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Freitag, 16.09.2005

Farbige Ukraine: Wenn aus Freunden Feinde werden

André Ballin, Moskau. Sie galten als Traumpaar in Orange: Julia Timoschenko und Viktor Juschtschenko. Doch sie wurden nicht grün miteinander und so endete die Beziehung mit einer schmutzigbraunen Schlammschlacht.

Bekanntlich ist ja in Bananenrepubliken die Korruption besonders hoch. Doch in orangenen Republiken scheint es nicht besser zu sein, wenn die Vorwürfe der beiden verfeindeten Lager Timoschenkos und Juschtschenkos stimmen.

Bei Russland-Aktuell
• Stolpert Juschtschenko über Beresowski? (15.09.2005)
• Ukraine: Schlangengrube an der Staatsspitze (09.09.2005)
• Ukraine: Bankrotterklärung der
• Juschtschenko junior mit Lifestyle-Allüren (28.07.2005)
• Falschgeldskandal um Timoschenko (21.07.2005)
Juschtschenko von Dunkelmännern umgeben?

Der Ex-Geheimdienstchef Turtschinow holte jedenfalls zum Rundumschlag gegen Juschtschenkos Umgebung aus. Erpressung, Betrug, Korruption und Amtsmissbrauch warf er engen Vertrauten des Präsidenten vor. Diese hätten ein dunkles Verbrecher-Netzwerk aufgebaut, behauptete er.

Turtschinow schwärzte auch Juschtschenko selbst an. Der habe den Sicherheitsorganen die Anweisung gegeben, die Verfehlungen seiner Leute zu vertuschen, erzählte Turtschinow im ukrainischen Fernsehen, um dann noch einen Tiefschlag anzusetzen: Dass die grüne Gesichtsfarbe Juschtschenkos tatsächlich auf eine Vergiftung zurück zu führen ist, wie er selbst behauptet, sei unwahrscheinlich. Denjenigen, die das genauer untersuchen wollten, habe Juschtschenko jedenfalls die rote Karte gezeigt.

Böse Worte. Und dann schweben ja noch schwarze Wolken in Form eines Impeachment-Verfahrens über dem Präsidenten. Er soll von Dunkelmann Boris Beresowski Geld aus London für seinen Wahlkampf bekommen haben. Doch die Beschuldigten wehren sich und drehen den Spieß um – gegen die blütenweiße Unschulds-Julia.

Timoschenko nicht so unschuldig wie sie aussieht?

Diese habe das Geld genommen, sagt ein Juschtschenko-Vertrauter. Und überhaupt, sei sie die korrupteste von allen und habe sich während ihrer Regierungszeit eine goldene Nase verdienen wollen.

Schamrot ist bisher keiner der Beschuldigten geworden. Doch wenn das Theater weiter geht, sieht die politische Zukunft für alle düster aus. Das Rating des einst populären orangenen Duos fällt schon jetzt mehr und mehr der grauen Wirklichkeit zum Opfer.

Hellblau als Alternative?

Freuen wird es vor allem die Anhänger von Hellblau – die haben bei den Präsidentschaftswahlen für Viktor Janukowitsch gestimmt. Was war noch einmal der Grund, dass der bei den Wahlen durchfiel?

Achja, richtig. Er war zu tief in das korrupte System von Altpräsident Leonid Kutschma verstrickt. Eine verlockende Alternative. So oder so: Die Ukraine sieht wohl rosigen Zeiten entgegen.


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