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Eine kleine Spende für die EU: Friedensnobelpreis 2012 (Foto: kp.ru)
Eine kleine Spende für die EU: Friedensnobelpreis 2012 (Foto: kp.ru)
Freitag, 12.10.2012

Friedensnobelpreis für EU: unerwartet und seltsam

Moskau. Der Friedensnobelpreis für die EU ruft in Russland Verwunderung, Befremden und Enttäuschung hervor. Preisanwärterin Swetlana Gannuschkina (Memorial) sagte, die Entscheidung für eine „große bürokratische Staatsstruktur“ sei „seltsam“.

„Die Europäische Union hat an mehreren Kriegen teilgenommen. Ich als Bürgerrechtlerin kann militärische Einmischung in das Leben anderer Länder nicht gutheißen“, so Gannuschkina in einem Interview mit dem Radiosender Echo Moskaus. Gannuschkina war in ihrer Umgebung als Favoritin gehandelt worden.

Dem Osloer Beschluss fehle es außerdem an „Personifizierung“. Darauf verweist auch Ludmila Alexejewa von der Moskauer Helsinki-Gruppe, die sich als Symbolfigur der russischen Menschenrechtsbewegung ebenfalls Hoffnungen auf den Preis machte.

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Alexejewa (Trägerin des Bundesverdienstkreuzes und langjährig gefördert vom British Counsil) stellte mit einem Anflug von Sarkasmus fest: „Wenn sie den Preis politischen Gefangenen im Iran gegeben hätten, hätte ich es verstanden. Wie wollen sie die EU auf das Gewinner-Foto bannen und ihr die Prämie überreichen?“. Frei von persönlicher Enttäuschung kommen aber auch Politologen und Politiker nicht zu einem positiven Urteil.

Der Nobelpreis hilft der EU nicht, ist aber für den Nobelpreis rufschädigend


Der Politologe Boris Kargalizki meint in einem Radiointerview, das Nobelpreiskomitee habe wohl kaum die EU in ihrer Krise moralisch wirklich gestärkt, vielmehr eher den Friedensnobelpreis weiter in Misskredit gebracht.

Sein Kollege Boris Schmeljow fragt sich in der „Komsomolskaja Prawda“, womit die EU den Preis überhaupt verdient hat: „Hat sie die Lage im Nahen Osten, in Nordafrika oder im Mittelmeerraum stabilisiert? Nein. (…) Deshalb ruft die Preisverleihung zumindest Befremden hervor.“

EU bisher nicht als Friedensbewegung in Erscheinung getreten


Von einer unerwarteten und erstaunlichen Entscheidung spricht der Duma-Politiker Leonid Sluzki, stellvertretender Vorsitzender der parlamentarischen Versammlung des Europarates, zumal die EU sich kaum als Friedenskraft profiliert habe.

Hinter hinter der Entscheidung stecke offenbar viel Lobbyismus: „Offensichtlich hat sich jemand, der im Nobelkomitee viel zu sagen hat, dazu entschlossen, eine Verbeugung in Richtung Brüssel zu machen“.

Die Euro-Bürokraten hätten den Preis wohl für die jüngsten Polizeieinsätze in Madrid und Athen bekommen, heisst es in sarkastischen Internetkommentaren. Möglicherweise auch für die friedliche Ermordung Gaddafis, zu der auch französisches Militär beigetragen habe.

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Paulsen-Consult 13.10.2012 - 20:19

Jetzt also auch die EU

Nach Obama kommt jetzt die EU an die Reihe mit dem Friedensnobelpreis.
Ich kann die Entscheidung nur in sofern deuten, dass der Preis seit einiger Zeit an Personen und Institutionen verliehen wird, die sich in Zukunft bitte friedliebender Verhalten möchten. Das Beispiel Obamas zeigt allerdings, dass das vergebene Liebesmühe ist.
Ein großer politischer Irrtum, aggressive Staatsmänner und Nationen mit diesem Preis motivieren zu können.


Royaler 13.10.2012 - 12:34

Aufklärung nach Schreck

Den Schreck kann ich ja verstehen
über eine Entscheidung, die nun leider die Europa sehr interessierende Situation in Russland nicht direkt berücksichtigt; auch Norweger, die nicht zur EU gehören, haben ja die naheliegende Konstellation sehr wohl im Kopf. In der Tat ist
ein Friedensnobelpreis an eine so mächtige weltbedeutende Institutuion ungewöhnlich.
Andereseits muss man daher genau hinschauen, was denn dann da gemeint sein kann.
Mit Gruppenfoto und Ähnlichem an Polemik bleibt man da, glaube ich, weit weg von weltentscheidenden Strukturen, die natürlich durch die Wirkkraft
durchsetzungsfähiger Persönlichkeiten zumindest auch bestimmt werden.
Aber vorsichtig gesagt:
Es fällt immerhin für die russische Oppositionesbewegung etwas ab, auch wenn das jetzt wie ein \"Trostflästerli\" wirkt:
Ein wichtiger Partner wird geehrt, der die Macht hat, alles rund um Menschenrechte weltweit auch zu stärken, für Russland vielleicht außerordentlich wichtig, gerade in dieser Zeit unter Putin III, der bisher lupenreinsten Diktatur nach 1990 ff.
Aufklärung, und da möchte ich erstmal vortasten, tut Not.
Und damit ein Blick auf die Geschichte der EU:
Meines Wissens gab es die Versuche rund um die EVG, Pleven-Plan etc., eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft neben der Montanunion zu schaffen, das ist aber gescheitert.
Es kam die Nato.
Die EU als Institution hat meines Wissens niemals eine Kriegshandlung iniziiert.
Und zum Wesentlichen:
Wie Demokratie, die eine unvollkommene, aber nicht übertroffene Staatsform ist,
ist die EU für eine Staatengemeinschaft eine mustergültige, durch ihr Wirken friedensstiftende Institution.
Was die Wirksamkeit angeht, möge man mir eine vergleichbare Großinstitution nennen, die über nahezu 60 Jahre Ähnliches leistete.
Wie auch immer, an dieser Stelle
zumindest Dankeschön an die Urväter der EU, an Adenauer und De Gaulle, die eine \"Kriegsschande\" umgedreht haben, die deutsch-französische.
Natürlich warten wir noch auf Ähnliches für Deutschland und Russland und für Russland und Europa.


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