Der Iran will am liebsten selbst einen geschlossenen atomaren Brennstofkreislauf aufbauen (Foto: TV)
Montag, 20.02.2006
Atom-Verhandlungen in Moskau: Iran spielt auf Zeit
Moskau. Ohne Ergebnis haben russische und iranische Unterhändler am Montag um einen Ausweg aus der Krise um das Teheraner Atomprogramm gerungen. Der einzige Beschluss lautet: Es soll weiter geredet werden.
Nicht einmal Russlands Chef-Diplomat Sergej Lawrow hatte so recht an einen Erfolg der Moskauer Krisenverhandlungen über die Zukunft des iranischen Atomprogramms glauben wollen. „Unsere Erwartungen sind offen gesagt gedämpft“, erklärte der Außenminister am Montagmittag bei einem Treffen mit Präsident Putin. Dennoch werde die russische Diplomatie alles tun, um zu verhindern, dass die Situation sich weiter zuspitze und „auf eine Bahn der Gewalt“ gerate.
Krisengespräche hinter verschlossenen Türen
Hinter verschlossenen Türen versuchten die Unterhändler des Kreml den Tag über, die Abgesandten aus Teheran um den Vizevorsitzenden des iranischen Sicherheitsrates Ali Hosseini-Tasch zum Einlenken im Atomstreit zu bewegen. Ein Moskauer Kompromissvorschlag sieht vor, dass ein Joint Venture auf dem Territorium Russlands das Uran für das iranische Atomprogramm anreichern soll.
Damit könnte ausgeschlossen werden, dass das Nuklearmaterial zur Schaffung von Kernwaffen missbraucht wird und der Iran in den Besitz entsprechender Technologien gelangt, heißt es in Moskau. Vor Beginn der Verhandlungen hatte der iranische Außenminister Manutschehr Mottaki noch angedeutet, der russische Vorschlag sei grundsätzlich für die Führung in Teheran akzeptabel. Er müsse jedoch noch detailliert werden, um sicherzustellen, dass er „den nationalen Interessen Irans“ entspreche.
Am Abend dann drangen ernüchternde Meldungen an die Öffentlichkeit: Russland und der Iran hätten sich lediglich darauf geeinigt, die Verhandlungen fortzusetzen, so das karge Ergebnis der Gespräche. Zeit und Ort seien noch nicht festgelegt worden. Russland rufe den Iran dazu auf, dass Moratorium zur Uran-Anreicherung wieder zu befolgen, erklärte Außenminister Lawrow.
Der russische Ex-Atomminister Viktor Michailow vermutet, Teheran spiele derzeit vor allem auf Zeit. „Letztendlich werden die Iraner den russischen Vorschlag annehmen“, sagte er in einem Interview mit der „Iswestia“. „Aber die endgültige Entscheidung werden sie bis März, April oder gar Anfang Mai hinauszögern.“ Ursprünglich sollten die Gespräche in Moskau bereits am 16. Februar stattfinden, waren auf iranische Initiative hin dann aber verschoben worden.
Russland steht seit Jahren international in der Kritik, weil russische Ingenieure in Bushir 750 Kilometer südlich von Teheran das erste Atomkraftwerks des Iran fertig stellen. Die Bauarbeiten hatte 1974 noch die Siemens-Tochter „Kraftwerk Union“ begonnen, nach dem Sturz des Schah-Regimes aber abgebrochen. Nach jahrelanger Unterbrechung wurde 1995 der Bau fortgesetzt und der Beschluss gefasst, das Kraftwerk mit einem russischen Leichtwasser-Reaktor vom Typ WWER-1000 auszustatten.
Zwar bemühen sich auch Moskaus Diplomaten seit der Machtübernahme des neuen iranischen Staatschefs Machmud Ahmadineschad um mehr Distanz zu dem Mullah-Regime. Die Ansicht, das iranische Volk habe zweifellos das Recht auf die friedliche Nutzung der Kernenergie, hatte Wladimir Putin jedoch zuletzt in einer gemeinsamen Erklärung mit dem französischen Premierminister Dominique de Villepin noch einmal bekräftigt.
Nicht nur an der Kooperation im Bereich der Kernenergie, sondern auch an den Rüstungsexporten an den Iran hält die russische Führung weiter fest. Die Führung in Teheran hatte sich bei Russland bislang dadurch revanchiert, dass sie kaum Bemühungen zum Export der islamischen Revolution in die angrenzenden muslimischen GUS-Republiken unternahm, die Moskau weiterhin zu seiner Einflusszone rechnet.
(kp/.rufo)
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