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Die Orthodoxe Kirche diskriminiert religiöse Minderheiten, findet das US State Department (Foto: Poljakow/.rufo)
Die Orthodoxe Kirche diskriminiert religiöse Minderheiten, findet das US State Department (Foto: Poljakow/.rufo)
Dienstag, 29.11.2005

Religionsfreiheit in Russland in Gefahr?

Karsten Packeiser, Moskau. Das US State Department hat in einer Studie zur Religionsfreiheit auf der Welt scharfe Kritik an Russland geübt. In Russland selbst wurde dagegen der Bericht selbst kritisch aufgenommen.

Nach dem blutigen Großangriff auf die russische Kaukasus-Stadt Naltschik werden in der Region gläubige Muslime Repressionen ausgesetzt. In der Uralstadt Ischewsk stürmten im April bewaffnete Polizisten einen evangelischen Gottesdienst und nahmen dutzende Gläubige vorübergehend fest. Doch trotz dieser und ähnlicher Vorfälle weisen selbst Vertreter religiöser Minderheiten die westliche Pauschalkritik an der mangelnden Religionsfreiheit in Russland zurück.

Informationen von Sekten bezogen

Eine Studie des US-Außenministeriums über die Religionsfreiheit in der Welt hatte Russland im November auf eine Stufe mit Ländern wie Pakistan oder der Türkei gestellt. Religiöse Minderheiten würden in Russland vom sowohl Staat und der dominierenden Orthodoxen Kirche diskriminiert. Die Studie sei einseitig, kritisierte der „Außenminister“ des Moskauer Patriarchats, Metropolit Kyrill, da das State Department vor allem auf „Informationen von Sekten“ zurückgegriffen habe.

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• 100 Jahre Religionsfreiheit in Russland (16.05.2005)
• Kaliningrad: Eine Kirche für 3000 Menschen (01.02.2005)
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Die Orthodoxe Kirche, die zu Sowjetzeiten selbst schweren Repressalien unterworfen war, sieht heute in Russland keinerlei Probleme mit der Religionsfreiheit. In den Jahren seit der Perestroika wurden hunderte religiöser Organisationen offiziell registriert, verstaatlichte Kirchgebäude aus der Zeit vor der Oktoberrevolution wieder an die Geneinden zurückgegeben. In den muslimischen Regionen Russlands sind auch die wichtigsten islamische Feste arbeitsfreie Tage.

Dass die so genannten „traditionellen Konfessionen“, neben den Orthodoxen auch Muslime, Juden und Buddhisten, gewisse Vorzüge gegenüber anderen Konfessionen genießen, sei ganz normal, findet Kyrills Stellvertreter Wsewolod Tschaplin: „In den meisten Staaten Europas bevorzugen Staat und Gesellschaft gewisse religiöse Gemeinschaften.“

Die Schrauben werden enger angezogen

Richard Pantelejtschuk vom Bürgerrechtsverein „Kowtscheg (Arche)“, der sich für religiöse Minderheiten einsetzt, macht sich dagegen große Sorgen um die Religionsfreiheit in Russland. „Die Schrauben werden wieder enger angezogen“, sagt er.

Eine Gesetzesinitiative, die die Arbeit ausländischer Missionare in Russland stark einschränke, sei bereits so gut wie beschlossen. Für alle religiösen Gruppen außer der Orthodoxen Kirche werde es immer schwieriger, ein Grundstück oder eine Baugenehmigung zu erhalten. Die Duma plant auch, es den Behörden einfacher zu machen „extremistische“ religiöse Organisationen zu verbieten.

Es gebe in Russland, vor allem weit ab von Moskau, Probleme mit einzelnen Beamten, erklärt Konstantin Bendas, der Vorsitzende des russischen Pfingstler-Verbandes ROSChWE. Diese Bürokraten seien daran gewöhnt gewesen, dass es zu Sowjetzeiten in Russland nur eine einzige Partei gab. Heute seien sie der Meinung, es dürfe nur eine einzige Kirche geben. Eine staatlich angeordnete Diskriminierung religiöser Minderheiten sei das aber nicht: „Am neuen Nationalfeiertag wurden zehn Vertreter der russischen Protestanten zu Putin in den Kreml eingeladen, aber nur sieben Hierarchen der Orthodoxen Kirche“, rechnet Bendas vor.

„Wir genießen Respekt sowohl bei den Behörden als auch bei der Orthodoxen Kirche“, heißt es auch bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche ELKRAS in Moskau. Allerdings betreibt die ELKRAS in Russland bewusst auch keine so aktive Missionsarbeit wie die Vertreter mancher anderer protestantischer Konfessionen. „Wer sich ruhig verhält, bekommt keine Probleme“, resümiert der Bürgerrechtler Pantelejtschuk.

(epd/kp)


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