe Putin ihr im Frühjahr 1990 nach einer Veranstaltung angeboten, „als ihr Fahrer zu arbeiten“.

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„Mir gefällt sehr, was Sie sagen und was Sie tun, ich möchte Ihnen gerne helfen. Ich besitze keine Mittel, habe aber ein Auto. Ich kann als Fahrer für Sie arbeiten, (…) umsonst.“ Starowoitowa habe dem Mann mit dem „unscheinbaren Gesicht“ mit dem Hinweis eine Abfuhr erteilt, sie würde „lieber mit der Metro fahren“.

Mit dem gleichen Spruch sei Putin dann kurze Zeit später vor Anatoli Sobtschak, dem damaligen Vorsitzenden des Petersburger Parlaments und späterem Bürgermeister, aufgetaucht, und der habe das Angebot angenommen, was Illarionow als „tödlichen Fehler“ bezeichnet, denn damit habe die steile Karriere des heutigen Chefs im Kreml angefangen.

Die offizielle Version lautet (natürlich) anders


Interessanterweise hat die ehemalige Petersburger Abgeordnete der Staatsduma, Marina Salier, eine ähnliche Geschichte früher schon einem Korrespondenten von Russland-Aktuell erzählt. Auch bei ihr sei Putin vorstellig geworden und habe (als arbeitsloses Opfer der DDR-Auflösung) seine Dienste als Chauffeur angeboten.

Auch Salier lehnte ab. Später, als Putin schon Leiter des Amts für Außenbeziehungen der Petersburger Stadtregierung war, hatte sie einen Untersuchungsausschuss des Stadtparlaments über Putins angebliche „Millionenunterschlagungen“ initiiert.
Wie viel Wahrheit in der Story wirklich steckt, sei dahingestellt. Laut „offizieller Biografie“ des russischen Präsidenten begann die Zusammenarbeit zwischen Sobtschak und Putin ganz anders. So sei Sobtschak sein Dozent an der Leningrader Universität gewesen, wo Putin Jura studierte.

Später habe Unirektor Stanislaw Merkurjew, bei dem Putin als Assistent arbeitete, Sobtschak den jungen Mann als „pflichteifrigen Mitarbeiter“ empfohlen. Sobtschak holte ihn dann in den Smolny und machte ihn zum Leiter des Außenamts seiner Regierung.

Von dort startete er seine Traumkarriere, die 2000 in der ersten Wahl zum russischen Präsidenten gipfelte. Inzwischen hat er seine dritte Amtszeit im Kreml angetreten.



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Paulsen-Consult 16.06.2012 - 23:02

Eine nette Geschichte

Wenn sie wirklich wahr wäre, könnte Putin damit wunderbar seine Herkunft aus dem Volk und aus kleinen Verhältnissen und den Mythos des Mannes, der nie aufgiebt, kultivieren. Aber sie stimmt wohl nicht und soviel Phantasie hat nicht mal Putin.


Uwe Niemeier 13.06.2012 - 16:21

Putins Laufbahn

... egal welche Variante von Putins Laufbahn ab 1990 richtig ist - ich sehe weder in der einen noch in der anderen Variante irgendwas verwerfliches oder sensationelles.


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