Wodka ist ein gutes Geschäft in Russland (Foto: Djatschkow/.rufo)
Montag, 20.04.2009
Putins Judo-Trainer Russlands als Wodka-Händler aktiv
Moskau. Putins ehemaliger Judo-Trainer Arkadi Rotenberg ist gut im Geschäft. Ihm gehören, Banken, Häfen, Baufirmen und – wie sich nun herausstellt – auch große Anteile an Russlands staatlich gelenkter Alkoholindustrie.
Rotenberg war lange Jahre der persönliche Trainer von Premier und Ex-Präsident Wladimir Putin. Die Freundschaft mit dem Kremlchef wusste Rotenberg zu nutzen. Zunächst baute er den Judo-Club „Jawara-Newa“ nicht nur sportlich, sondern vor allem finanziell auf; später dann eine Bank. Ihm und seinem Bruder Boris gehört die Petersburger Bank „Sewerny Morskoi Putj“ (SMP).
Putins offenes Ohr für seinen Ex-Judo-Trainer
Den Einfluss Putins würdigte Rotenberg dazu einmal im Interview wie folgt: „In vielen Fällen erlaubt diese Unterstützung, sich ruhig und sicher seinem Geschäft zu widmen.“ Welcher Art diese Unterstützung war, lässt sich nur erahnen.
Mit Hilfe der SMP-Bank haben die Rotenbergs ein kleines Geschäftsimperium aufgebaut. Sie besitzen Anteile an Häfen und Baufirmen. Auch in der Wodka-Produktion sind die Judoka aktiv. Wie sich herausstellte, gehören ihnen Anteile von einer ganzen Reihe Wodka-Brennereien, an denen auch der staatliche Alkohol-Gigant RosSpirtProm beteiligt ist.
Milliardenumsatz in der Alkoholbranche
RosSpirtProm wurde im Jahr 2000 gegründet, um alle staatlichen Aktiva in der Alkoholbranche zu bündeln. Der Staats-Holding gehören 16 Fabriken vollständig, darüber hinaus besitzt RosSpirtProm die Mehrheit an 40 Fabriken und einen Minderheitsanteil an weiteren 35 Brennereien.
Der Umsatz beläuft sich auf rund eine Milliarde Dollar. Damit ist der Staat der größte Alkoholbrenner in Russland – entgegen aller offiziellen Verlautbarungen über einen gesunden Lebenswandel.
Auch Wodkafarbiken haben Finanzprobleme
Zwar läuft das Geschäft mit Alkohol unabhängig von der Konjunktur gut, aber auch die Spirituosen-Branche ist durch Kreditprobleme in einen finanziellen Engpass geraten; die Möglichkeit, auslaufende Kredite über neue zu refinanzieren, gibt es praktisch nicht mehr. So ist RosSpirtProm gegenüber der Staatsbank VTB hoch verschuldet und soll nun ihren Anteil an elf Fabriken abgeben.
Wie die russische Tageszeitung „Wedomosti“ bei der Revision dieser Fabriken festgestellt hat, hat fast überall auch Rotenberg seine Finger im Spiel. So versucht die SMP-Bank die Fabrik BrjanskSpirtProm für Bankrott erklären zu lassen. SMP ist gemeinsam mit der russischen „Internationalen Bank für Handelskooperation“ (MBTS – 41,4 Prozent gehören ebenfalls Rotenberg) und der Russischen Holding-Gesellschaft (RHK – auch hier soll Rotenberg beteiligt sein) größter Gläubiger von BrjanskSpirtProm.
Rotenberg kontrolliert eine Reihe von Firmen
Die drei haben die Brennerei mit einer Produktion von 24 Mio. Liter Spiritus (2007) auf insgesamt 489 Mio. Rubel (elf Mio. Euro) verklagt. Sollte BrjanskSpirtProm für Pleite erklärt werden, erhebe man Anspruch auf das Werkseigentum, erklärte ein Sprecher von SMP.
Darüber hinaus finanziert Rotenberg auch die wesentlich größere Moskauer Likörfabrik „Kristall“. Seit 2004 sind 1,2 Mrd. Rubel (über 27 Mio. Euro) in die Fabrik geflossen. Zudem besitzt Rotenberg über die RHK dort einen Anteil von 5,4 Prozent. Das ist nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der gesamte Aktienwert bei weit über 100 Mio. Euro liegt.
„Einfluss seit langem bekannt“
Neben der Moskauer Wodkafabrik „Kristall“ stellt Rotenberg bei den Likörwerken Astrachan, Jaroslawl und Tscherepowetz, bei MordowSpirt, beim Spirituosenwerk Itkulsk und dem in Smolensk ansässigen Betrieb „Bachus“ jeweils mindestens einen Aufsichtsrat.
Es ist durchaus möglich, dass sich diese Reihe fortsetzen lässt. Unter die Lupe genommen wurden bislang nur die elf zum Verkauf anstehenden Fabriken von RosSpirtProm. Ein Wodka-Händler aus Petersburg erklärte dazu unter dem Siegel der Verschwiegenheit: Es ist lange bekannt, dass Rotenberg auf die eine oder andere Weise die Fabriken von RosSpirtProm kontrolliert.“
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