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Linken-Führer Sergej Udalzow auf dem "Beweisvideo" der Kreml-Aktivistin (Foto: youtube.com)
Linken-Führer Sergej Udalzow auf dem "Beweisvideo" der Kreml-Aktivistin (Foto: youtube.com)
Donnerstag, 28.06.2012

Urteil gegen "Schläger" Udalzow: Er muss Straßen kehren

Uljanowsk. Sergej Udalzow, einer der Koordinatoren und führenden Köpfe der russischen Protestbewegung, ist zu 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden. Er soll eine Jungjournalistin geschlagen haben.

Der Zwischenfall ereignete sich im April in Uljanowsk bei einer Protestdemonstration gegen die Einrichtung einer Nato-Nachschubbasis: Anna Posdnajkowa, eine Aktivistin der Kreml-treuen „Jungen Garde“ und Journalistin, stellte dem Chef der "Linken Front" dabei penetrant provozierende Fragen und nahm das Gespräch zugleich auf ihrem Mobiltelefon auf.

Udalzow bat die Frau, wegzugehen und hat dabei nach eigener Aussage lediglich deren Handycam mit der Hand abgedeckt. Posdnjakowa erklärte jedoch, sie habe im Verlauf des Streits von Udalzow einen Schlag auf den Kopf und gegen die Schulter erhalten, der ihr eine Gehirnerschütterung und eine Prellung eingebracht habe.

Entlastendes Video wurde ignoriert


Das Gericht weigerte sich in dem Prozess, ein Video mit zu den Akten zu nehmen, das Udalzow entlastet: Nach dem angeblichen Schlag ist darauf die junge Frau zu sehen, wie sie – offensichtlich körperlich unversehrt - aufgekratzt herumspringt und stolz allen zuruft, Udalzow habe sie geschlagen.
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• Kreml greift Oppositionsführer an – in deren Wohnungen (11.06.2012)
• Demonstrantenführer Udalzow wieder auf freiem Fuß (24.05.2012)
• amnesty: Udalzow und Nawalny politische Gefangene (18.05.2012)
• Oppositioneller Udalzow: Hungerstreik in Ordnungshaft (15.03.2012)
Die Verteidigung Udalzows will gegen das Urteil Einspruch einlegen. Sollte das Verdikt in Kraft bleiben, so kann der damit vorbestrafte Udalzow die 240 Stunden gemeinnütziger Arbeit auch an seinem Wohn- oder Arbeitsort - also in Moskau - verrichten.

Udalzow sieht in dem Urteil eine „ungesunde Tendenz“: Bisher seien gegen die Oppositionsführer nur Ordnungswidrigkeits-Verfahren fabriziert worden, nun mache die Staatsmacht auch vor falschen Vorwürfen nicht halt, bei denen es um Straftaten geht, sagte er nach dem Urteil.

Neue Protestform? Gemeinsames Straßenkehren


Seine Verteidigerin Violetta Wolkowa kündigte an, dass Udalzows Einsatz als Straßenkehrer oder bei der Pflege von Grünanlagen sich dann zu einer „beispielslosen politischen Aktion“ auswachsen werde.

„Hunderte oder tausende politische Aktivisten werden sich ihm anschließen“, so die Anwältin des Protest-Organisators.

Udalzow ist offziell auch Zeuge in dem Ermittlungsverfahren wegen der Gewalttaten bei einer Anti-Putin-Demo am 6. Mai.


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Stoll 30.06.2012 - 17:28

@30.06.2012 16:05 Paulsen-Consult,--- Ein Übergriff gegen eine Frau und dann noch gegen eine Journalistin, egal ob akkreditiert oder nicht, ist in Russland ein sensibles Thema. Ich wäre deshalb froh, wenn er nicht so einfach davon kommt.---
Ich auch.


Stoll 30.06.2012 - 17:06

@30.06.2012 16:05 Paulsen-Consult,
absolut richtig. Null Toleranz gegen Gewalt, ob gegen Frauen oder Männer. Da schreiben Sie etwas wahres, dass die Russen ihr Gewaltproblem mal in den Griff kriegen müssen. Mir ist die politische Überzeugung von Udalzow auch egal, doch bei einer Gerichtsverhandlung sollten rechtsstaatliche Prinzipien gelten. Diese wurden durch die Nichtanerkennung des anderen Videos nicht eingehalten. Eine Staatsanwaltschaft sollte sich nicht nur um belastendes Material kümmern, sondern auch entlastende Punkte für den Angeklagten suchen und in die Verhandlung mit einbringen. Wenn das oder ein anderes Urteil für Uldazow rechtskräftig wird, dann wird es bestimmt eine große Gaudi für die Anhänger dieses Mannes werden. Vielleicht will er das ja auch.
Bad news is good news.


Paulsen-Consult 30.06.2012 - 16:31

Versteh die Diskussion nicht,

der Übergriff ist doch klar. Ob die Frau hinterher lacht oder weint, ist für diese Tatsache unwesentlich. Das war eine Attacke. Die politische Einstellung liegt da neben der Sache. Für mich ist Udalzow eine hohle Birne, wenn er sich nach einer solchen Aktion als politischer Gefangener begreift und auch noch einen Hungerstreik anfängt. \\r\\nFür mich müssten die Russen mal ihr Gewaltproblem in den Griff kriegen und da finde ich das \\\\\\\"Null-Toleranz-Prinzip\\\\\\\" ganz gut. Eine Ordnungswidrigkeit ist das jedenfalls nicht mehr.\\r\\n


jich 30.06.2012 - 16:10

SStroll

Was ist bitte schön an dem Video ´entlastend´? Es gab einen Schlag, der auf Video fixiert wurde. Das ´entlastende´ Video würde höchstens beweisen, dass die sympathische und engagierte Dame auf dem ersten Blick keine sichtbaren lebensgefährlichen Verletzungen erlitten hat.
Der psychische Schaden ist ihr aber deutlich anzusehen, sie kommt offensichtlich mit der Situation nicht zurecht und versucht es mit chaotischem und verstörtem Lachen runter zuspielen.

Ich würde gerne Ihre Reaktion sehen, wenn ein glatzenköpfiger Grobian mit Raucherstimme und Kokain-Augen Ihnen aus nächster Nähe und mit voller Wucht seine Faust ins Gesicht schleudert, nur weil Sie ihm eine kritische Frage gestellt haben!

Aber es ist nun mal demokratisch Kriminelle zu verteidigen, nur weil sie Ihrer politischen Einstellung entsprechen.


Paulsen-Consult 30.06.2012 - 16:05

Interessant schon, Stoll,

es geht ja um rechtsstaatliche Behandlung.
Sorry, wenn ich weiterhin der Meinung bin, dass der gute Mann mal gerne 6 Wochen die Straße fegen kann, gerne auch mit seinen Kumpels. Schließlich haben sie die Straßen ja auch schon ganz schon oft verdreckt.
Ein Übergriff gegen eine Frau und dann noch gegen eine Journalistin, egal ob akkreditiert oder nicht, ist in Russland ein sensibles Thema. Ich wäre deshalb froh, wenn er nicht so einfach davon kommt.
In der Provinz ist es leider so, dass Männer bis hin zum Mordversuch an der eigenen Frau, sich nur irgendwie mit der Polizei einigen müssen und dann zwar sukkzessive ärmer werden, aber nicht unbedingt in den Knast müssen. Deshalb freue ich mich über jeden, der wegen einem Gewaltverbrechen einigermaßen schlüssig bestraft wird.


Stoll 30.06.2012 - 15:41

@Paulsen-Consult 30.06.2012 - 13:05,
gespannt bin ich darauf, ob das Gericht in einem neuen Verfahren das entlastende Video zur Kenntnis nimmt oder dieses von der Verteidigung vorgelegte Video nicht akzeptiert. Das wäre dann eine offensichtliche Rechtsbrechung. Der Fall dürfte dann mehr Aufmerksamkeit bekommen, als es der russischen Staatsanwaltschaft lieb ist.


Paulsen-Consult 30.06.2012 - 13:05

Ein Angriff,

ja, aber eher eine Hand, als eine Faust.
Trotzdem, Frauen schlägt man nicht, die 240 Stunden gehen in Ordnung.


jich 28.06.2012 - 18:54

SStroll

Und was sieht man hier:

http://www.youtube.com/watch?v=v_OC94Pk-Qs ? Einen gewaltigen Schlag gegen die Kamera und somit das weibliche Gesicht! Die Reaktion dieser charismatischen Dame in dem von SStroll geposteten Video ist eindeutig eine Schockreaktion!!!111


Aber im Endeffekt freue ich mich, dass Udalzov die erste und dazu noch eine nützliche Arbeitsstelle bekommt und seine Mini-Sekte feuchtfröhlich bei den gemeinnützigen Säuberungsaktionen mitmachen will. Der traditionelle ´Subotnik´ der UdSSR wird endlich wiederbelebt. Es lebe die Linke Kommunistische Front! Es lebe UdSSR 2.0 unter der Führung von Sergej ´Udalzow´ Tütükin!


Stoll 28.06.2012 - 11:01

Was bekommt Anna Posdnajkowa ?!

Das entlastende Video, dass eine gesunde,ständig lächelnde und zufrieden dreinblickende Journalistin zeigt findet man unter : http://.youtube.com/watch?v=w_izV5xN3rA&feature=player_embedded
Cui bono, die Frage muss sich einfach stellen.


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