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Wer als Verdächtiger auf einer russischen Polizeiwache nur friedlich auf dem Bänkchen sitzen darf, muss sich schon glücklich schätzen - die bekannt werdenden Fälle übler Misshandlungen häufen sich (Foto:  vesti.ru)
Wer als Verdächtiger auf einer russischen Polizeiwache nur friedlich auf dem Bänkchen sitzen darf, muss sich schon glücklich schätzen - die bekannt werdenden Fälle übler Misshandlungen häufen sich (Foto: vesti.ru)
Donnerstag, 29.03.2012

Zwei Todesfälle nach Polizeifolter im Kusbass-Gebiet

Kemerowo. Folter nicht nur in Kasan: Auch im sibirischen Gebiet Kemerowo sind in den letzten Monaten offenbar zwei Festgenommene von Polizisten zu Tode gequält worden. Sechs Beamte stehen in den Fällen unter Verdacht.

Über die beiden Todesfälle durch brutale Verhörmethoden berichteten die Ermittler gestern und heute. Die Bergbau-Region in Zentralsibirien steht damit unvermittelt an Stelle von Kasan im Zentrum der Serie von bekannt gewordenen Folterfällen auf Polizeiwachen.

Gestern wurden zwei Polizisten in U-Haft genommen. Sie sollen zusammen mit einem nicht der Polizei angehörenden Mann aus Anschero-Sudschinsk im Dezember letzten Jahres einen unter Diebstahl-Verdacht stehenden 25 Jahre alten Mann in einer Garage so misshandelt haben, dass er an den Folgen starb.

Das Opfer hatten die Beamten in einer Apotheke angetroffen worden, deren Alarmanlage angeschlagen hatte. Offenbar versuchten sie, aus dem Mann Geständnisse weiterer Einbrüche herauszuprügeln. Die übel zugerichtete Leiche das Mannes war später an einer Fernstraße gefunden worden.

"Elefanten-Folter" mit Gasmaske führte zum Tod


Der heute bekannt gewordene Fall ereignete sich vor etwa einem halben Jahr in Kemerowo: Ein 31-Jähriger wurde angeblich als Zeuge auf eine Polizeiwache gebracht und dort später tot aufgefunden. Nach Aussagen der Beamten habe der Mann Selbstmord begangen.

Bei Russland-Aktuell
• Kasan: Polizeichef verteidigt mittelalterliche Folter (23.03.2012)
• Folter-Skandal: Tatarstan verliert Hoheit über Polizei (23.03.2012)
• Polizei-Folter in Kasan: Zwei weitere Festnahmen (20.03.2012)
• Flaschen-Folter: Vier Kasaner Polizisten in U-Haft (15.03.2012)
• Russischer Wehrpflichtiger zu Tode gefoltert ? (22.09.2011)
Die Autopsie und Ermittlungen ergaben jedoch, dass ihm beim Verhör eine Gasmaske übergezogen wurde und das Opfer dann geschlagen wurde, wodurch der Mann erstickte. Vier Beamte wurden festgenommen. Ihnen werden die Misshandlungen sowie die Inszenierung des angeblichen Selbstmordes vorgeworfen.

Brutale Gewalt im Dienst ist "Verrat an der Polizei"


Auch gegen die Vorgesetzten der Beamten in den zwei betroffenen Polizeirevieren seien bereits disziplinarische Maßnahmen getroffen worden. Alexander Jelin, der Polizeichef der Region, bezeichnete die Täter in Uniform als „Verräter“.

Sie hätten „die Autorität aller Ordnungskräfte im Kusbass gesprengt und alles Positive, dass die Polizei dort vollbracht hat, zunichte gemacht“, schimpfte er auf einer außerordentlichen Sitzung der Gebiets-Innenbehörde.

Neue Fälle auch in Kasan und Baschkirien


In Kasan wurden gegen einen wegen Gewalttätigkeit im Dienst bereits in Haft genommenen Ex-Polizisten zwei weitere Ermittlungsverfahren eingeleitet, nachdem sich weitere Opfer gemeldet haben. Die tödlich endende Vergewaltigung eines Festgenommenen mit einer Sektflasche hatte in der Hauptstadt Tatarstans die Welle der Enthüllungen von Folterfällen bei der Polizei angestoßen.

Auch aus anderen Regionen werden fast täglich neue Fälle von Misshandlungen bei Polizeiverhören gemeldet. So sollen in Baschkortostan Polizisten einen 16-Jährigen und dessen 22 Jahre alten Bekannten auf einer Polizeiwache mit Schlägen malträtiert haben, die Prellungen und Blutergüsse hinterließen.

Die bekannt werdenen Fälle brutaler Misshandlungen konterkarieren die große Reform, bei der im letzten Jahr angeblich 20 Prozent charakterlich nicht geeignete oder durch Fehltritte belastete Beamte aus den Reihen der russischen Ordnungshüter herausgefiltert wurden. Gekrönt wurde die Reform durch die Umbenennung der übel beleumundeten Miliz in Polizei.



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Eric 29.03.2012 - 14:42

Ziviler Widerstand wächst in Russland

Leider hat Medwedjew\'s Polizei Reform außer einem neuen Namen nichts verändert. Zumindest gab es hinreichend Stoff für humoristische Beiträge von Michail Zadornov und anderen Satirikern. Allerdings ist vielen nicht mehr zum Lachen zu Mute. Vor kurzem hat eine Gruppe von Menschenrechtsorganisationen eine Petition an A.I. Bastyrkin, den Chef des Ermittlungskomitees veröffentlicht. Wer russisch kann, kann hier weiterlesen: http://www.civilpetitions.org/campaigns/petition/view/number/15, für den Rest hier kurz eine Übersetzung des Inhalts:
Wir, Menschenrechtler und Bürger Russlands, fordern eine unabhängige Untersuchung der Verbrechen, die von Beamten der Rechtwahrungsorgane begangen werden. Unser gemeinsamen Meinung nach wäre es dafür nötig, innerhalb des Ermittlungskomitees eine spezielle Abteilung zu schaffen, die ausschließlich Ermittlungen bezüglich Mitarbeiter des MWD (Innenministerium), FSKN (\"Drogen-\" Fahndung) und FSIN (Strafvollzugsdienst) führt.
Die Untersuchungsbeamten dieser Abteilung sollen unabhängig sein von den Ermittlungsbeamten der betroffenen Stellen im Rahmen jedwelcher anderen Ermittlungen.

Bleibt zu hoffen, das endlich etwas passiert.


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