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War eine schillernde Figur in Politik und Business - in Russland wie Georgien: Badri Patarkazischwili (Foto: RTVi/newsru)
War eine schillernde Figur in Politik und Business - in Russland wie Georgien: Badri Patarkazischwili (Foto: RTVi/newsru)
Mittwoch, 13.02.2008

Oligarchen-Tod in London: Nur natürliche Ursache?

London. Der plötzliche Tod des georgisch-russischen Oligarchen Badri Patarkazischwili lässt die Gerüchte ins Kraut schießen: Steckt hinter seinem Herzinfarkt ein zweiter Fall Litwinenko? Feinde hatte er ja genug.


Der 52 Jahre alte Patarkazischwili starb gestern Abend gegen 23 Uhr Ortszeit in seiner Villa im Süden Londons - offenbar an einem plötzlichen Herzversagen. Die britische Polizei findet den Tod des jüdischen georgischen Exil-Oligarchen aber verdächtig und hat Ermittlungen aufgenommen. Das Haus wurde abgeriegelt.

Patarkazischwili hielt sich seit November im Ausland auf, seit Mitte Januar besteht in seiner Heimat Georgien Haftbefehl gegen ihn – wegen einer angeblichen Verschwörung zum Staatsstreich.

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"Ich fühle mich nirgendwo sicher"


Im Dezember hatte er erklärt, dass die georgische Führung unter Michail Saakaschwili ihm nach dem Leben trachte: In London seien vier Killer eingetroffen. „Ich habe 120 Leibwächter, aber ich weiß, dass das nicht ausreichend ist. Ich fühle mich nirgendwo sicher, egal wo das ist." Bereits 2006 hätte ein georgischer Polizei-General einmal einen Mörder gedungen, der sich dann aber Patarkazischwili offenbart habe, erklärte er damals.

Trotz – oder gerade wegen – seines Konflikts mit Michail Saakaschwili trat der Großunternehmer aus dem Exil heraus bei den vorgezogenen Präsidentenwahlen Anfang Januar an. Auf ihn entfielen aber nur 7 Prozent.

Patarkazischwili gehört in Georgien der Fernseh-Sender Imedi, ein Hypermarkt sowie der Fußball-Club Dynamo Tiflis. Nach von der Moskauer „Iswestija“ heute – also noch vor der Todesnachricht - veröffentlichten Informationen verhandelte Patarkazischwili zuletzt mit dem russischen Oligarch Abramowitsch über einen Kauf dieser Aktiva.

Aufstieg und Fall gemeinsam mit Beresowski


Haftbefehl gegen Patarkazischwili besteht aber auch seit 2002 in Russland: Er war bis zuletzt ein enger Weggefährte des heutigen „russischen Staatsfeindes Nr. 1“, dem ebenfalls in London im Exil lebenden Boris Beresowski. In der ersten Hälfte der 90er Jahre war Patarkazischwili Partner und rechte Hand Beresowskis: Sowohl in dessen Autohandels-Imperium Logovaz wie auch beim vom Beresowski kontrollierten russischen Fernsehsender ORT nahm er schließlich Vize-Chefposten ein.

Gemeinsam mit Beresowski, unter Jelzin die „Graue Eminenz“ im Kreml, fiel er dann bei der Putin-Administration in Ungnade. Wegen Betrug und Unterschlagung in beiden Unternehmen wird deshalb bis heute gegen die beiden für die russische Justiz nicht erreichbaren Oligarchen ermittelt.

Wie Patarkazischwili in einem von einer georgischen Zeitung unlängst veröffentlichen Mitschnitt eines Gesprächs mit einem führenden Innenministeriums-Mann erklärte, war es dabei ihm persönlich zu verdanken, dass Putin überhaupt Karriere in Moskau machen konnte: Als Vize-Bürgermeister unter Sobtschak habe Putin zwar Patarkazischwilis Business in St. Petersburg „das Dach geliefert“, aber offenbar nicht gut davon gelebt: „Er trug immer den gleichen schmutzigen grünlichen Anzug.“

Wie Badri Putin den Weg in die große Politik bahnte


1996, nach Sobtschaks Wahlniederlage, habe Putin dann zweimal täglich angerufen: „Badri, hol mich nach Moskau, ich will hier weg.“ Patarkazischwili habe Putin als fähigen Mann daraufhin seinem Freund Pawel Borodin, dem damaligen Chef der Kreml-Eigentumsverwaltung ans Herz gelegt – der ihn gleich zu seinem Stellvertreter ernannte.

Dank der Mittagessen in seinem Moskauer „Logovaz-Club“ will Patarkazischwili auch Putin und Beresowski zusammengebracht haben – und der habe ihn dann erst zum FSB-Chef und dann zum Premierminister mit Jelzin-Nachfolgegarantie gemacht. Doch schon 2000 kam es dann zum Bruch zwischen Putin und seinen beiden Förderern.

Dem gleichen Sonderpolizei-Chef, dem Patarkazischwili diese Geschichte erzählte, soll er im Herbst auch 100 Millionen Dollar geboten haben, wenn dieser einen Aufstand unterstütze. Die darauf beruhenden Ermittlungen wegen des Versuchs eines Staatsstreichs wurden heute von der georgischen Staatsanwaltschaft wegen des Todes des Verdächtigen eingestellt.

Wegen wirtschaftlicher Vergehen werde aber weiterhin gegen Patarkazischwilis Unternehmen ermittelt, hieß es aus Tiflis.

Spekulationen über Spekulationen


Wurde der schnauzbärtige Patarkazischwili also von georgischen oder russischen Mafia- oder Geheimdienstkillern auf unverdächtige Weise beseitigt – weil er lästig oder gefährlich war, zuviel wusste oder jemand alte Rechnungen mit ihm offen hatte?

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• Georgien: Okruaschwili in Berlin festgenommen (28.11.2007)
• Georgien: Mordvorwürfe gegen Saakaschwili dementiert (08.10.2007)
Oder stecken vielleicht „falsche Freunde“ dahinter? Im Londoner Polonium-Mordfall Litwinenko wurde ja auch schon gemutmaßt, Beresowski hätte seinen Protege umbringen lassen um zu zeigen, wie gefährdet er selbst ist – damit die Briten ihn nur nicht an Russland ausliefern. Mit dem oppositionellen ehemaligen georgischen Innenminister Irakli Okruaschwili, gegenwärtig in Frankreich lebend und von der Auslieferung bedroht, gibt es auch unter den Georgiern eine ähnlich omnipotente Figur in vergleichbarer Lage.

Ausschließen kann man wohl nur, dass Putin- und Saakaschwili-Vertraute gemeinsam ein „Herztod-Killerkommando“ nach London schickten. Denn die beiden Staats-Chefs sind sich selbst spinnefeind und das Verhältnis Russlands zu Georgien ist noch zerrütteter als das zu Großbritannien.

Oder schlichtweg Herztod durch Stress?


Patarkazischwili-Mitstreiter in Georgien halten dann auch einen Tod aus natürlicher Ursache für wahrscheinlicher. Zwar habe sich Patarkazischwili nie über Gesundheitsprobleme beklagt, heißt es. Die Ereignisse der letzten Zeit hätten ihn seelisch aber doch stark mitgenommen, heißt es im einstigen Wahlkampfstab.

„Er wurde ein Opfer der Hetze des Saakaschwili-Regimes“, so der Oppositionspolitiker Chaindrawa. „Wir sind alle Menschen und wir regen uns alle auf, besonders wenn man dich vorverurteilt und aus dir einen Verschwörer macht. Das hat sein Herz nicht ausgehalten.“



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