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| Wegen hochnotpeinlicher Zollkonrolle - Warteschlangen vor der polnischen Grenze (Foto: mig/.rufo) | |
Freitag, 22.07.2005
Kaliningrad: Mit Schmugglern unterwegs
Kaliningrad. Eine Busfahrt von Kaliningrad nach Danzig ist relativ bequem. Eine Fahrkarte kostet auch nur 250 Rubel (acht Euro). Doch Vorsicht: diese Billigfahrt nutzen die Zigaretten-Schmuggler auch!
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Mit Schnaps aus Pappbechern begießen die sieben Schmuggler ihren Erfolg gleich hinter der Grenze. Jeder von ihnen hat wohl mindestens fünf Stangen Zigaretten und mehrere Flaschen Alkohol am polnischen Zoll vorbei geschmuggelt. Und eigentlich sollte ich mit ihnen anstoßen, denn ich war ihr unfreiwilliger Gehilfe.
Unter meinem Sitz lagen, fein säuberlich in eine schwarze Socke eingewickelt, etwa fünf – sechs Päckchen Zigaretten.
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Zur Begrüßung eine Stange Zigaretten
Eigentlich ist pro Person die Einfuhr einer Stange erlaubt. Doch dieses Limit hatte ich bereits beim Einsteigen in Kaliningrad erreicht. Dort wurde ich nämlich gleich mit der Frage begrüßt, ob ich Zigaretten dabei habe. Als ich verneinte, drückte mir der polnische Mitreisende mit einem Lächeln eine Stange in die Hand. „Na schön“, sagte ich und los ging die Fahrt.
Während die Gepäckkontrolle auf der russischen Seite relativ harmlos ist, nehmen die polnischen Zöllner die Reisebusse regelrecht auseinander. Die Passagiere im Bus vor uns haben kein leichtes Los. Die Beamten schrauben die Sitze ab, kriechen in jede Ritze, überprüfen jedes Detail.
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Fahrgäste ahnungslos
Ich selbst werde ein wenig nervös – schon drei Stunden steht der Bus am Grenzübergang und wir sind noch nicht einmal an der Reihe. Lediglich die Pässe sind bisher kontrolliert worden. „Wenn das so weiter geht, bin ich nicht vor Mitternacht in Danzig“, denken wie ich wohl die meisten Fahrgäste. Wüssten sie, was zu ihren Füßen liegt, ihre Gedanken würden sich sicher in eine andere Richtung bewegen.
Dann kommt der Zöllner auf unseren Bus zu. Er steigt ein, drückt dem Fahrer einen Zettel in die Hand und winkt uns durch. Keinen müden Blick werfen die Beamten auf unseren Bus. Es ist fast ein bisschen enttäuschend, dass sie so wenig Interesse an uns haben.
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Schmuggelgut überall
Doch die Enttäuschung legt sich spätestens in dem Moment, als einer der Schmuggler vor mir auf die Knie geht - und unter meinem Sitz die schwarze Socke herausfischt. Meiner Nachbarin geht es genau so. Sie schimpft: „Wenn die Zöllner das gefunden hätten, wer hätte dann die Verantwortung übernommen?“ Eine Antwort bekommt sie nicht. Es ist auch so klar. Die Päckchen sind überall im Bus verteilt. Nicht nur unter den Sitzen und auf der Ablage, sondern auch in die Dachluke und in die Seitenverkleidung haben die Schmuggler ihre Ware „eingepasst“.
In Elbing steigen sie aus. Gutgelaunt ruft einer den übrigen Passagieren zum Abschied „Dziekuje“ („Danke“) zu. Die blicken mürrisch und doch erleichtert. Meine Überlegungen, ob die Zöllner an der Grenze geschmiert waren oder die Bande in unserem Bus lediglich Glück gehabt hat, bleiben unbeantwortet.
In Danzig kosten Zigaretten übrigens mindestens zwei Euro pro Schachtel. Das sind 1,5 Euro mehr als in Kaliningrad. Aber Rauchen gefährdet ja bekanntlich die Gesundheit.
(ab/.rufo)
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