Ausländische Studenten fühlen sich in Russland nicht mehr sicher (Foto: Packeiser/.rufo)
Montag, 18.10.2004
Trotz Mordwelle: Ausländerparadies Russland?
Moskau. Trotz einer Welle von Morden an Ausländern hat nach Ansicht des Chefs der russischen Kriminalpolizei, Wladimir Gordijenko, die Zahl militanter Rechtsextremisten in Russland nicht zugenommen. Russland sei das Ausländern gegenüber toleranteste Land der Welt, sagte der Polizei-General Medienberichten vom Wochenende zufolge. „Objektiv betrachtet werden russische Staatsbürger wesentlich häufiger Opfer ausländischer Verbrecher“, so Gordijenko.
In verschiedenen Regionen Russlands waren in der vergangenen Woche drei weitere Ausländer ermordet worden. Unter den Opfern befindet sich auch ein Student aus Vietnam, der in St. Petersburg von einer Gruppe Skinheads überfallen und erstochen wurde. Zuvor waren im laufenden Jahr in St. Petersburg bereits drei andere Studenten aus Afrika und Asien rassistisch motivierten Mördern zum Opfer gefallen.
Schätzungen zufolge gehören landesweit zurzeit etwa 55.000 Personen zur militanten Skinhead-Szene. Nach Auffassung von Kritikern wird rechte Gewalt von den russischen Behörden systematisch verharmlost. In manchen Fällen stehen die Mitarbeiter der Sicherheitskrafte den Gewalttätern offenbar sogar mit regelrechter Sympathie gegenüber.