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Aidstest. Foto: www.newsru.com
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Freitag, 08.04.2005

HIV-Infizierungen wegen Spenderblutmangels

Moskau. In Russland häufen sich HIV-Infizierungen bei Blut-Transfusionen. Nach Meinung der Tageszeitung „Nowyje Iswestija“ ist die Abschaffung umfangreicher Vergünstigungen für freiwillige Blutspender daran schuld. Kostenlose Sozialleistungen wurden durch die Zahlung von 6.000 Rubel (167 Euro) einmal pro Jahr ersetzt. Daran haben die Spender kein Interesse.

Blutspender wurden Opfer der berühmt-berüchtigten Umwandlung kostenloser Sozialleistungen in Geldzahlungen. Laut „Nowyje Iswestija“ spenden heute nur 14 von 1.000 Einwohnern Blut. Nach Angaben der russischen Akademie der medizinischen Wissenschaften wären 40 bis 60 für ein reibungsloses Funktionieren der Gesundheitsfürsorge erforderlich.

Gewinne von 1.500 Prozent

Privatfirmen, die nicht über notwendige Kontrollmöglichkeiten verfügen, springen in die Bresche. Zwar ist der private Handel mit Spenderblut verboten, die Gewinne erreichen in diesem Sektor aber 1.500 Prozent. Daher werden die Verbote umgangen. Auch teure Kliniken, die wohlhabende Patienten bei sich aufnehmen, kaufen sich Blut für notwendige Transfusionen.

Infektionsgefahr besteht also keineswegs nur für arme Leute. Der Preis für eine Dosis Blutplasma liegt in Moskau bei 40 Euro. „Deutsche Kollegen, die jetzt bei uns waren, wären fast vom Stuhl gefallen, als sie hörten, wie teuer es ist“, sagt der Direktor des Blutzentrums des russischen Gesundheitsministeriums Jewgeni Schiburt.

Blut von Drogenabhängigen

Kommerzielle Firmen fahren in die bettelarme Provinz und zahlen dort 100 Rubel (2,80 Euro) für 390 ml Blut. In großen russischen Städten bekommen sie dafür im Schnitt 35 Euro. Die Blutqualität wird nur pro forma geprüft. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wird mitunter sogar Drogenabhängigen Blut entnommen, obwohl man diese ohne jede Untersuchung an Narben von Nadeleinstichen erkennen kann. Die einzige Legitimation solcher Firmen seien Apothekerlizenzen, heißt es.

Rückgang der Blutspender schon seit 1985

Bei Russland-Aktuell
• Kaliningrad: Kein Verständnis für HIV und AIDS (01.12.2004)
• Kaliningrad: AIDS-Kranke fordern ihre Rechte (14.10.2004)
• Wegelagerei vor der Apotheke (05.07.2004)
Die Zahl der Blutspender geht bereits seit 1985 stets zurück. Damals waren es 5,6 Millionen, 1995 spendeten 2,9 Millionen Russen Blut, und 2002 nur zwei Mio. 1993 wurden freiwilligen Blutspendern per Gesetz nie da gewesene Privilegien eingeräumt. Wer 40 Mal jährlich kostenlos Blut ablieferte, wurde „Ehrenspender“ und bekam auf Lebenszeit das Anrecht auf kostenlose Zahnprothesen, kostenlose Kurplätze, freie Fahrt in städtischen Verkehrsmitteln und Nahverkehrszügen sowie den Urlaub zur gewünschten Jahreszeit.

Wenigstens zum Teetrinken einladen

Geld sei für die Spender nicht das Wichtigste, meint Doktor Schiburt. Es gehe um das hohe Ansehen in der Gesellschaft, das es einmal gab. Früher seien den Ehrenspendern ihre Ausweise bei Festsitzungen im Kreml ausgehändigt worden. Heute sollte sich der Präsident wenigstens Zeit nehmen, einmal im Jahr mit ihnen zusammen Tee zu trinken, so der Experte. (adu/.rufo)


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