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Schütze sich wer kann: Mundschutz ist en vogue in der Ukraine (Foto: for-ua.com)
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Donnerstag, 05.11.2009

A/H1N1 oder nicht? 96 Grippe-Tote in der Ukraine

Kiew. Die Grippe-Epidemie in der Ukraine hat 96 Todesopfer gefordert. Darunter sind fünf Fälle, bei denen es sich um das Schweinegrippe-Virus A/H1N1 handelte. Eine genaue Diagnose ist aber meist gar nicht möglich.

Experten sehen gegenwärtig die erste Welle der Schweinegrippe über das GUS-Land rollen – parallel zu einem starken Ausbruch von Grippe- und Erkältungskrankheiten vor allem im Westen des Landes. Mit einer zweiten Welle sei im Frühjahr und einer dritten Welle im nächsten Herbst zu rechnen, so Igor Pokanewitsch, der Leiter des ukrainischen Büros der Weltgesundheits-Organisation WHO. Quarantänemaßnahmen und Impfungen könnten die Schweinegrippe aber noch durchaus eindämmen.

Impfungen stehen noch aus - obwohl auch Ärzte sterben


Allerdings kann bislang keine Impfkampagne gegen die Schweinegrippe in der Ukraine gestartet werden. Es gibt noch nicht einmal einen Impfstoff, der offiziell zugelassen wäre. Auch die Finanzierung ist angesichts der fatalen Haushaltslage noch ungeklärt.

Nach Aussagen von Tatjana Bachtejewa, der Vorsitzenden des Gesundheitsausschusses der Rada, sind seit dem massenhaften Ausbruch der Grippe in der Ukraine 96 Menschen an Pneumonie – also verschiedenen Formen von Lungenentzündung - gestorben. Zu den Grippe-Toten gehören auch sieben schwangere Frauen und sechs Ärzte.

In der Provinz gibt es keine Viren-Diagnose


Außerhalb von Kiew sei es allerdings kaum möglich, die Art einer Grippe-Infektion zu bestimmen, da es keine Diagnose-Möglichkeiten gebe. Nur in Kiew selbst seien 200 Test-Systeme zur Virenbestimmung vorhanden, so Bachtejewa.

Die Zahl der A/H1N1-Fälle ist in der Ukraine also mithin gar nicht exakt zu bestimmen – und es bleibt weiterhin unklar, ob die Ukraine nun vorrangig von der Schweinegrippe oder einem anderen Grippevirus heimgesucht wird.

A/H1N1 nur bei fünf Todesfällen bestätigt


Nach amtsärztlichen Informationen sind bisher fünf Ukrainer an der Schweinegrippe gestorben. 17 Fälle von Infektionen mit der auch „kalifornische Grippe“ genannten Krankheit seien diagnostisch bestätigt worden, erklärte gestern Vize-Oberamtsärztin Ludmila Mucharskaja.

Diese Zahlen sprechen eher für den technischen Diagnose-Rückstand als den realen Grad der Ausbreitung der "Neuen Grippe" in der Ukraine: Im benachbarten Russland wurden bisher etwa 3.000 Fälle, davon 14 mit Todesfolge gezählt. In Deutschland registrierte man bislang 30.000 Erkrankungen und sieben Todesopfer.

Bei Russland-Aktuell
• Notstand wegen schwerer Grippewelle am Baikalsee (04.11.2009)
• Schweinegrippe: 14 Todesfälle in Russland (03.11.2009)
• Schweinegrippe, Russengas, ukrainischer Wahlkampf-Virus (02.11.2009)
• Ukraine: 64 Grippe-Tote, Hilfe angelaufen (02.11.2009)
• Impfung gegen Schweinegrippe beginnt im Dezember (21.10.2009)

In Kiew übliche Herbst-Grippe mit Polit-Husten


Zumindest in der medizintechnisch besser ausgestatteten Hauptstadt Kiew kann gegenwärtig aber weder von einer Schweinegrippe- noch einer Grippe-Epidemie gesprochen werden. Nach Angaben des obersten Immunologen der Stadt sind dort gegenwärtig etwa 22.000 Fälle von schweren Atemwegs-Erkrankungen aktenkundig. Etwa ein Zehntel davon seien Grippe-Fälle – und darunter seien gegenwärtig genau drei Schweinegrippe-Fälle.

„Wir haben den üblichen saisonalen Ausbruch an Erkrankungen. Wenn man die politische Einfärbung beiseite lässt, ist die Situation genauso wie im letzten Jahr“, sagte Oleg Nasar. Die Grippewelle, aber auch die erfolgten wie auch versäumten Vorbeugemaßnahmen werden gegenwärtig im angelaufenen Präsidentschaftswahlkampf von den Kandidaten zum Politikum gemacht. Am 17. Januar wird in der Ukraine ein neues Staatsoberhaupt gewählt.

Jugendliche und Ausländer unter Viren-Sonderverdacht


Auch die lokalen Behörden versuchen sich mit teils zweifelhaften und nicht unbedingt legalen Methoden zur Eindämmung der Epidemie: In der Stadt Browary erließ der Bürgermeister ein Verbot, wonach sich Jugendliche nach 22 Uhr nicht mehr allein im Freien aufhalten dürfen. In Transkarpatien im äußersten Westen des Landes appellierte die Polizei an die Mitbürger, wegen der epidemischen Notlage alle Begegnungen mit Ausländern, "vor allem Afrikanern und Asiaten", zu melden.

Landesweit zählt man inzwischen 450.000 Kranke – was einem Prozent der Bevölkerung entspricht. Wer seine Erkrankung allerdings zu Hause selbst auskuriert – was angesichts der in überfüllten Warteräumen der Polikliniken geballt sitzenden Viren-Träger durchaus die gesündere Vorgehensweise sein kann - wird von der Statistik auch nicht erfasst.



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