Die an einer Brücke in Nasran versteckte Autobombe hatte verheerende sprengkraft (foto: NTW/newsru)
Donnerstag, 18.05.2006
Toter Terrorist soll Autobombe gelegt haben
St. Petersburg. Nach dem schweren Bombenanschlag auf den Vize-Polizeichef von Inguschetien fahnden die Behörden jetzt nach einem Terroristen, der angeblich bei der Geiselnahme in Beslan ums Leben gekommen sein soll.
Gefahndet wird jetzt unter anderem nach einem gewissen Ali Tassijew, der im islamistischen Untergrund auch unter dem Tarnnamen Magas auftritt. Tassijew, ein ehemaliger inguschetischer Polizist, soll einer der Kommandeure des Terrorangriffs auf die inguschetische Stadt Nasran gewesen sein, bei dem 2003 etwa 90 Polizisten und sonstige Beamte getötet wurden.
Allerdings wurde er von dem in Beslan als einzigen Geiselnehmer gefangenen Nurpaschi Kulajew sowie anderen danach festgenommenen Kämpfern unter den 31 dort getöteten Terroristen identifiziert, schreibt heute „newsru“. Daraufhin wurde Tassijew-Magas offiziell für tot erklärt.
Gegen Kulajew wird gegenwärtig in Wladikawkas das Urteil verlesen, doch zieht sich dies wegen des enormen Umfangs der Tatbeschreibung über Tage in die Länge.
Bassajew instruiert den kaukasischen Terror-Untergrund
Auf der Webseite „Kawkas-Zentr“ des tschetschenischen Untergrunds erklärte unterdessen ein gewisser Amir Magas, dass es vor einigen Tagen eine Zusammenkunft von Vertretern aller kaukasischer Terror-Zellen mit dem Top-Terroristen Schamil Bassajew gegeben habe. Bassajew habe unlängst in Inguschetien die dortigen Islamisten zu neuen Anschlägen motiviert, schreibt der „Kommersant“ unter Berufung auf Polizei-Informationen.
Die Behörden betrachten den Mordanschlag als Terrorakt, der vom Umfeld Bassajews verübt wurde. Bei der Explosion der Autobombe waren gestern der inguschetische Vize-Polizeichef Dschabrail Kostojew, zwei seiner Neffen, die als seine Leibwächter fungierten, und vier Insassen eines entgegenkommenden Autos getötet worden.
Anschlagsopfer war schon mehrfach im Visier
Auf Kostajew, der zuvor Polizeichef von Nasran war, wurden allein 2005 schon drei Mordanschläge verübt. Auch zahlreiche Verwandte aus seinem Familienclan, von denen viele in den Reihen der Miliz stehen, waren schon Ziel von Anschlägen.
Kostojew war deshalb in einem schweren gepanzerten Geländewagen unterwegs. Der auf 100 Kilogramm TNT geschätzten Sprengkraft der Bombe, die in einem am Straßenrand stehenden Pkw versteckt war, war jedoch auch dieses Spezialfahrzeug nicht gewachsen: Das Auto wurde 25 Meter weit durch die Luft geschleudert, kollidierte mit einem Lada, explodierte und brannte aus.
Nach einem Bericht der „Zeitung „Wremja nowostej“ wird aber inoffiziell auch nicht ausgeschlossen, dass Kostojew Opfer von Blutrache wurde, da er bei seiner Arbeit als Kriminalist und Terrorfahnder mit Verdächtigen nicht gerade zimperlich umgegangen sein soll. (ld/.rufo)
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