Pipeline-Reparatur nach Bombenanschlag in Nordossetien (Foto: TV)
Dienstag, 24.01.2006
Ukraine borgt sich wieder Gas von Russland und Europa
Moskau. Am Gefrierpunkt sind die Beziehungen zwischen Russland, der Ukraine und Georgien. Die Ukraine gibt offiziell zu, Transitgas für Europa für den Eigenbedarf abzuzweigen. Begründung: die extreme Kälte in der Ukraine.
Der ukrainische Premierminister Juri Jechanurow begründete die höhere Gasentnahme aus dem Pipelinsystem mit der extremen Kälte. Nach Meinung von Gazprom (Gasprom) geht es um insgesamt 226 Millionen Kubikmeter Gas, die im Laufe von nur vier Tagen zusätzlich abgezapft wurden.
Obwohl Gazprom in den vergangenen Tagen die Einspeisung in das Pipelinesystem an der ukrainischen Grenze um täglich etwa 35 Millionen Kubikmeter erhöhte, um europäische Spitzennachfrage zu befriedigen, kam auf der anderen Seite der Ukraine wieder weniger als das vertragliche Minimum an. Leidtragende sind diesmal Ungarn, Italien, Balkanländer und Polen. In Polen ging es am Monatg um ein Minus von 34 %.
Der ukrainische Konzern Naftogas versichert, im Laufe des Monats werde das Defizit wieder ausgeglichen. Man habe sich nur vorübergehend aus dem Transitgas bedient. In der Ukraine stieg der Gasverbrauch seit Einbruch der Kältewelle auf die Rekordmenge von 400 Millionen Kubikmeter täglich.
Putin will neue Eiszeit zwischen Moskau und Kiew vermeiden
Am Montagabend griff sogar Wladimir Putin zum Telefon und rief seinen Amtskollegen Viktor Juschtschenko an, um einer neuen politischen Eiszeit in den Beziehungen zwischen Moskau und Kiew vorzubeugen, die nebenher auch dem russischen Image im Westen schaden würde. Man werde sich "im Rahmen der gültigen zwischenstaatlichen Mechanismen" verhalten, hieß es trocken zum Gesprächsergebnis aus dem Kreml.
Der stellvertretende Gazprom-Chef Alexander Medwedjew vermied auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag Vorwürfe an die Adresse der Ukraine wie „illegale Entnahme“, machte aber deutlich, dass Gazprom seine Lieferverpflichtungen gegenüber Europa einhalte. Es gehe nicht an, dass überall gespart und der Energieverbrauch optimiert werde, während die Ukraine sich verhalte, als lebe man im Paradies.
Nach dem Bombenanschlag - politische Schimpfkanonaden aus Georgien
Gasliefungen an Georgien und Armenien, die am Wochenende nach einem Bombenanschlag auf die Gaspipeline in Nord-Ossetien unterbrochen wurden, wurden bereits am Montag auf dem Umweg über Aserbeidschan weitgehend wieder hergestellt – begleitet von politischen Schimpfkanonaden aus Tiflis.
Reparaturarbeiten an der Pipeline stockten am Dienstag wegen Explosionsgefahr an der Schadstelle.
Dafür entwickelte sich in Tiflis eine heftige Diskussion um den Vorstoß des Ministers Kacha Bendukidse, der empfohlen hatten, die georgischen Gaspipelines an Gazprom zu verkaufen oder zu verpachten, um als Gegenleistung günstige Gaspreise zu erzielen.
(gim/.rufo)
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Containerumschlag im Hafen von St. Petersburg: Auf diese Weise importiert Russland vor allem - exportiert werden vorrangig Rohstoffe wie Öl, Gas, Metall und Holz.(Topfoto:Deeg/.rufo)